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Recherche31. Juli 2026ca. 13 Min. Lesezeit

Srpski Svet – Putins Spiegel im Balkan

Aleksandar Vulin, Serbiens pro-russischer Vizepremier, nennt es „Serbische Welt" – eine Kopie von Putins „Russkiy Mir". Die All-Serb Assembly von 2024 war die institutionelle Geburtsstunde. Hinter der Fassade von „Ein Volk, eine Versammlung" steht ein geopolitischer Bauplan.

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*Es beginnt mit einem Wort. "Srpski Svet" – die Serbische Welt. Es klingt wie ein kulturelles Konzept, wie der Ausdruck einer gemeinsamen Identität. Aber es ist mehr. Es ist die exakte Kopie eines russischen Modells: "Russkiy Mir" – die Russische Welt. Ein Konzept, das Putin genutzt hat, um die Annexion der Krim zu rechtfertigen, den Krieg in der Ukraine zu legitimieren und den russischen Einfluss über die Grenzen Russlands hinaus auszuweiten. Jetzt wird dasselbe Modell auf den Balkan übertragen. Und der Mann, der es trägt, heißt Aleksandar Vulin.*

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Der Mann Moskaus

Aleksandar Vulin. Vizepremierminister Serbiens. Ehemaliger Direktor des serbischen Geheimdienstes BIA. Auf der US-Sanktionsliste wegen illegalen Waffenhandels, Korruption und als "Vermittler russischen Einflusses auf dem Balkan". Träger des Ordens der Freundschaft – verliehen von Wladimir Putin persönlich, überreicht vom FSB-Chef Aleksandr Bortnikov in Moskau.

Vulin ist nicht der Präsident Serbiens. Er ist nicht der Ministerpräsident. Er ist nicht der Außenminister. Und doch ist er vielleicht der einflussreichste Mann in Serbiens geopolitischer Ausrichtung – weil er die Stimme ist, die Vučić nicht selbst benutzen kann.

Vučić spielt ein doppeltes Spiel: Er präsentiert sich dem Westen als gemäßigter Europäer, der EU-Integration anstrebt. Gleichzeitig hält er Vulin als Sprachrohr für die maximale nationalistische, pro-russische Position. Vulin ist der "politische Probballon" – er testet, wie weit man gehen kann, ohne dass es Konsequenzen für Vučić gibt.


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"Srpski Svet" – Das Konzept

Der Begriff "Srpski Svet" (Serbische Welt) wurde von Vulin als geopolitisches Projekt formuliert. Es ist – nach eigener Aussage – inspiriert von Putins "Russkiy Mir" (Russische Welt). Beide Konzepte basieren auf drei Säulen:

  1. Geschichte – Die Idee, dass das serbische/russische Volk eine historische Einheit bildet, die über staatliche Grenzen hinausgeht
  2. Glauben – Die orthodoxe Kirche als Bindeglied und moralische Autorität
  3. Bedrohung – Die Konstruktion eines externen Feindes (der Westen, NATO, EU), gegen den die Nation verteidigt werden muss

Vulin hat das Projekt wiederholt beschrieben:

*"Die serbische nationale Interest schließt ein: ein souveränes Serbien, die 'Serbische Welt' und militärische Neutralität. Kosovo und Metohija innerhalb der Staatsgrenzen und die Weigerung, traditionelle Freundschaften aufzugeben."*

Und konkreter:

*"Jeder Schritt, den wir in Richtung EU tun, führt uns weiter weg von Serbien, von unserer Souveränität und von unseren Freunden. Die EU verlangt Konzessionen – von Kosovo, von unseren Freunden, von unserer Politik. Sie werden uns zwingen, die gleichgeschlechtliche Ehe zu legalisieren, sie werden verlangen, dass die Serbisch-Orthodoxe Kirche auf das Niveau einer NGO reduziert wird."*

Im November 2024 sagte Vulin öffentlich:

*"Das Projekt der 'Großserbien' ist gestartet und kann nicht mehr gestoppt werden."*

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Russkiy Mir – Das Vorbild

Um "Srpski Svet" zu verstehen, muss man "Russkiy Mir" verstehen. Putins Konzept der "Russischen Welt" wurde in den 2000er Jahren formuliert und diente als ideologische Grundlage für:

