Recherche30. Juli 2026ca. 12 Min. Lesezeit
Der Ben-Gvir-Skandal — Als Shabtai brach
Rabbi Shmully Hecht lädt Itamar Ben-Gvir an die Yale University. Drei Mitglieder treten zurück. 200 Studenten protestieren. 20 Rabbis schreiben einen offenen Brief. Hecht nennt Ben-Gvir einen 'bold, resolute leader' und bewundert Rabbi Meir Kahane. Die Gesellschaft zerbricht.
*Im April 2025 lädt Rabbi Shmully Hecht den rechtsextremen israelischen Nationalicherheitsminister Itamar Ben-Gvir an die Yale University. Ben-Gvir ist ein ehemaliger Kahanist, der wegen Terrorunterstützung verurteilt wurde. Hecht nennt ihn einen „bold, resolute leader." Drei Mitglieder treten zurück. 200 Studenten errichten ein Protest-Camp. 20 Yale-Rabbiner schreiben einen offenen Brief. Und Hecht verdoppelt — er lädt Ben-Gvir auch nach New York und Washington D.C.*
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Itamar Ben-Gvir — Wer eingeladen wurde

Itamar Ben-Gvir ist Israels Minister für nationale Sicherheit. Er leitet die rechtsextreme Otzma Yehudit-Partei "Jüdische Macht") und sitzt in Netanyahus Koalitionsregierung. Seine Biografie ist ein Extremprotokoll:
- Als Jugendlicher wurde er von den Israelischen Verteidigungsstreitkräften wegen seiner rechtsextremen Gesinnung vom Dienst befreit
- Er ist ein Anhänger von Rabbi Meir Kahane, dessen Partei *Kach* sowohl in Israel als auch in den USA als Terrororganisation eingestuft wurde
- Er wurde in Israel verurteilt wegen rassistischer Hetze und Unterstützung einer Terrororganisation
- Er hatte ein Bild von Baruch Goldstein in seinem Wohnzimmer — Goldstein massakrierte 1994 29 betende Muslime in der Hebron-Tomb-of-the-Patriarchs-Schießerei
- Er wurde 2022 Minister und trat 2025 seinen ersten offiziellen Besuch in den USA an
Bis vor kurzem mieden israelische Politiker der Rechten die Partnerschaft mit Ben-Gvir. Jetzt wurde er von Shabtai eingeladen.
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Die Einladung
Rabbi Hecht lud Ben-Gvir zu einer „totally off-the-record" Veranstaltung in die Anderson Mansion. Etwa 100 Studenten und 30 Fakultätsmitglieder nahmen teil. In einer E-Mail an Yale-Fakultätsmitglieder, die von der *Jewish Telegraphic Agency* eingesehen wurde, schrieb Hecht:
„In light of the Anti Israel/Anti-Semitic climate of today's Ivy League campuses, it is vital that we at Yale hear perspectives from unapologetic Israeli leaders committed to securing the Holy land of Israel as the one eternal homeland of the Jewish People, and a refuge for its non-Jewish citizens and minorities that enjoy democracy in a region of tyrants and demagogues."
Er nannte Shabtai „a true oasis for free speech at Yale and the world at large."
Der Kontrast zu Ben-Gvirs tatsächlichem politischen Stand ist dabei bemerkenswert. Ben-Gvir hat wiederholt gesagt, dass die Rechte jüdischer Israelis vorrangig sein sollten. Ritchie Torres, ein entschieden pro-israelischer Demokrat im Repräsentantenhaus, nannte ihn wiederholt einen „demagogue."
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„I admire Ben Gvir"
Hecht machte keinen Hehl aus seiner Sympathie. Gegenüber der *Jewish Telegraphic Agency* sagte er:
„I admire Ben Gvir. Itamar promotes what he believes is best for his people that democratically elected him."
Er nannte Ben-Gvir einen „bold, resolute leader." Und er lobte auch Rabbi Meir Kahane — den Mann, dessen Partei als Terrororganisation eingestuft wurde, dessen Ideologie Ben-Gvir folgt.
