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Geschichte03. August 2026ca. 6 Min. Lesezeit

Von Sarajevo nach Jerusalem: Was Serbien wirklich mit dem Zionismus verbindet

Vom Sarajevo-Boykott 1798 bis zur Belgrader Exhumierung 2026: Eine balkanische Linie durch die Zionismus-Geschichte.

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Die bisherigen sechs Teile haben ein Mosaik gelegt. Es ist Zeit, zurückzutreten und zu fragen: Was verbindet Serbien tatsächlich mit dem Zionismus? Und was verbindet es nicht?

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Die Linie: Ein geographischer Faden

Die Geschichte beginnt in Sarajevo 1798, mit der Geburt Rabbi Yehuda Alkalais. Sie führt über Jerusalem, wo er aufwuchs, nach Zemun und Semlin, wo er ab 1825 predigte und den Proto-Zionismus formte. Sie kreuzt sich mit der Familie Herzl in Zemun, wo Shimon Leib Herzl Alkalai hörte und dessen Ideen in das Haus seines Enkels Theodor trug.

Sie verläuft weiter über Wien und Basel, wo Theodor Herzl den politischen Zionismus organisierte, und zurück nach Belgrad, wo 1903 David Albala die erste zionistische Jugendgruppe gründete und 1917 erreichte, dass Serbien die Balfour-Deklaration unterstützte.

Sie endet vorerst im August 2026: mit der Überführung von Shimon Leib und Rivka Herzl vom jüdischen Friedhof in Zemun auf den Herzlberg in Jerusalem.

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Was tatsächlich verbindet

Geographisch sind Sarajevo, Zemun, Belgrad und später Jerusalem Stationen ein und derselben Geschichte. Familiär lebten Herzls väterliche Großeltern in Zemun, zwei weitläufige Verwandte konvertierten zum serbisch-orthodoxen Christentum. Ideell wurde Alkalais Proto-Zionismus durch serbische und griechische Befreiungskriege inspiriert. Diplomatisch war Serbien 1917 das erste Land nach Großbritannien, das den jüdischen Staat unterstützte. Und aktuell verbindet die Exhumierung und Wiedereinbettung 2026 beide Länder erneut, politisch und medial.

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Was nicht verbindet

Es gibt keine gemeinsame „serbisch-zionistische Ideologie". Serbien war kein zionistisches Projekt, und der Zionismus war kein serbisches. Die Reduktion auf einen angeblichen gemeinsamen „Hass auf Muslime" ist historisch falsch und politisch gefährlich.

Der serbische Nationalismus entstand im Kampf gegen die osmanische Fremdherrschaft. Der Zionismus entstand als Antwort auf europäischen Antisemitismus und die Suche nach einem nationalen Territorium. Beide waren national, beide waren modern, beide verursachten Leid, aber sie taten es aus unterschiedlichen Gründen und in unterschiedlichen Kontexten.

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Warum das relevant bleibt

Die Geschichte der Herzl-Großeltern in Zemun ist mehr als eine Anekdote. Sie zeigt, dass der Zionismus kein reines westeuropäisches Phänomen war. Seine Wurzeln reichten in den Balkan, in sephardische Gemeinden, in die Kabbala und in die Beobachtung der Balkan-Nationalismen.

Gleichzeitig zeigt sie, wie brüchig jüdische Identität im 19. Jahrhundert war. Konversion, Assimilation, Zionismus, Orthodoxie, alles war möglich, alles passierte in derselben Familie. Herzl selbst war ein Produkt dieser Brüche, nicht ihrer Überwindung.

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Fazit

Serbien und der Zionismus sind durch konkrete Menschen, Orte und Briefe verbunden: Alkalai, Herzl, Albala, Vesnić, Shimon Leib und Rivka. Diese Verbindungen reichen aus, um eine erzählenswerte Geschichte zu erzählen, ohne in Verschwörung oder überzogene Parallele abzugleiten. Die balkanischen Wurzeln des Zionismus sind real. Man muss sie nur zu Ende erzählen.


Weiterführende Quellen der Reihe:

  • Ernst Pawel: *The Labyrinth of Exile – A Life of Theodor Herzl* (1989)
  • KOSMO.at: „Von Belgrad nach Jerusalem" (30.07.2026)
  • Jerusalem Post: „Herzl's grandparents to be reburied in Jerusalem" (27.07.2026)
  • Jewish Virtual Library: „Judah Ben Solomon Hai Alkalai"
  • Michael Freund: „David Albala" (michaelfreund.org)
  • Adara Press: „Kingdom of Serbia was the first country..." (2020)
  • Palquest: „Letter from Theodor Herzl to Yusuf Diya-uddin al-Khalidi"
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