  • Die Annexion der Krim (2014) – zum Schutz der "russischen Weltbevölkerung"
  • Die Intervention im Donbass (2014–2022) – zum Schutz der "russischsprachigen Bevölkerung"
  • Die volle Invasion der Ukraine (2022) – offiziell eine "Operation zum Schutz der russischen Welt"

Die Struktur ist identisch: Eine Nation, die über staatliche Grenzen hinausgeht, mit dem Recht, ihre "Landsleute" überall zu schützen – notfalls militärisch. Die orthodoxe Kirche als Legitimationsinstanz. Der Westen als existenzielle Bedrohung.

"Srpski Svet" überträgt dieses Modell auf Serbien. Die "serbische Nation" existiert nicht nur in Serbien, sondern auch in der Republika Srpska, in Montenegro, in Nordmazedonien, in Kosovo. Das "Schutzrecht" für diese Serben rechtfertigt – potenziell – militärische oder hybride Operationen. Die Serbisch-Orthodoxe Kirche liefert die sakrale Überhöhung. Und der Westen – NATO, EU – bleibt der Feind.


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Die All-Serb Assembly – Die institutionelle Geburtsstunde

Am 8. Juni 2024 fand in Belgrad die All-Serb Assembly (Svesrpski Sabor) statt. Unter dem Slogan "Ein Volk, eine Versammlung – Serbien und Srpska" versammelten sich:

  • Aleksandar Vučić, Präsident Serbiens
  • Milorad Dodik, Präsident der Republika Srpska
  • Željka Cvijanović, serbisches Mitglied im Staatspräsidium Bosniens
  • Radovan Višković, Premierminister der RS
  • Nenad Stevandić, Parlamentssprecher der RS
  • Ana Brnabić, Präsidentin der serbischen Nationalversammlung
  • Patriarch Porfirije der Serbisch-Orthodoxen Kirche
  • Vertreter von Serben aus Montenegro, Nordmazedonien und der Diaspora

Die Versammlung verabschiedete eine Deklaration zum Schutz der nationalen und politischen Rechte und der gemeinsamen Zukunft des serbischen Volkes. In 49 Punkten formulierte sie:

  • Das serbische Volk sei "eine einzige Entität"
  • Kosovo-Metohija sei "ein untrennbarer Teil der Republik Serbien"
  • Die RS und Serbien sollen ihre Institutionen "vereint und koordiniert" einsetzen
  • Die Versammlung solle alle zwei Jahre zusammentreffen

Offiziell wurde die Sezession der RS nicht erwähnt. Vučić betonte, die Deklaration respektiere das Dayton-Abkommen. Aber die Substanz war eindeutig: Es war die institutionelle Rahmen für den "Srpski Svet" – die organisatorische Klammer zwischen Serbien und der RS, die eine Parallelstruktur zum Zentralstaat Bosnien schafft.


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Die Russische Historische Gesellschaft – Der ideologische Unterbau

Im Oktober 2024 gründete Vulin in Belgrad die Russische Historische Gesellschaft – offiziell zur "Pflege der gemeinsamen historischen Erinnerung der brüderlichen russischen und serbischen Völker". Bei der Gründung anwesend: Vertreter der serbischen Staatsinstitutionen, der Serbisch-Orthodoxen Kirche und einer Moskauer Organisation mit Verbindungen zur Putin-Administration.

Die Reden betonten die "Notwendigkeit, die gemeinsame historische Erinnerung an die brüderlichen Völker zu bewahren". In der Praxis war es die Schaffung eines ideologischen Unterbaus für den "Srpski Svet" – einer Erzählung, die serbische Identität mit Moskaus Achse verschmilzt.

