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Recherche29. Juli 2026ca. 15 Min. Lesezeit

By Way of Deception — Der Mossad, Epstein und die Toten von Beirut

Ein ehemaliger Mossad-Agent schrieb 1990 ein Buch, in dem er behauptet, der Mossad habe den Tod von 241 US-Marines in Beirut 1983 bewusst zugelassen. Dreißig Jahre später taucht Epsteins Name in FBI-Memos als Mossad-Asset auf. Zufall oder Muster?

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Ein ehemaliger Mossad-Agent schrieb 1990 ein Buch, in dem er behauptet, der Mossad habe den Tod von 241 US-Marines in Beirut 1983 bewusst zugelassen. Dreißig Jahre später taucht Epsteins Name in FBI-Memos als Mossad-Asset auf. Zufall oder Muster?

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Der Mossad, Epstein und die Toten von Beirut

By Way of Deception — Der Mossad, Epstein und die Toten von Beirut – Kontextbild
Bildquelle: Wikimedia Commons – Recherche

*Ein Buch, das Israel verbieten wollte. Ein Mossad-Motto, das Täuschung zur Doktrin erklärt. 241 tote Amerikaner, die vielleicht hätten leben können. Und ein Mann namens Epstein, den das FBI als Mossad-Agent einstufte. Was wenn das alles ein Muster ist?*

Teil 3 von 4 der Reihe *Das Epstein-Schweigen* → Teil 1: Die Verschwundene (externer Link, öffnet in neuem Tab) — Michele und die Epstein-Files → Teil 2: Das Todesmuster (externer Link, öffnet in neuem Tab) — Drei Zeugen, drei Tote, keine Aussage → Teil 4: Palm Beach Pete (externer Link, öffnet in neuem Tab) — Der Mann, der nicht existieren dürfte

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Das Motto

„By way of deception, thou shalt do war." — Das offizielle Motto des Mossad, zitiert von Victor Ostrovsky

Täuschung als Kriegsführung. Nicht Gewalt, nicht Überlegenheit — Täuschung. Das ist die Doktrin, die der Mossad nach Ostrovskys Darstellung lehrt und lebt. Und wenn diese Doktrin bedeutet, dass Verbündete sterben, dann ist das offenbar Teil der Kalkulation.


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Das Buch, das Israel verbieten wollte

1990 veröffentlichte Victor Ostrovsky — ein ehemaliger Mossad-Katsa (Case Officer, 1984–1986) — zusammen mit dem kanadischen Journalisten Claire Hoy das Buch „By Way of Deception: The Making and Unmaking of a Mossad Officer". Das 300-seitige Werk beschreibt detailliert die Ausbildung, Methoden und Operationen des Mossad — inklusive Namensnennung von Agenten und Vorgesetzten.

Israels Regierung versuchte, die Veröffentlichung gerichtlich zu stoppen — zuerst in Israel, dann in Kanada und den USA. Der Versuch scheiterte, garantierte aber dem Buch massive Publicity: 500.000 verkaufte Exemplare weltweit.

Ostrovsky sagte nach der Veröffentlichung, er fürchte um sein Leben. Der israelische Journalist Yosef Lapid rief öffentlich im israelischen Fernsehen dazu auf, Ostrovsky zu ermorden — und ergänzte auf kanadischem Fernsehen: „Ich hoffe, es gibt einen anständigen Juden in Kanada, der den Job für uns erledigt."

Die LA Times schrieb 1990: „Die Tatsache, dass Israel so beispiellose Anstrengungen unternommen hat, um die Veröffentlichung zu verhindern, verleiht den Behauptungen Glaubwürdigkeit."


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Beirut 1983 — 241 tote US-Marines

Die spektakulärste Behauptung des Buches betrifft den Bombenanschlag auf die US-Marine-Kaserne in Beirut am 23. Oktober 1983.

