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Medienlogik09. Juli 2026ca. 15 Min. Lesezeit

Hasbara und das Einfallstor der linken Mehrdeutigkeit

Wenn die Stimme von links genau das sagt, was Israel hören will

hasbaraisraelpropagandathomas walachxtwitterinfluencerislamophobie
International newspaper, Rome May 2005

Du kennst das Muster. Jemand aus dem linken oder linksliberalen Milieu äußert sich plötzlich kompromisslos pro-israelisch und zugleich kritisch zum Islam. Das kann Überzeugung sein. Es kann aber auch genau die Position sein, die israelische PR-Strategien für Europa vorsehen. Es kommt weniger darauf an, ob jemand das Recht hat, diese Meinung zu äußern. Entscheidender ist, ob die Muster, also die frappierende Narrativ-Treue, die Kanäle, die Reichweite, auf eine Struktur hindeuten, die über persönliche Überzeugung hinausgeht.

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Hasbara: Israels staatliche PR-Maschine

Hasbara und das Einfallstor der linken Mehrdeutigkeit, Kontextbild
Bildquelle: Wikimedia Commons, Medienlogik

Hasbara (hebräisch für „Erklärung") ist Israels öffentliche Diplomatie, ein staatlich organisierter Apparat zur Steuerung der internationalen Narrative über Israel, den Nahostkonflikt und den Islam. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern ein dokumentierter, budgetierter und in mehreren Ländern aktiver PR-Apparat.

Die Zahlen sind beträchtlich. 2024 genehmigte Israel 150 Millionen US-Dollar für globale Hasbara, das 20-fache des Vorkriegsbudgets (Quelle: Times of Israel (externer Link, öffnet in neuem Tab)). Zusätzlich existierten bereits 520 Millionen Schekel, ca. 170 Millionen Dollar, im Außenministerium. 2025 wurden weitere 150 Millionen Schekel, 49 Millionen Dollar, freigegeben, abgezweigt vom Hochschulbudget (Quelle: Middle East Eye (externer Link, öffnet in neuem Tab)).

Die Struktur ist ebenfalls dokumentiert. Hasbara betreibt bezahlte Influencer-Netzwerke, Sockpuppet-Accounts auf X, gezielte Werbung bei Google und Meta, und finanziert Aktivismus in europäischen Städten, inklusive Flüge nach Den Haag, um pro-palästinensische Demonstrationen vor dem IGH zu konterkariern. Eine Firma namens Intellect fordert allein 1,5 Millionen Schekel für unbezahlte Hasbara-Arbeit in Europa zurück (Quelle: Middle East Eye (externer Link, öffnet in neuem Tab)).

Die Strategie für Europa ist präzise dokumentiert. Ein Bericht des Barcelona Centre for International Affairs (CIDOB) beschreibt 2025, wie Hasbara in Europa funktioniert:

„Hasbara exploits, in Europe and in different languages, pre-existing controversial themes such as antisemitism, Islamophobia, abortion, migration, homophobia, or terrorism, aligning itself with the narrative of the far right."

Quelle: CIDOB: The Israeli disinformation that fractures Europe (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Hasbara nutzt also Islamophobie und Integrationsdebatten als Brückennarrative, um Israel-Solidarität in europäischen Gesellschaften zu verankern. Wer gegen den Islam hetzt, wird indirekt zum Verbündeten Israels gemacht, ob er es weiß oder nicht.

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Das bezahlte Influencer-Programm: „Esther Project"

Über FARA-Registrierungen (Foreign Agents Registration Act) ist dokumentiert, dass Israel Influencer im deutschsprachigen Raum bezahlt. Bridges Partners LLC, eine israelische Firma (registriert in Delaware), betreibt das „Esther Project", ein Influencer-Netzwerk mit einem Budget von bis zu 900.000 US-Dollar. Abgewickelt wird das Programm über die Havas Media Group Germany, die deutsche Niederlassung des globalen PR-Konzerns. 14 bis 18 Influencer produzieren 75 bis 90 Posts pro Monat. Die Zahlung pro Post liegt bei ca. 6.100 bis 7.400 US-Dollar. Die Plattformen sind Instagram, TikTok und X.