Die Analyse-Plattform *The Balkan Report* beschreibt es so:

*"Vulins Worte über einen 'friedlichen Kampf für die Schaffung des Srpski Svet' sind bewusst widersprüchlich. Er spricht nicht von einem militärischen Krieg, sondern von einem ideologischen, kulturellen und identitären – einer weichen Offensive, die ein Projekt normalisieren soll, das in der Praxis schwere politische Konsequenzen trägt."*

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BRICS statt EU

Vulin hat wiederholt gefordert, Serbien solle seine EU-Beitrittsambitionen aufgeben und sich stattdessen BRICS anschließen. Auf einer Konferenz "BRICS – Serbien unter Freunden" im serbischen Parlament sagte er:

*"BRICS stellt keine Bedingungen, anders als Brüssel. Jeder Schritt in Richtung EU führt uns weiter weg von Serbien, von unserer Souveränität und von unseren Freunden."*

Der russische Botschafter in Serbien, Aleksandr Botsan-Kharchenko, unterstützte die Konferenz offen und erklärte, BRICS werde eine "Schlüsselrolle beim Aufbau einer multipolaren Weltordnung" spielen.

Dodik – der bei einem BRICS-Gipfel in Kasan anwesend war – bot an, dass sich die RS "in einem Format beteiligen könnte, das diese Möglichkeit erlaubt". Und: Er lehnte Sanktionen gegen Russland ab und verweigerte die Einführung von Visapflichten für russische Staatsbürger.


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Die Vučić-Vulin-Dynamik

Vučić distanziert sich öffentlich von Vulins extremster Rhetorik – aber er profitiert davon. Vulin sagt das, was Vučić nicht sagen kann, ohne seine westlichen Beziehungen zu gefährden. Es ist ein kalkuliertes Doppelspiel:

  • Vučić verhandelt mit der EU über Mitgliedschaft, empfängt westliche Investitionen, sitzt in München auf Sicherheitskonferenzen
  • Vulin reist nach Moskau, trifft Putin, propagiert BRICS, ruft nach "Großserbien"

Beide dienen demselben Ziel: der Maximierung serbischer Macht durch die Ausnutzung beider Blöcke. Solange die EU Angst vor einem serbischen Schwenk zu Russland hat, gibt sie Vučić Konzessionen. Solange Russland glaubt, Serbien sei ein Verbündeter, liefert es diplomatische Deckung.

Und Dodik? Er ist der Nutznießer beider Seiten – geschützt von Moskau, finanziert von Belgrad, gedeckt von Budapest.


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Die Frage nach dem "Wer"

Wer steckt also hinter der Reaktivierung des serbischen Nationalismus? Es ist nicht eine Person. Es ist ein Netzwerk:

| Akteur | Rolle | |---|---| | Wladimir Putin | Strategischer Sponsor, diplomatischer Schutz, ideologisches Vorbild (Russkiy Mir) | | Aleksandar Vulin | Ideologischer Architekt des "Srpski Svet", Moskaus Mann in Belgrad | | Aleksandar Vučić | Taktischer Koordinator, Doppelstrategie EU/Russland | | Milorad Dodik | Operativer Vollstrecker in Bosnien, Sezessionsmaschine | | Viktor Orbán | EU-interner Schutzschild, blockiert Sanktionen, investiert in RS | | Serbisch-Orthodoxe Kirche | Sakrale Legitimation, Identitätsstiftung | | Russische Historische Gesellschaft | Ideologischer Unterbau, Narrative-Produktion |

Dies ist kein Zufall. Es ist ein geopolitischer Bauplan – und Bosnien ist das Schlachtfeld.


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Der nächste Schritt

Der "Srpski Svet" ist nicht nur ein serbisches Projekt. Er ist ein Baustein in einer größeren Architektur – einer Architektur, die darauf abzielt, die westliche Ordnung in Europa zu untergraben, EU- und NATO-Erweiterung zu blockieren und "managed instability" als Instrument der Kontrolle zu etablieren.

Im nächsten Teil: Wie der "Great Reset" – im Sinne der geopolitischen Umstrukturierung – die nationale Frage instrumentalisiert, warum die Blockade Bosniens kein Zufall ist, und wie Ethnonationalismus als Werkzeug der Kontrolle eingesetzt wird.


*Quellen: AP News, RFE/RL, New Eastern Europe, The Balkan Report, Brussels Watch, BGNES, Kremlin.ru, Carnegie Endowment, DTT-NET, Stanford FSI (2024–2026)*

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Sigma

Systemanalyse, Quellenprüfung und Einordnung. Keine Auftragsarbeit. Keine institutionelle Bindung. Der #SIGMACODE verbindet biografische Erfahrung mit disziplinierter Recherche.

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