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Die Rücktritte
Mindestens drei Shabtai-Mitglieder traten zurück. Zwei von ihnen — beide jüdische Yale-Alumni — schrieben einen Brief an den Shabtai-Listserv, der von der JTA eingesehen wurde:
„Shabtai was founded as a space for fearless, pluralistic Jewish discourse. But this event jeopardizes Shabtai's reputation and very future."
Einer der Unterzeichner, David Vincent Kimel, sagte im Interview:
„I'm deeply concerned that we're increasingly treating extreme rhetoric as just another viewpoint, rather than recognizing it as a distortion of constructive discourse. When the loudest voices are those at the extremes, they overshadow the nuanced, moderate perspectives that often hold the key to genuine understanding and compromise."
Er fügte hinzu:
„Just like people calling for the dismantling of Israel, the killing of Jews on Oct. 7, are also a grotesque extreme."
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„Free speech cannot be selectively applied"
Der Kern der Kritik der austretenden Mitglieder war nicht, dass Ben-Gvir sprechen sollte — sondern dass Hechts Free-Speech-Prinzip einseitig angewendet wurde. Sie schrieben:
„Free speech cannot be selectively applied. In fact, if Ben Gvir's invitation is justified by free speech, then that principle must extend to equally extreme voices on the other side, as well as to all Yale student protestors, even those we strongly disagree with. If it doesn't, this is more about advancing one narrative than free speech."
Und weiter:
„Given Hecht's support for excommunicating such Jews for their beliefs, his decision to host Ben-Gvir is not promoting free speech, but rather legitimizing terrorism and state repression."
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Die Exkommunikations-Petition
Der Vorwurf der selektiven Free Speech bezieht sich auf ein Ereignis vom November 2023. Hecht hatte über das Shabtai-Netzwerk eine Change.org-Petition zirkuliert, die zur „global excommunication of Jews who endanger the Jewish people" aufrief. Die Petition nannte zehn namentlich genannte Juden:
- Thomas Friedman — *New York Times* Kolumnist
- Peter Beinart — Journalist (und Yale-300-Teilnehmer)
- Jeremy Ben Ami — Gründer von J Street
- Tony Kushner — Dramatiker
- Simone Zimmerman — Mitgründerin von IfNotNow
- Max Berger — Mitgründer von IfNotNow
- Alissa Romanow — Mitgründerin von IfNotNow
- Norman Finkelstein — Politikwissenschaftler
- Noam Chomsky — Linguist und Intellektueller
- Yisroel Dovid Weiss — Neturei Karta (antizionistische haredi Sekte)
Die Petition forderte, diese Personen sollten ausgeschlossen werden aus:
„synagogues, schools, community centers, nonprofits, weddings, and bar mitzvahs" — sowie aus der Beerdigung auf jüdischen Friedhöfen und der Einreise nach Israel.
Mit genügend Unterschriften, so Hecht, „will we request Rabbinical Courts around the world to Halachically enforce this grassroots-excommunication."
Die Petition hat bis heute 91 Unterschriften.
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Die Proteste
Am 22. April 2025 — zwei Tage vor Ben-Gvirs Auftritt — kündigten über 200 Personen an, ein Protest-Encampment vor der Anderson Mansion zu errichten. Ein Flyer, der auf Instagram geteilt wurde, lautete:
„When murderers are invited, the people must show up. Our people are slaughtered. Our children buried. Yet war criminals are given a stage."
Das Camp wurde noch am selben Tag aufgelöst. Yales „Free Expression Facilitator" erklärte die Studenten für vertragsbrüchig — sie riskierten Disziplinarmaßnahmen und Festnahme. Eine Koalition pro-palästinensischer Yale-Gruppen kündigte auf Instagram an:
„This is only the beginning. Intifada until victory!"