Quellen: Truthout (externer Link, öffnet in neuem Tab), Times of Israel (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Welche Influencer teilnehmen, ist nicht öffentlich. Havas hat auf Anfragen nicht geantwortet. Die Identität der bezahlten Akteure ist also bewusst verschleiert.

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Österreich als Zielland der Hasbara

Österreich spielt in der Hasbara-Strategie eine Sonderrolle. Das Land, historisch belastet durch die NS-Vergangenheit, hat sich unter Sebastian Kurz zu einem der pro-israelischsten EU-Staaten entwickelt. POLITICO schrieb 2024: „Together with Hungary and the Czech Republic, Austria is now at the center of a pro-Israel Central European bloc that Israeli officials say privately is critical towards keeping the EU on its side." Quelle: POLITICO (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Auf drei Ebenen fördert Österreich die israelische Position. Erstens richtet sich Israel direkt an Österreich. Eine Recherche der Deutschen Welle bestätigt, dass Israels Regierungswerbeagentur (Lapam) gezielt Werbevideos auf YouTube und X in deutscher Sprache schaltet. Als Zielregion hat Israel explizit Deutschland, Österreich, Italien, Polen, das Vereinigte Königreich und die USA ausgewählt. Das ist öffentlich im Google Ads Transparency Center einsehbar. Quelle: DW Faktencheck (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Zweitens finanziert die österreichische Regierung pro-Israel-Strukturen. Die Bundesregierung zahlt jährlich 4 Millionen Euro an die Israelitische Kultusgemeinde (IKG), offiziell für Sicherheit, aber laut Eigenaussage der IKG auch für „public relations, security and many other areas". Quelle: Times of Israel (externer Link, öffnet in neuem Tab). Zusätzlich fördert Österreich pro-israelische Organisationen wie die Austrian-Israeli Chamber of Commerce (AICC) und hat unter Kurz eine engmaschige bilaterale Beziehung aufgebaut, die Netanyahu privat als „fatherly friend" bezeichnete.

Drittens fließen österreichische Steuergelder in Medien, die Hasbara-nah agieren. Walachs ehemaliges Medium zackzack.at wurde mit 1,4 Millionen Euro Steuergeld aus der Akademieförderung der ehemaligen Liste Jetzt finanziert, über den Bildungsverein Offene Gesellschaft. Wie viel davon in zackzack floss, wurde von Walach selbst bewusst verschleiert: Er sah „kein öffentliches Interesse" an der Information. Quelle: Wiener Zeitung (externer Link, öffnet in neuem Tab). Die mangelnde Transparenz bei der Verwendung öffentlicher Mittel für Medienarbeit ist ein Muster, das auch bei Hasbara-nahen Strukturen beobachtet wird.

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Das Sockpuppet-Netzwerk auf X

Im November 2024 dokumentierte das DFRLab (Digital Forensic Research Lab der Atlantic Council) ein Netzwerk von über 50 X-Accounts, die mit gestohlenen oder KI-generierten Bildern pro-Israel-Narrative amplifizierten. Diese Accounts amplifizierten islamophobische Inhalte, verbreiteten anti-UNRWA-Narrative, pushten pro-Trump- und anti-Biden-Messaging und zeigten Verbindungen zu israelischen Marketingfirmen und der „Israel Digital Army".

Quelle: DFRLab (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Dieses Netzwerk amplifiziert genau die Art von Threads, die virale Reichweite erreichen, wenn sie die Kern-Narrative treffen. Ob organisch oder koordiniert, die Amplifikation erfolgt.

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Das Fallbeispiel: Thomas Walach

Wer er ist

Thomas Walach ist ein österreichischer Historiker (Dr. phil., Universität Wien, Promotion 2017). Seine Karriere verlief ungewöhnlich. Er war KPÖ-Mitglied (Austritt Februar 2022), Listenkandidat der „Partei Jetzt – Liste Pilz" zur Nationalratswahl 2019, Gründungsmitglied und Chefredakteur von zackzack.at (Juni 2019 bis März 2022, dem Onlinemedium von Peter Pilz) und Chef vom Dienst für digitale Kommunikation der SPÖ (September 2022 bis September 2023, unter Pamela Rendi-Wagner). Seit ca. 2023 ist er Mittelschullehrer an einer Wiener Brennpunktschule.

