Geschichte03. August 2026ca. 7 Min. Lesezeit
David Albala: Wie Serbien 1917 die Balfour-Deklaration unterstützte
Am 27. Dezember 1917 wurde Serbien zum ersten Land nach Großbritannien, das öffentlich den jüdischen Staat in Palästina befürwortete.
Die Balfour-Deklaration vom 2. November 1917 war ein britischer Brief, der den Juden ein „nationales Heim" in Palästina zusicherte. Fast alle Regierungen schwiegen. Eine Ausnahme: das Königreich Serbien. Am 27. Dezember 1917 sandte der serbische Regierungssprecher Milenko Vesnić aus Washington einen Brief an Dr. David Albala, und Serbien wurde damit zum ersten Staat nach Großbritannien, der die Deklaration offiziell unterstützte.
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Wer war David Albala?
David Albala wurde am 1. September 1886 in Belgrad geboren. Seine Familie war eine wohlhabende sephardisch-jüdische Kaufmannsfamilie. Er studierte Medizin an der Universität Wien, wo er erstmals intensiv mit dem Zionismus in Kontakt kam. 1910 kehrte er nach Serbien zurück und trat in die königlich-serbische Armee ein.
Albala war kein Bürokrat im Hintergrund. Er nahm an den Balkan-Kriegen 1912/1913 und am Ersten Weltkrieg teil, zuletzt im berüchtigten serbischen Rückzug über die albanischen Berge im Winter 1915/16. Er erkrankte an Typhus und Dysenterie und wurde zunächst nach Nordafrika evakuiert.
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Von Korfu nach Washington
Auf der griechischen Insel Korfu, wo die serbische Regierung im Exil residierte, schlug Albala Premierminister Nikola Pašić vor, in die USA zu reisen, um Unterstützung für Serbien zu werben. Pašić stimmte zu. Albala trat eine mehrmonatige Vortrags- und Anleihetour durch die USA an.
In New York traf er führende jüdische Persönlichkeiten, darunter den späteren Supreme-Court-Richter Louis Brandeis, Chaim Weizmann, Stephen Wise und Cyrus Adler. Albala warb für Serbien, aber er warb auch für die zionistische Sache. Beides gehörte für ihn zusammen.
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Der Brief vom 27. Dezember 1917
Der Brief Vesnićs an Albala ist ein bemerkenswertes diplomatisches Dokument. Er drückt die Sympathie der serbischen Regierung und des serbischen Volkes für „the just endeavor of resuscitating their beloved country in Palestine" aus. Dabei fällt ein Satz besonders ins Gewicht:
„You know, dear Captain Albala, that there is no other nation in the world sympathizing with this plan more than Serbia."
Vesnić verglich die Sehnsucht der Juden nach Palästina mit den „bitter tears on the rivers of Babylon", die die Serben nach dem Verlust ihrer Heimat vergossen hätten. Er schrieb, es werde traurig sein, jüdische Mitbürger fortgehen zu sehen, aber Serbien hoffe, dass sie „the strongest tie between free Israel and Serbia" blieben.
Historiker weisen darauf hin, dass dies der erste offizielle Regierungstext war, der den noch nicht gegründeten jüdischen Staat als „Israel" bezeichnete, drei Jahrzehnte vor der offiziellen Staatsgründung.
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Warum unterstützte Serbien den Zionismus?
Der Grund war nicht rein altruistisch. Serbien war ein kleines, vom Krieg verwüstetes Land, das dringend Unterstützung in den USA und bei den Alliierten brauchte. Durch die pro-zionistische Erklärung erhoffte man sich Sympathie in der amerikanischen und europäischen jüdischen Presse, Unterstützung für serbische Kriegsanleihen und diplomatische Ziele, und Legitimation als modernes, aufklärerisches Nationalstaatsmodell im Gegensatz zum Osmanischen Reich.
Aber es war nicht nur Kalkül. Serbien hatte tatsächlich eine jüdische Minderheit, die sich als patriotisch-serbisch verstand. Jüdische Soldaten hatten in den Balkan- und Weltkriegen für Serbien gekämpft. Albala selbst verkörperte das: ein Jude, der gleichzeitig Serbe, Zionist und Arzt war.
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Albala nach dem Krieg
Nach dem Krieg war Albala Delegierter des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen bei der Friedenskonferenz von Versailles. Er blieb eine zentrale Figur der jugoslawischen Zionistenbewegung, wurde Präsident der jüdischen Gemeinde Belgrads und des Jüdischen Nationalfonds Jugoslawiens.
1935 reiste er erstmals nach Palästina und weihte dort einen Wald zum Gedenken an den ermordeten König Alexander I. von Jugoslawien. 1939 schickte ihn die jugoslawische Regierung erneut in die USA, um Kredite und Waffen zu beschaffen. Er starb 1942 in Washington.
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Fazit
David Albala ist eine Schlüsselfigur für das serbisch-jüdische Verhältnis. Er verband Loyalität zu Serbien mit dem Glauben an einen jüdischen Staat. Der Brief vom 27. Dezember 1917 ist kein Appendix der Geschichte, sondern ein diplomatisches Signal: Serbien erkannte den Zionismus früh an, nicht trotz, sondern wegen seiner eigenen nationalen Erfahrung.
Quellen:
- Wikipedia: „David Albala"
- Jerusalem Post: „David Albala: Serbian warrior, Zionist hero" (2017)
- Michael Freund: „David Albala" (michaelfreund.org)
- Adara Press: „Kingdom of Serbia was the first country after United Kingdom to officially support the creation of Jewish state" (2020)
- El Mundo Sefarad: Originalbrief Vesnić an Albala (27.12.1917)
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