Um 6:20 Uhr morgens fuhr ein Mercedes-Lkw in das Gelände des Beirut International Airport, durchbrach mehrere Barrieren und raste in das vierstöckige Aviation Safety Building, das als Hauptquartier des 1. Battalion 8th Marines diente. Die Detonation — äquivalent zu ~12.000 Pfund TNT — ließ das Gebäude in Sekunden in sich zusammenfallen. 241 US-Soldaten starben, die meisten noch schlafend in ihren Betten. Kurz darauf wurde auch die französische Paratrooper-Kaserne getroffen — 58 weitere Tote. Insgesamt 305 Tote an einem Morgen.

Es war der höchste amerikanische Verlust an einem einzelnen Tag seit der Tet-Offensive in Vietnam 1968.

Was Ostrovsky behauptet (Seite 321)

Im Sommer 1983 informierte ein Mossad-Informant die Agentur über einen großen Mercedes-Lkw, der von schiitischen Muslimen mit Sprengstoffräumen ausgerüstet wurde. Der Informant sagte, der Lkw habe ungewöhnlich große Räume — das Ziel müsse ein massives Ziel sein. Der Mossad wusste, dass es für diese Größe nur wenige logische Ziele gab, eines davon das US-Compound.

Die Entscheidung wurde an Tel Aviv weitergeleitet. Nahum Admony, damaliger Mossad-Chef, entschied:

„Nein, wir sind nicht hier, um Amerikaner zu schützen. Sie sind ein großes Land. Sendet nur die regulären Informationen."

Das bedeutete: eine allgemeine, vage Warnung — eine von über 100 in den vorangegangenen sechs Monaten. Sie würde keine besonderen Alarme auslösen.

Gleichzeitig wurden alle israelischen Einrichtungen mit den spezifischen Details des Lkw versorgt und angewiesen, nach einem passenden Mercedes Ausschau zu halten.

Am Morgen des 23. Oktober fuhr der Mercedes-Lkw am Beirut Airport in Sichtweite israelischer Wachen vorbei, durch einen libanesischen Armee-Checkpoint, und in das Marine-Hauptquartier.

Ostrovsky über die Reaktion im Mossad-Hauptquartier:

„Es gab einen Seufzer der Erleichterung, dass nicht wir getroffen wurden. Es wurde als kleines Ereignis gesehen — wir waren darüber gestolpert und haben es niemandem gesagt."
„Die allgemeine Haltung gegenüber den Amerikanern war: 'Hey, sie wollten ihre Nase in diese Lebanon-Sache stecken, lassen sie sie den Preis zahlen.'"

Glaubwürdigkeit — Pro und Contra

Für Glaubwürdigkeit spricht:

  • Die LA Times bestätigte, Ostrovsky hatte Zugang zu Mossad-Computerdateien über vergangene Operationen
  • Israel reagierte mit massiver Gegenkampagne, nicht mit Klagen — was darauf hindeutet, dass Ostrovsky Dinge wusste, die Israel nicht öffentlich diskutiert sehen wollte
  • Der israelische Journalist Lapid rief öffentlich zur Ermordung Ostrovskys auf — eine extreme Reaktion auf ein „Lügenbuch"
  • Die Grundstruktur der Behauptung (Mossad hatte Informanten in Beirut, gab nur vage Warnungen) ist plausibel

Gegen Glaubwürdigkeit spricht:

  • Benny Morris (israelischer Historiker) schrieb, Ostrovsky sei „kaum ein Case Officer gewesen, bevor er gefeuert wurde; die meiste Zeit war er Trainee" und habe aufgrund von Kompartimentalisierung „kein Wissen über aktuelle Mossad-Operationen haben können"
  • Commentary Magazine argumentierte: Ostrovsky konnte nicht gewusst haben, was Mossad-Chef Admony mit einer Information machte — er war Trainee, nicht Direktor
  • Ein Mercedes-Lkw war das häufigste Fahrzeug in Beirut — eine Warnung wäre fast wertlos gewesen
  • Admony dementierte jegliche Vorabkenntnis

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Die Trojan-Operation — Wie der Mossad die USA täuschte

Ostrovsky beschreibt in dem Buch eine weitere Mossad-Operation, die das Prinzip „By way of deception" perfekt illustriert:

Der Mossad pflanzte ein spezielles Kommunikationsgerät — einen „Trojan" — tief im feindlichen Territorium. Das Gerät sendete vorab aufgezeichnete Falsch-Übertragungen weiter — so, als kämen sie von offiziellen libyschen Stellen. Die Amerikaner fingen die Signale auf und interpretierten sie als Beweis, dass Libyen Terrorakte unterstützte. Der Mossad „bestätigte" diese Informationen mit eigenen Berichten.