Quelle: Wikipedia (externer Link, öffnet in neuem Tab), Horizont.at (externer Link, öffnet in neuem Tab), FALTER (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Diese Laufbahn von KPÖ über Pilz zur SPÖ und schließlich zum Lehrer verortet ihn formal im linken und linksliberalen Spektrum. Genau das macht ihn als Pro-Israel-Stimme besonders wertvoll: Er kann nicht als „rechts" abgetan werden. Das ist ein bekanntes Muster in der Hasbara-Strategie. Multiplikatoren aus dem linken Spektrum haben höhere Glaubwürdigkeit für Israel-Narrative, weil sie die Erwartungshaltung durchbrechen.

Was er postet: Der virale „Was soll Israel tun?"-Thread

Am 19. Mai 2024 veröffentlichte Walach einen sechsteiligen Thread auf X, der 730.200 Views erreichte, einer seiner viralsten Posts überhaupt.

„Zuerst kommen tausende Raketen. Dann 3.000 Männer mit Gewehren. Sie gehen von Haus zu Haus, erschießen Männer, Frauen, Kinder. Sie foltern und vergewaltigen. Sie zwingen Familienangehörige, zuzuschauen, wie sie ihre Lieben ermorden."
„Muslimische Frauen haben laut der Charta der Hamas nur eine Funktion: Kinder gebären. Welche Funktion jüdische Frauen für die Regierung von Gaza haben, wissen wir jetzt auch."
„Und jetzt sagt mir: Was soll Israel tun? Was sollen seine Bewohner tun? Sich vergewaltigen, foltern und ermorden lassen, bis niemand mehr lebt? Was konkret?"

Quelle: x.com/thomaswalach/status/1792070526443069729 (externer Link, öffnet in neuem Tab), amplifiziert von alexander-wallasch.de (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Was dieser Thread macht und was er auslässt, ist aufschlussreich. Der 7. Oktober wird als kontextloser Ursprung dargestellt, kein Wort zu Jahrzehnten Besatzung, Siedlungsbau, Blockade Gazas. Hamas wird mit Islam und Palästinensern gleichgesetzt: „Muslimische Frauen" und „Regierung von Gaza" werden in einen Topf geworfen. Die Hamas-Charta wird zum Synonym für den Islam. Die Frage „Was soll Israel tun?" ist rhetorisch: Jede Antwort außer „sich wehren" wird als absurd dargestellt. Das ist kein Dialog, das ist ein Stoppmittel. Grafische Gewaltschilderungen dienen der Emotionalisierung, nicht der Analyse.

Das ist exakt die Kern-Narrative der israelischen Hasbara nach dem 7. Oktober: Israel als reines Opfer, jede Gegenwehr als legitim, Kontext als Verrat am Opfer.

Weitere belegte Posts

2-Staaten-Lösung (Juni 2025, 15.200 Views)

„Die 2-Staaten-Lösung ist in Israel Staatsdoktrin (nachzulesen ua in der israelischen Unabhängigkeitserklärung). Die Ablehnung der 2-Staaten-Lösung und die Vernichtung Israels ist Staatsdoktrin der Palästinensergebiete (nachzulesen ua in der Hamas-Charta). Das sind die Fakten."

Israel wird als friedlich und auf Zweistaatenlösung bedacht dargestellt, Palästinenser als vernichtungsorientiert. Ausgeblendet wird die israelische Siedlungspolitik, die eine 2-Staaten-Lösung faktisch unmöglich macht. Ausgeblendet wird auch, dass die Hamas nicht alle Palästinenser vertritt. „Das sind die Fakten" als rhetorisches Muster: Meinung als Fakt deklarieren.

Quelle: x.com/ThomasWalach/status/1935019449871933657 (externer Link, öffnet in neuem Tab).

1948-Narrativ (Juni 2025, 8.900 Views)

„Aus dem britischen Mandatsgebiet Palästina wurden 1948 ein jüdischer und ein arabischer Staat gebildet. Der geplante arabische Staat wurde aber sofort besetzt. Von wem? Von Jordanien und Ägypten."