Jüdische und israelische Studenten, die Ben-Gvir ablehnen, planten einen eigenen Protest. Netanel Crispe, ein hasidischer Yale-Student und Aktivist, konfrontierte die pro-palästinensischen Demonstranten direkt — ein Bild, das auf X viral ging.
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Die 20 Rabbis
Am Morgen vor Ben-Gvirs Auftritt veröffentlichten 20 Yale-Alumni-Rabbiner einen offenen Brief über T'ruah — eine liberale rabbinische Organisation. Der Brief forderte Shabtai auf, Ben-Gvir auszuladen:
„We believe strongly in free speech, but free speech does not mean that everyone has to be invited to speak."
Rabbi Rick Jacobs, Präsident der *Union for Reform Judaism*, schrieb in der *Haaretz*:
„Some ideas are so beyond the pale, so contrary to Jewish values that have sustained our people throughout the millennia, and so at odds with the values on which Israel was founded, that they do not deserve legitimization in the public square."
Und:
„Don't invite him to your congregation or welcome him to your community. Educate your synagogue and Jewish community on the dangers Ben-Gvir poses."
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Hecht verdoppelt
Anstatt auf die Kritik zu reagieren, verdoppelte Hecht. Neben der New-Haven-Veranstaltung plante er weitere Auftritte mit Ben-Gvir:
- New York City, Upper East Side — am folgenden Tag
- Washington D.C. — später in der Woche
Ein Video, das Ben-Gvir bei der Ankunft in New York zeigt, zeigt ihn einen lächelnden Hecht umarmend.
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Die Spaltung
Der Ben-Gvir-Skandal offenberte eine Spaltung, die tiefer reicht als eine einzelne Einladung. Er legte die Frage offen, die seit der Gründung von Shabtai existiert: Ist es ein Raum für pluralistischen Diskurs — oder eine Plattform für eine bestimmte politische Richtung?
Die austretenden Mitglieder lobten die Hechts persönlich — „a second home to so many of us" — aber sie zogen die Konsequenz. Die Gesellschaft, die einst Philip Weiss (Antizionist) und William Schabas (UN-Israel-Kritiker) einlud, lud jetzt einen Mann ein, der ein Bild des Hebron-Mörders Goldstein in seinem Wohnzimmer hatte.
Kimel sagte über seine Zeit bei Shabtai:
„I was impressed that they really did try to bring pluralism to the table."
Aber:
„This event jeopardizes Shabtai's reputation and very future."
→ Weiter zu **Teil 4: Das Netzwerk (externer Link, öffnet in neuem Tab)** — Wer sind die Mitglieder, die durch Shabtai in die höchsten Etagen der amerikanischen Politik aufgestiegen sind?

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Quellen
- Jewish Telegraphic Agency: An elite Jewish society at Yale fractures over its director's embrace of Itamar Ben-Gvir (externer Link, öffnet in neuem Tab)
- Yale Daily News: Far-right Israeli minister ignites protests outside of Shabtai (externer Link, öffnet in neuem Tab)
- Jewish News (UK): Ben-Gvir's US visit provokes splits at Yale Jewish society (externer Link, öffnet in neuem Tab)
- Haaretz: Don't answer the door when Ben-Gvir comes knocking — Rabbi Rick Jacobs (externer Link, öffnet in neuem Tab)
- T'ruah: Open Letter from Yale Alumni Jewish Clergy urging Shabtai to disinvite Ben-Gvir (externer Link, öffnet in neuem Tab)
- Change.org: Anti-Israel Jews Excommunicated — Petition by Shmully Hecht (externer Link, öffnet in neuem Tab)
- Wikipedia: Shabtai (society) — Activities (externer Link, öffnet in neuem Tab))
- X / UnXeptableD: Video: Ben-Gvir embracing Hecht in NYC (externer Link, öffnet in neuem Tab)
*Die Veranstaltung fand am 23. April 2025 in der Anderson Mansion, 442 Orange Street, New Haven, Connecticut statt. Yale University distanzierte sich offiziell. Die Proteste wurden am selben Tag aufgelöst.*
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