Das Ergebnis: Die USA bombardierten Libyen 1986.

Ostrovsky schreibt, der Mossad wusste nicht einmal, wer die Berliner Disco-Bombe gelegt hatte, die den Anlass lieferte. Aber die Trojan-Operation lieferte den Amerikanern den „Beweis", den sie brauchten.

Frankreich und Spanien waren skeptisch — sie hielten die plötzlichen libyschen „Bekennungen" für verdächtig. Sie hatten recht. Die Informationen waren gefälscht.


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Epstein und der Mossad — Die dokumentierten Verbindungen

Dreißig Jahre nach Ostrovskys Buch taucht der Name Epstein in einem Kontext auf, der das Muster perfekt ergänzt.

Das FBI-Memo

Ein FBI-Memo vom 19. Oktober 2020, freigegeben im Rahmen der Epstein-Files, enthält Aussagen einer Vertrauensperson mit direktem Kontakt zu Epsteins Kreis. Die Quelle sagte aus:

  • Epstein „war ein rekrutierter Mossad-Agent" und „wurde als Spion ausgebildet" — unter dem ehemaligen israelischen Premier Ehud Barak
  • Nach Telefonaten zwischen Epstein und seinem Anwalt Alan Dershowitz habe der Mossad Dershowitz angerufen, um ihn zu debriefen
  • Die Quelle war „überzeugt, dass Epstein ein Mossad-Agent war"

Dershowitz dementierte. Israels Premier Netanjahu schrieb auf X: „Epsteins enge Beziehung zu Ehud Barak beweist nicht, dass Epstein für Israel arbeitete — sondern das Gegenteil."

Die Maxwell-Verbindung

Ghislaine Maxwell, Epsteins Partnerin, die wegen Menschenhandel zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde, ist die Tochter von Robert Maxwell — einem britischen Zeitungsverleger, der für MI6, Mossad und den KGB arbeitete.

Epstein selbst schrieb 2018 in einer E-Mail, Robert Maxwell habe den Mossad erpresst: Er drohte, „alles zu offenbaren, was er für sie getan hatte", wenn sie ihm nicht 400 Millionen Pfund gäben, um sein kollabierendes Medienimperium zu retten. Maxwell starb 1991 — er fiel von seiner Yacht bei den Kanarischen Inseln. Der Tod wurde nie vollständig aufgeklärt.

Die israelische Überwachung

Aus den Epstein-Files geht hervor:

  • Die israelische Regierung installierte und wartete Überwachungstechnik in Epsteins Manhattaner Apartment an der East 66th Street
  • Das israelische Konsulat führte Hintergrundprüfungen für Besucher durch
  • Yoni Koren, ein israelischer Geheimdienstveteran, wohnte wochenlang in Epsteins New Yorker Residenz (2013–2015)
  • Epstein bezahlte offenbar Korens Krebsbehandlung 2012
  • Epstein finanzierte Friends of the Israel Defense Forces (25.000 $) und den Jewish National Fund (15.000 $)
  • Epstein und Barak investierten gemeinsam in ein Sicherheits-Startup, später Carbyne genannt, das mit ehemaligen Mossad-Agenten besetzt war

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Das Muster

Was verbindet Beirut 1983 mit Epstein 2019?

1983: Der Mossad hatte Informationen über einen drohenden Anschlag auf US-Truppen. Der Mossad-Chef entschied, die Amerikaner nicht zu warnen. 241 starben. Die Haltung: „Sie sind ein großes Land. Lassen sie sie den Preis zahlen."