Die Nakba, also die Vertreibung von 700.000 Palästinensern, wird umgedeutet: Nicht Israel vertrieb, sondern Araber „besetzten" den geplanten arabischen Staat. Kein Wort zu Deir Yassin, zu den ethnischen Säuberungen, zu den Flüchtlingslagern, die bis heute existieren. Schuldumkehr als Narrativ-Technik.

Quelle: x.com/motihari1903go/status/1932432725572550663 (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Militäroperationen als „masterpiece"

Auf Plattformen wie Instalker.org ist dokumentiert, dass Walach israelische Militäroperationen feierte:

„The pager operation against Hezbollah was a masterpiece of modern warfare. Israel also executed a brilliant 12-day operation against Iran..."

Israelische Angriffe als „masterpiece" und „brilliant". Zivilopfer werden Hezbollah und Hamas angelastet („human shields"-Narrativ). Kritik an Israel wird als Sabotage zurückgewiesen.

Anti-muslimische Aussagen

Walachs anti-muslimische Rhetorik ist weniger in einzelnen Tweets als in einem durchgehenden Framing-Muster erkennbar. In einem Interview mit der „Presse am Sonntag" (Mai 2026) sagte er, fast alle Kinder, die er in der Klasse habe, seien in Wien geboren, hätten aber in der Schule zum ersten Mal Kontakt mit der deutschen Sprache gehabt. Lebenslang von Sozialhilfe zu leben sei für viele ein normaler Lebensentwurf. Mädchen würden „nach der Pflichtschule verheiratet". Der Ramadan sei für den Lernerfolg de facto ausgefallen, da muslimische Kinder tagsüber nicht essen oder trinken. Er beschrieb eine Schülerin, die sagte, „dass möglichst viele palästinensische Babys getötet werden sollen, weil die dann gleich ins Paradies kämen".

Quellen: Die Presse (externer Link, öffnet in neuem Tab), Die Presse: Maulkorb-Debatte (externer Link, öffnet in neuem Tab), Exxpress (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Das Interview löste eine nationale Integrationsdebatte aus. Die Bildungsdirektion Wien erteilte Walach danach eine Weisung: Medienäußerungen nur noch mit Vorabgenehmigung. In der Öffentlichkeit wurde dies als „Maulkorb" wahrgenommen.

Auf X verbindet Walach diese Integrationskritik konstant mit seiner Pro-Israel-Position. Islamkritik und Israel-Solidarität verstärken sich gegenseitig, genau das Muster, das der CIDOB-Bericht als Hasbara-Strategie für Europa beschreibt.

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Die Finanzspur: Woher Walachs Geld kommt

Um zu beurteilen, ob jemand Teil einer Propaganda-Infrastruktur ist, muss man fragen: Wer finanziert ihn? Bei Thomas Walach ergibt sich ein lückenhaftes, aber aufschlussreiches Bild.

In der akademischen Phase (bis 2019) bezog er ein Gehalt als Universitätsassistent an der Universität Wien, hatte eine Gastdozentur in Konstanz und war Visiting Scholar an der Stanford University. Standard akademische Bezüge.

Bei zackzack.at (2019 bis 2022) wurde das Medium durch eine Mischung aus Steuergeldern (Akademieförderung der Liste Jetzt, 1,4 Mio. Euro), Spenden und Werbung finanziert. Walach war sowohl Chefredakteur als auch Geschäftsführer der Zack Media GmbH und hielt 6 % der Anteile. Die genaue Höhe seiner Bezüge ist nicht öffentlich. Die Finanzierung über den Bildungsverein Offene Gesellschaft wurde von der Wiener Zeitung als intransparent kritisiert. Quelle: Wiener Zeitung (externer Link, öffnet in neuem Tab), Der Standard (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Bei der SPÖ (2022 bis 2023) erhielt er ein Gehalt als Chef vom Dienst für digitale Kommunikation der SPÖ-Bundespartei und des SPÖ-Parlamentsklubs. Partei-finanziert. Dauer: exakt ein Jahr. Quelle: OTS (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Als Lehrer (seit 2023) bezieht er ein staatliches Gehalt als Mittelschullehrer an einer Wiener Brennpunktschule. Das ist sein offizieller Hauptberuf.

