Dokumentation10. Juli 2026ca. 12 Min. Lesezeit
Great Reset Chronologie 2020–2026: Was tatsächlich passiert ist
Kein Mythos – eine Chronologie. Jeder Eintrag belegt.
Der Begriff "Great Reset" ist emotional aufgeladen. Deshalb trennen wir hier sauber: Was das WEF gesagt hat, was Regierungen beschlossen haben und was tatsächlich in Kraft getreten ist. Keine Deutung. Ein Verzeichnis mit Quellen.
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2020: Der Öffnungsmoment
Juni 2020: Das World Economic Forum veröffentlicht den "Great Reset". Klaus Schwab und damals Prinz Charles stellen die Initiative vor. Die Pandemie wird als "rare but narrow window of opportunity" beschrieben. Drei Säulen: Stakeholder Capitalism, ESG-Frameworks, Vierte Industrielle Revolution. Quelle: WEF – Now is the time for a Great Reset.
Juli 2020: Schwab veröffentlicht das Buch "COVID-19: The Great Reset" (mit Thierry Malleret). Weniger als vier Monate nach der WHO-Pandemieerklärung.
März 2020: Deutschland erklärt die "epidemische Lage von nationaler Tragweite". Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) wird zur rechtlichen Basis für Lockdowns, Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote. Quelle: Eurofound – German Infection Protection Act.
Dezember 2020: Die EU-Kommission veröffentlicht Entwürfe für den Digital Services Act (DSA) und den Digital Markets Act (DMA). Beide sollen Plattformen regulieren, Inhalte moderieren und "Gatekeeper" definieren. Quelle: EU Parliament – DSA.
Faktisch: 2020 war der Moment, in dem Reset-Sprache und Krisengesetzgebung zusammenkamen. Die Sprache war öffentlich. Die Gesetze waren real.
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2021: Infrastruktur wird gebaut
Juni 2021: Der Deutsche Bundestag verabschiedet das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG). Unternehmen ab 3.000 Mitarbeitern müssen Menschenrechts- und Umweltsorgfalt in Lieferketten nachweisen. Veröffentlicht im Bundesgesetzblatt am 22. Juli 2021. Quelle: CSR in Deutschland – LkSG.
Juli 2021: Die EU führt das Digital COVID Certificate ein. Bis zu seiner Auslaufung im Juni 2023 werden über 2,3 Milliarden Zertifikate ausgestellt. Quelle: European Commission – EU Digital COVID Certificate.
2021: Die EU-Taxonomie-Verordnung (seit 2020 in Kraft) wird zur Grundlage für ESG-Klassifizierung. Große Unternehmen müssen ab 2023 darüber berichten, wie viel ihres Umsatzes taxonomy-konform ist. Quelle: EU – Taxonomy Regulation.
Faktisch: 2021 war das Jahr der stillen Infrastruktur. LkSG, COVID-Zertifikate und ESG-Taxonomie legten die Grundlage für alles, was folgte.
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2022: Die große Regulierungswelle
Oktober 2022: Der Digital Services Act (DSA) wird im EU-Amtsblatt veröffentlicht. Er tritt am 1. November 2022 in Kraft. Ab August 2023 gelten strengere Pflichten für "Very Large Online Platforms" (VLOPs). Plattformen müssen Risikobewertungen durchführen, Transparenzberichte erstellen und "illegale Inhalte" bekämpfen. Quelle: EU Parliament – DSA.
Oktober 2022: Der Digital Markets Act (DMA) wird veröffentlicht. Er definiert "Gatekeeper" (Alphabet, Amazon, Apple, ByteDance, Meta, Microsoft) und schreibt Interoperabilität vor. Quelle: EU Parliament – DMA.
Dezember 2022: Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) wird im EU-Amtsblatt veröffentlicht. Sie tritt am 5. Januar 2023 in Kraft. Ab dem Geschäftsjahr 2024 müssen große Unternehmen detailliert über Nachhaltigkeitsrisiken berichten. Quelle: EUR-Lex – CSRD Directive 2022/2464.
