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Geschichte03. August 2026ca. 7 Min. Lesezeit

Rabbi Yehuda Alkalai: In Sarajevo geboren, in Zemun erwacht

Bevor Herzl den Zionismus erfand, predigte ein sephardischer Rabbiner in Zemun, dass die Juden nach Palästina zurückkehren müssten.

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Wenn heute vom „Vordenker des Zionismus" gesprochen wird, fällt meist der Name Theodor Herzl. Weniger bekannt ist Yehuda ben Shelomo Chai Alkalai (1798–1878). Geboren in Sarajevo, erzogen in Jerusalem, prägte er von Zemun aus, heute ein Stadtteil Belgrads, die Idee, dass die Juden nicht passiv auf den Messias warten, sondern aktiv in das Land Israel zurückkehren sollten.

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Von Sarajevo nach Jerusalem und nach Zemun

Alkalai entstammte einer angesehenen sephardischen Rabbinerfamilie. Seine Kindheit verbrachte er in Jerusalem, wo er Kabbala und Talmud studierte. 1825, mit 27 Jahren, wurde er nach Semlin, dem heutigen Zemun, berufen, um die sephardische Gemeinde als Lehrer und Vorleser zu betreuen. 1851 wurde er ihr Rabbiner.

Zemun lag damals in der Habsburgischen Militärgrenze, einem Puffergebiet gegen das Osmanische Reich. Die Stadt hatte etwa 5.000 Einwohner: Serben, Deutsche, Kroaten, Slowaken, Armenier und Juden. Alkalai lehrte Hebräisch an junge Männer, deren Muttersprache Ladino war.

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Warum ausgerechnet Zemun?

Die Wahl des Ortes war nicht zufällig. In den 1810er und 1820er Jahren tobten in der Region die serbischen Aufstände gegen die osmanische Herrschaft. Der erste serbische Aufstand (1804–1813) und der zweite (1815) prägten das politische Klima. Griechische und serbische Nationalbewegungen zeigten, dass ein unterdrücktes Volk nationale Souveränität zurückgewinnen konnte.

Alkalai übertrug dieses Muster auf die Juden. Wenn Serben und Griechen ihre Unabhängigkeit erkämpfen konnten, warum nicht auch die Juden? Nicht als religiöse Sekte, sondern als Nation.

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Seine Ideen: Mehr als fromme Sehnsucht

Alkalai war kein abstrakter Mystiker. In seinem 1839 erschienenen Buch *Darhei No'am* und in *Minchat Yehuda* (1843) skizzierte er ein konkretes Programm. Er forderte die Wiederherstellung des Hebräischen als jüdische Nationalsprache, die Rückkehr der Juden nach Palästina, Landankauf und landwirtschaftliche Arbeit als wirtschaftliche Basis, die Gründung einer „Versammlung jüdischer Notabeln", die vor den Mächten Europas für das jüdische Volk sprechen sollte, und einen Zehnten aus jüdischen Gemeinden weltweit als Finanzierungsinstrument.

Das Jahr 1840, in dem die Damaskus-Affäre einen europaweiten Blutverleumdungsprozess gegen Juden auslöste, festigte seine Überzeugung. Die Juden brauchten ein eigenes Land als Zufluchtsort. Gleichzeitig zeigte die Intervention europäischer Mächte zugunsten der Damaskus-Juden, dass internationale Diplomatie wirken konnte.

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Finanzierung: Ein Zehnt für Palästina

Alkalai selbst lebte oft in bescheidenen Verhältnissen. Er reiste jahrzehntelang durch Europa, um Unterstützer zu finden, und gründete kurzlebige Siedlungsgesellschaften wie „Erez Yisrael" in Zemun, Belgrad und Šabac. Sein Hauptfinanzierungsmodell war der Zehnte: jüdische Gemeinden sollten zehn Prozent ihrer Einkünfte für die Rückkehr spenden.

Das Modell scheiterte weitgehend. Die großen jüdischen Gemeinden Westeuropas waren assimilierungsorientiert, die osteuropäischen waren arm. Doch die Idee eines nationalen Fonds kehrte später im Jewish National Fund (JNF) und Keren Hayesod wieder.

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Der Bezug zu Herzl

Herzls Großvater Shimon Leib Herzl war ein enger Anhänger Alkalais. Er besuchte dessen Predigten, wurde von ihm vermutlich getraut und vermittelte die Ideen in die Familie. Theodor Herzl selbst wurde 1903 Ehrenbürger von Zemun. Ob er direkt von Alkalai beeinflusst war, ist historisch umstritten. Die ideologische Nähe und familiäre Verbindung sind jedoch unbestritten.

Alkalai starb 1878 in Jerusalem, ein vergessener Mann. Erst nach der Gründung des modernen Zionismus wurde er als einer seiner ersten Vordenker wiederentdeckt.

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Fazit

Alkalai war kein „Vor-Herzl" im Sinne einer Vorstufe, sondern ein eigenständiger Denker, der politischen Zionismus aus der Beobachtung der Balkan-Nationalismen destillierte. Sein Weg von Sarajevo über Jerusalem nach Zemun zeigt: Die „Wiege des Zionismus" stand nicht in Wien oder Basel, sondern im Balkan.


Quellen:

  • Wikipedia: „Judah ben Solomon Hai Alkalai"
  • Jewish Virtual Library: „Judah Ben Solomon Hai Alkalai"
  • World Mizrachi: „Rabbi Yehuda Alkalai (1798–1878)"
  • The Nutshell Times: „Hidden Belgrade (34): Rabbi Alkalai, Zemun and Zionism" (2018)
  • WIRED: „Zemun, Serbia: Cradle of Zionism" (2018)
  • Encyclopedia.com: „Alkalai, Yehudah ben Shelomoh"
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