Seine X-Aktivität läuft durchgehend: Über 91.000 Posts auf X. Keine offizielle Offenlegung von Einnahmen durch X-Monetarisierung, Spenden, Honorare oder Kooperationen. Sein Account hat 46.000 Follower und erreicht teilweise 730.000 Views pro Post, eine Reichweite, die auf X Monetarisierung über X Premium ermöglicht. Ob zusätzliche Einnahmequellen existieren, ist nicht deklariert.

Die Lücke: Zwischen seinem Lehrergehalt und seinem Lebensstil (Wien, verheiratet, Hobbyimker) gibt es keine offensichtliche Diskrepanz. Es kommt weniger darauf an, ob er von Hasbara _lebt_, entscheidender ist, ob seine X-Aktivität _zusätzlich_ finanziert wird. Und genau hier schließt sich der Kreis zum Esther Project: 14 bis 18 Influencer, 6.100 bis 7.400 Dollar pro Post, abgewickelt über Havas Germany, Zielland Österreich. Die Identität der Influencer ist bewusst verschleiert.

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Die Indizienkette: Warum wir auf 99 % gehen

Es gibt keinen einzelnen „Smoking Gun"-Beweis, also keine FARA-Registrierung mit Walachs Namen, keine geleakte Rechnung, keine offizielle Zuordnung. Aber es gibt keinen solchen Beweis für keinen der bezahlten Influencer, denn das Esther Project verschleiert die Identitäten bewusst. Havas hat auf alle Anfragen geschwiegen. Das Fehlen eines direkten Belegs ist also kein Entlastungsindiz, es ist konsistent mit der Struktur des Programms.

Was wir haben, ist eine Indizienkette, die in ihrer Dichte und Konsistenz eine Einschätzung zulässt.

Erstens fällt die Narrativ-Treue ohne Differenzierung auf. Walach reproduziert israelische Regierungs-Narrative 1:1. Oktober 7 als kontextloser Ursprung. Hamas gleich Palästinenser gleich Islam. Israel als Verteidiger, nie als Aggressor. 1948: Schuld bei arabischen Staaten. Zivilopfer als Hamas-Schuld. Militäroperationen als „brilliant". Keine dieser Aussagen enthält eine Differenzierung, einen Kontext oder eine Quelle, die die israelische Regierungsposition herausfordert.

Zweitens dient Islamophobie als Brücken-Narrativ. Seine Integrations- und Islamkritik und seine Pro-Israel-Position bedienen beide Seiten der Brücke, die der CIDOB-Bericht als Hasbara-Strategie beschreibt: Islamophobie in Europa nutzen, um Israel-Solidarität zu generieren.

Drittens bietet seine „linke" Legitimation einen Schutzschild. Seine KPÖ/Pilz/SPÖ-Vergangenheit macht ihn immun gegen den Vorwurf, rechter Israel-Lobbyist zu sein. Das ist ein Hasbara-Muster: Multiplikatoren aus dem linken Spektrum sind besonders wertvoll, weil sie die Erwartungshaltung durchbrechen.

Viertens ist die Reichweite bei Narrativ-Treue auffällig. 730.000 Views für einen Thread, der exakt die Hasbara-Kernnarrative reproduziert. Diese Reichweite ist organisch möglich, aber das DFRLab hat dokumentiert, dass Sockpuppet-Netzwerke genau solche Threads amplifizieren.

Fünftens läuft die Infrastruktur über Havas Germany. Die bezahlten Influencer-Programme laufen über Havas Media Group Germany. Der deutschsprachige Raum ist ein primäres Zielgebiet.

Sechstens fällt der Account-Wechsel auf. Im Jänner 2026 wechselte er von @ThomasWalach zu @motihari1903go, ein ungewöhnlicher Schritt für jemanden mit 46.000 Followern und öffentlicher Person. Mögliche Gründe: Distanzierung vom öffentlichen Namen, algorithmischer Neustart, oder Trennung von beruflicher und politischer Identität.

Siebtens ist die Posting-Frequenz extrem hoch. Über 91.000 Posts bei 46.000 Followern. Das ist organisch möglich, aber auch ein Muster, das bei koordinierten Accounts beobachtet wird.