Mai 2022: Die EU-Kommission schlägt "Chat Control" vor (Verordnung zur Bekämpfung von Kindesmissbrauchsmaterial). Sie würde Messenger-Dienste verpflichten, private Nachrichten auf CSAM-Inhalte zu scannen. Quelle: Patrick Breyer – Chat Control.
Faktisch: 2022 war das Jahr, in dem die digitale Regulierungsarchitektur der EU sichtbar wurde. DSA, DMA, CSRD und Chat Control – vier Gesetze, die das Internet, die Wirtschaft und die Privatsphäre neu definierten.
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2023: Identität und Geld
Mai 2023: Der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) wird als Verordnung (EU) 2023/956 verabschiedet. Ab Oktober 2023 müssen Importeure vierteljährlich über CO₂-Emissionen importierter Güter berichten. Ab 2026 müssen Zertifikate gekauft werden. Quelle: EUR-Lex – CBAM Regulation.
Juni 2023: Die EU-Kommission veröffentlicht den Vorschlag für den digitalen Euro. Die EZB betont, dass er "nicht programmierbar" sei und Offline-Zahlungen mit cash-ähnlicher Privatsphäre ermöglichen solle. Der EDPB empfiehlt jedoch, die Privatsphäre auch für Online-Zahlungen unter einem Schwellenwert zu garantieren. Quelle: EUR-Lex – Digital Euro Proposal.
Mai 2024 (rückwirkend): Die eIDAS 2.0-Verordnung (EU) 2024/1183 tritt im Mai 2024 in Kraft. Bis Ende 2026 müssen alle 27 EU-Mitgliedstaaten eine digitale Identitätswallet (EUDI Wallet) anbieten. Bis Ende 2027 müssen auch private Organisationen sie akzeptieren. Quelle: Yousign – eIDAS 2.0 Compliance.
Juni 2023: Die EU-Kommission verabschiedet die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) als delegierte Verordnung. Sie definieren, wie Unternehmen über ESG-Faktoren berichten müssen. Quelle: European Commission – Corporate sustainability reporting.
Faktisch: 2023 war das Jahr, in dem Identität, Geld und CO₂-Berichterstattung rechtlich verknüpft wurden.
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2024: Enforcement beginnt
August 2024: Die EU AI Act tritt in Kraft. Die meisten Regeln gelten ab dem 2. August 2026. Hochrisiko-KI-Systeme müssen Risikobewertungen durchführen, Transparenz gewährleisten und menschliche Aufsicht sicherstellen. Quelle: EU AI Act Service Desk – Timeline.
Juni 2024: Die 77. World Health Assembly verabschiedet den WHO Pandemic Agreement und Änderungen der International Health Regulations (IHR). Die Verträge sollen nationale Pandemie-Reaktionen koordinieren. Kritiker sehen Souveränitätsrisiken; die WHO betont, dass nationale Gesundheitspolitik in der Hand der Mitgliedsstaaten bleibt. Quelle: Congress.gov – IHR Amendments.
August 2024: Das Nature Restoration Law tritt in Kraft. Es verpflichtet EU-Mitgliedstaaten, bis 2030 mindestens 20 Prozent der Land- und Meeresflächen wiederherzustellen, bis 2050 alle geschädigten Ökosysteme. Quelle: EU Commission – Nature Restoration Law.
November 2024: Die EU verabschiedet die Verordnung über ESG-Rating-Aktivitäten (EU) 2024/3005. Sie soll Transparenz und Integrität von ESG-Ratings verbessern. Quelle: ICLG – ESG Laws Germany.
Faktisch: 2024 war das Jahr, in dem Gesetzgebung in Enforcement überging. Die Infrastruktur war gebaut. Jetzt wurde sie aktiviert.
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2025: Erste Korrekturen – und was bleibt
2025: Die EU-Kommission veröffentlicht ein "Omnibus"-Vereinfachungspaket für CSRD und Taxonomie. Berichtspflichten sollen auf die größten Unternehmen begrenzt werden. Das zeigt: Nicht alles ist einseitig. Es gibt Rollbacks. Quelle: European Commission – Corporate sustainability reporting.