2019: Epstein starb in einer Zelle, in der beide Wärter schliefen, beide Kameras ausfielen und der Zellengenosse entfernt worden war. Er war ein Mann, den das FBI als Mossad-Agent einstufte. Er kannte die Namen der Kunden, die Geldflüsse, die Verbindungen. Er starb, bevor er aussagen konnte.

2022: Brunel starb in einer Pariser Gefängniszelle — erhängt, um 1:00 Uhr morgens. Er kannte das europäische Rekrutierungssystem. Er starb, bevor er aussagen konnte.

2026: Siad starb in seinem Haus in Paris. Er wurde nie verhört. Er kannte die operative Ebene. Er starb, bevor er aussagen konnte.

Das Muster: Wer etwas weiß, was der Mossad nicht öffentlich werden will, stirbt bevor er es sagen kann.

Das ist kein Beweis. Es ist ein Muster. Aber es ist ein Muster, das man nicht ignorieren kann, ohne es zu erklären.


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Was bewiesen ist — und was nicht

Bewiesen:

  • Ostrovsky schrieb das Buch, Israel versuchte es zu verbieten, es verkaufte 500.000 Exemplare
  • 241 US-Marines starben in Beirut 1983 durch einen Mercedes-Lkw-Bombenanschlag
  • Epstein hatte umfangreiche, dokumentierte Verbindungen zu israelischen Geheimdienstkreisen
  • Ein FBI-Memo bezeichnet Epstein als Mossad-Agent
  • Die israelische Regierung war physisch in Epsteins Immobilien präsent
  • Ghislaine Maxwells Vater arbeitete für den Mossad

Nicht bewiesen:

  • Dass der Mossad den Beirut-Anschlag bewusst zuließ (Ostrovskys Quelle ist nicht verifizierbar)
  • Dass der Mossad Epstein, Brunel oder Siad töten ließ
  • Dass die Tode im Epstein-Komplex gezielte Liquidierungen sind

Die Logik: Wenn Epstein ein Mossad-Asset war — ein Honeytrap-Operator, der Kompromat auf globale Eliten sammelte — dann kannten Siad und Brunel die operative Struktur. Hätten sie ausgesagt, hätten sie das gesamte europäische Rekrutierungssystem offenlegen können. Mit jedem Tod verschwindet eine Quelle. Das Muster ist konsistent mit der Logik einer Vertuschungsoperation. Es ist kein Beweis. Aber es ist ein Muster.


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Die offene Frage

Ostrovsky schrieb 1990 über den Mossad: „By way of deception, thou shalt do war." Dreißig Jahre später starb ein Mann, den das FBI als Mossad-Agent einstufte, in einer Zelle, in der alles gleichzeitig versagte. Drei weitere Männer, die das Netzwerk kannten, starben, bevor sie aussagen konnten.

Die Frage ist nicht, ob das alles Zufall ist. Die Frage ist, wie viel Zufall man noch glauben kann.

Und dann ist da noch ein Mann in Palm Beach, der aussieht wie Epstein, fliegt wie Epstein und dessen Identität niemand verifizieren kann. Seine Geschichte erzählen wir in **Teil 4: Palm Beach Pete (externer Link, öffnet in neuem Tab)**.


By Way of Deception — Der Mossad, Epstein und die Toten von Beirut – Abschlussbild
Bildquelle: Wikimedia Commons – Recherche

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Quellen

„By Way of Deception" & Beirut 1983

Mossad-Epstein-Verbindung


Dieser Beitrag dokumentiert recherchierte Fakten, dokumentierte Spekulationen und offene Fragen. Die Behauptungen Ostrovskys sind nicht gerichtlich oder forensisch verifiziert. Die Verbindungen zwischen Epstein und israelischen Geheimdienstkreisen sind durch FBI-Dokumente und die Epstein-Files belegt. Ob daraus eine kausale Verbindung zu den Todesfällen im Epstein-Komplex folgt, ist nicht bewiesen — aber das Muster ist dokumentiert.

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Sigma

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