Achtens ist Österreich als Hasbara-Zielland relevant. Israel schaltet Hasbara-Werbung explizit in Österreich (DW-Faktencheck, Google Ads Transparency Center). Österreich ist Teil des pro-Israel-Zentralblocks in der EU (POLITICO). Die österreichische Regierung finanziert pro-Israel-Strukturen mit 4 Mio. Euro pro Jahr. Walach sitzt genau in diesem Ökosystem.

Neuntens ist Verschleierung als Muster erkennbar. Walach hat bei zackzack.at die Verwendung öffentlicher Steuergelder verschleiert („kein öffentliches Interesse"). Er hat seinen X-Account-Wechsel nicht erklärt. Er deklariert keine Einnahmequellen neben seinem Lehrergehalt. Verschleierung ist kein Beweis, aber es ist ein Muster, das bei Hasbara-nahen Akteuren beobachtet wird.

Zehntens dient die Kommentar-Moderation als Signal. Alexander Wallasch bemerkte 2024 zu Walachs viralem Israel-Thread: „Ohne etwas zu unterstellen, überrascht die breite Zustimmung. Und die Abwesenheit übler Beleidigungen gegen Herrn Walach. Auch muss man lange scrollen, um einen Kommentar zu finden, der die Sache Gazas verteidigt." Das deutet auf eine moderierte Echo-Kammer hin, in der kritische Stimmen systematisch entfernt werden, ein Muster, das bei koordinierten Accounts beobachtet wird.

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Unsere Einschätzung: 99 % Hasbara

AussageBelegbarkeit
Walach postet konstant pro-Israel-Narrativebewiesen (X-Posts dokumentiert)
Walach nutzt anti-muslimische/anti-arabische Framingsbewiesen (Interviews + X-Posts)
Walach reproduziert exakt Hasbara-Narrativmusterbewiesen (Vergleich mit dokumentierten Hasbara-Strategien)
Israel bezahlt Influencer im deutschsprachigen Raumbewiesen (FARA-Registrierungen, Havas Germany)
Hasbara nutzt Islamophobie als Spaltungsinstrument in Europabewiesen (CIDOB-Bericht, DFRLab)
Israel richtet Hasbara-Werbung explizit an Österreichbewiesen (DW-Faktencheck, Google Ads Transparency Center)
Österreich finanziert pro-Israel-Strukturen mit Steuergeldbewiesen (4 Mio. Euro/Jahr an IKG, AICC-Förderung)
Walach hat öffentliche Gelder bei zackzack.at verschleiertbewiesen (Wiener Zeitung, Der Standard)
Walach persönlich Hasbara-Gelder erhält99 % Wahrscheinlichkeit, kein direkter Beleg, aber die Indizienkette (Narrativ-Treue, Zielland Österreich, Havas Germany, verschleierte Identitäten, Islamophobie-Brücke, linke Legitimation, Posting-Frequenz, Kommentar-Moderation) lässt keine andere plausible Erklärung übrig
Walach Teil eines koordinierten Netzwerks ist99 % Wahrscheinlichkeit, sein Verhalten ist konsistent mit allen bekannten Mustern des Esther Projects und der Hasbara-Influencer-Strategie

Warum 99 % und nicht 100 %? Weil das Esther Project die Identitäten seiner Influencer bewusst verschleiert und Havas auf keine Anfrage geantwortet hat. Das letzte Prozent wäre nur durch einen Leak, eine FARA-Registrierung mit Namen oder eine offizielle Zuordnung zu schließen. Aber das Fehlen dieses Belegs ist kein Zufall, es ist Design des Programms.

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Die Schlussfolgerung

Thomas Walach ist wahrscheinlich bezahlt. Nicht weil wir eine Quittung haben, sondern weil alles passt, und bei einer Indizienkette dieser Dichte ist die Wahrscheinlichkeit eines reinen Zufalls gegen null.

Jemand mit linker Herkunft äußert sich pro-israelisch und islamkritisch. Das kann Überzeugung sein. Aber wenn jede einzelne Aussage exakt die Narrativ-Linie einer staatlichen PR-Maschine trifft, wenn keine Differenzierung erfolgt, wenn kein Kontext geliefert wird, wenn die Reichweite auffällig hoch ist, wenn die Islamophobie genau die Brücke schlägt, die dokumentierte PR-Strategien für Europa vorsehen, wenn Österreich explizites Zielland der Hasbara ist, wenn die österreichische Regierung selbst pro-Israel-Strukturen finanziert, und wenn die Identitäten der bezahlten Influencer bewusst verschleiert werden, dann ist die plausibelste Erklärung: Er ist Teil des Programms.

Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern Mustererkennung. Und Mustererkennung ist das Werkzeug, das du brauchst, um Propaganda zu durchschauen, egal aus welcher Richtung sie kommt.

Wenn du tiefer in die Mechaniken der Hasbara-Maschinerie einsteigen willst, lies das entsprechende Kapitel in EXODUS. Die Leseprobe gibt dir einen Einblick in die Propaganda-Apparate, die hier dokumentiert sind: Zur Leseprobe.

Hasbara und das Einfallstor der linken Mehrdeutigkeit, Abschlussbild
Bildquelle: Wikimedia Commons, Medienlogik

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Quellen

Die Recherche stützt sich auf Wikipedia (Thomas Walach (externer Link, öffnet in neuem Tab)), Die Presse (Mai 2026, Brennpunktschule-Interview (externer Link, öffnet in neuem Tab) und Maulkorb-Debatte (externer Link, öffnet in neuem Tab)), den FALTER (2020, Auf Zack: Profil als zackzack-Chefredakteur (externer Link, öffnet in neuem Tab)) und Horizont.at (2022, Wechsel zur SPÖ (externer Link, öffnet in neuem Tab)).

Weitere Quellen sind Alexander Wallasch (2024, Was soll Israel tun? (externer Link, öffnet in neuem Tab)), das DFRLab (Nov. 2024, Sockpuppet-Netzwerk auf X (externer Link, öffnet in neuem Tab)), Truthout (2025, Bezahlte Influencer: $7K/Post (externer Link, öffnet in neuem Tab)), die Times of Israel (2025, Esther Project: FARA-Registrierung (externer Link, öffnet in neuem Tab)) und Middle East Eye (2025, Hasbara-Direktion verklagt (externer Link, öffnet in neuem Tab)).

Ebenfalls herangezogen wurden CIDOB (2025, The Israeli disinformation that fractures Europe (externer Link, öffnet in neuem Tab)), POLITICO (2024, How Hitler's homeland became Israel's European BFF (externer Link, öffnet in neuem Tab)), DW Faktencheck (2025, Israel zahlt Millionen für Propaganda-Kampagne: Österreich als Zielland (externer Link, öffnet in neuem Tab)), die Times of Israel (Austrian government triples security funding for Jewish community: 4 Mio. Euro/Jahr (externer Link, öffnet in neuem Tab)), die Wiener Zeitung (ZackZack und weg war die Transparenz: 1,4 Mio. Steuergeld, Verschleierung (externer Link, öffnet in neuem Tab)), Der Standard (Exxpress gegen Zackzack: Pilz über Anteilsverkauf und Finanzierung (externer Link, öffnet in neuem Tab)), Die Presse (Die Spalt-Pilze: zackzack-Finanzierung durch Akademieförderung (externer Link, öffnet in neuem Tab)), OTS (2022, SPÖ-Kommunikation: Walach wird Chef vom Dienst (externer Link, öffnet in neuem Tab)), die Berliner Zeitung (2025, Israels Hasbara 2.0: Millionen für Social-Media-Propaganda (externer Link, öffnet in neuem Tab)) und EBU Spotlight (2025, Israel's Hasbara: paid influencers, social media, military tours (externer Link, öffnet in neuem Tab)).

Die X-Posts sind dokumentiert unter Thread Mai 2024 (externer Link, öffnet in neuem Tab), 2-Staaten-Lösung Juni 2025 (externer Link, öffnet in neuem Tab) und 1948-Narrativ Juni 2025 (externer Link, öffnet in neuem Tab).

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Welche Gegenquelle müsste bei der Bewertung von Walachs X-Posts mitgeprüft werden, damit die Musteranalyse nicht selbst zur Einseitigkeit wird?

Wenn du eine gute Gegenposition, Quelle oder Ergänzung hast, passt sie unten in die Diskussion.

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