Januar 2025: Das Weiße Haus erlässt eine Executive Order, die Bundesbehörden verbietet, CBDCs zu etablieren oder zu fördern. Quelle: White House – Strengthening American Leadership in Digital Financial Technology.
Faktisch: 2025 zeigt, dass die Architektur nicht unaufhaltsam ist. Aber die Grundstruktur – DSA, DMA, eIDAS, AI Act, CSRD – bleibt.
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2026: Was ansteht
- eIDAS 2.0: Bis Ende 2026 muss jede EU-Bürgerschaft eine digitale Wallet haben.
- AI Act: Ab 2. August 2026 gelten die meisten Regeln, Enforcement beginnt.
- Digitaler Euro: Entscheidung über die Einführung könnte 2026 fallen. Ausgabe frühestens 2029.
- CBAM: Ab 1. Januar 2026 müssen Importeure Zertifikate kaufen. Bis 2034 vollständige Phaseneinführung.
- Chat Control: Weiterhin in Verhandlung. Das Europäische Parlament hat im November 2023 für gezielte Überwachung statt flächendeckendes Scanning gestimmt. Der Rat bleibt gespalten. Quelle: Wikipedia – Chat Control.
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Die Gesamtchronologie als Tabelle
| Jahr | Gesetz/Regulierung | Bereich | Status | |---|---|---|---| | 2020 | IfSG-Novelle (Deutschland) | Gesundheit/Notstand | In Kraft | | 2020 | DSA/DMA-Entwurf (EU) | Digitale Plattformen | Verabschiedet 2022 | | 2021 | LkSG (Deutschland) | Lieferketten/ESG | In Kraft, 2025 zur Diskussion | | 2021 | EU Digital COVID Certificate | Gesundheit/Identität | Ausgelaufen Juni 2023 | | 2022 | DSA (EU) | Digitale Plattformen | In Kraft, Enforcement seit 2023 | | 2022 | DMA (EU) | Digitale Märkte | In Kraft, Gatekeeper designiert | | 2022 | CSRD (EU) | Unternehmensberichterstattung | In Kraft, Wellen 2025–2029 | | 2022 | Chat Control-Vorschlag (EU) | Privatsphäre/Überwachung | In Verhandlung | | 2023 | CBAM (EU) | CO₂-Grenze | Übergangsphase, definitiv ab 2026 | | 2023 | Digitaler Euro-Vorschlag (EU) | Geld/Zahlung | In Verhandlung | | 2023 | ESRS (EU) | ESG-Standards | In Kraft | | 2024 | eIDAS 2.0 (EU) | Digitale Identität | In Kraft, Wallet bis Ende 2026 | | 2024 | AI Act (EU) | Künstliche Intelligenz | In Kraft, Enforcement ab 2026 | | 2024 | WHO Pandemic Agreement | Globale Gesundheit | Verabschiedet Mai 2024 | | 2024 | Nature Restoration Law (EU) | Umwelt/Landnutzung | In Kraft | | 2024 | ESG Rating Regulation (EU) | Finanz/ESG | In Kraft | | 2025 | CSRD Omnibus (EU) | Berichterstattung | Vereinfachung vorgeschlagen | | 2026 | eIDAS Wallet Pflicht | Digitale Identität | Frist: 31.12.2026 | | 2026 | AI Act Enforcement | KI-Regulierung | Ab 2.8.2026 | | 2026 | CBAM definitive Phase | CO₂-Zertifikate | Ab 1.1.2026 |
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Was das bedeutet
Das ist keine Deutung. Es ist ein Verzeichnis. Jeder Eintrag ist belegt. Die Frage, die sich stellt, ist nicht, ob es einen "Great Reset" gibt. Die Frage ist: Wenn man all diese Gesetze zusammen liest, welches Bild entsteht?
Es entsteht das Bild einer Gesellschaft, in der mehr Bereiche des Lebens vermessen, reguliert und digital vermittelt werden. Ob das gut oder schlecht ist, ist eine politische Frage. Aber dass es passiert, ist eine faktische.
Wer die historische Parallele sehen will, liest weiter: Kriegsgesetze und Krisen-Regeln.
Die Leseprobe zeigt dir den Ton. Der Vergleich zeigt dir die Tiefe.
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