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Sport & Macht09. Juli 2026ca. 11 Min. Lesezeit

WM 2026: Shaun Evans und die rechtsextreme Geste

Ein 'unterbewusstes Zucken' – oder ein Symbol, das die FIFA ignorierte?

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Es ist der Moment vor dem Anpfiff. Deutschland gegen Curaçao, das Eröffnungsspiel der deutschen Mannschaft bei der WM 2026. Die TV-Übertragung zeigt die Schiedsrichter am Spielfeldrand. Dann schneidet die Kamera zum VAR-Hub in Dallas – und Shaun Evans macht eine Geste, die die Debatte der nächsten Tage dominieren wird.

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Der Vorfall

Spiel: Deutschland vs Curaçao, Gruppenphase, 7:1 für Deutschland Datum: Sonntag, WM 2026 Ort: VAR-Hub, Dallas

Die FIFA hat vor jedem WM-Spiel eine kurze Vorstellung der Schiedsrichter-Teams eingeführt. Der Schiedsrichter und sein Team am Spielfeldrand werden gezeigt, dann schneidet die Kamera zum VAR-Hub in Dallas. Dort posieren die VAR-Offiziellen kurz für die Kamera, ihre Namen erscheinen auf dem Bildschirm.

Als die Kamera auf den VAR-Raum schneidet, steht Evans mit dem Arm an der Seite. Dann macht er mit den Fingern seiner rechten Hand ein umgekehrtes OK-Zeichen – Daumen und Zeigefinger bilden einen Kreis, die anderen Finger sind ausgestreckt. Die Geste ist unter seiner Taille, vor seinem rechten Bein.

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Die Bedeutung der Geste

Das umgekehrte OK-Zeichen hat zwei Bedeutungen:

1. Der "Circle Game" (Schulhof-Spiel)

In einigen Ländern gibt es ein Schulhof-Spiel: Jemand zeigt das umgekehrte OK-Zeichen unter der Taille. Wer hinblickt, bekommt einen Schlag auf die Schulter. Es ist ein Scherz unter Jugendlichen.

2. "White Power" Symbol

Seit 2017 wird die Geste mit rechtsextremer Symbolik in Verbindung gebracht. Die drei ausgestreckten Finger bilden ein "W", der Kreis aus Daumen und Zeigefinger ein "P" – zusammen "White Power". Die Geste wurde in Internetforen populär gemacht und dann von Rechtsradikalen übernommen. 2019 stufte die Anti-Defamation League (ADL) in New York das Zeichen als Hasssymbol ein.

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Die Reaktion – Fare fordert Ausschluss

Fare – das Antirassismus-Netzwerk und langjähriger Partner von FIFA und UEFA zur Überwachung rassistischer und diskriminierender Vorfälle bei internationalen Spielen – veröffentlichte ein Statement:

"Der Rat unserer Experten ist, dass die Geste klar dem umgekehrten OK-Handsymbol ähnelt, das in globalen rechtsextremen Kreisen als 'White Power'-Symbol verwendet wird."
"Warum benutzt ein VAR-Supervisor dieses Symbol bei einem globalen Fußballereignis genau in dem Moment, in dem er weiß, dass die Kameras auf ihn gerichtet sind? Es kann nur so sein, dass er absichtlich ein rechtsextremes neo-nazistisches Symbol sendet."

Quelle: The Athletic, Sporting News, Sportstar

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Evans' Verteidigung

Evans veröffentlichte eine Erklärung über die FIFA:

"Ich möchte klarstellen, dass ich weder absichtlich eine Botschaft, eine Zugehörigkeit, ein Spiel noch eine Überzeugung irgendeiner Art habe vermitteln wollen. Die einzige Erklärung, die ich anbieten kann, ist, dass die Bewegung ein unwillkürliches, unterbewusstes Zucken war und ich mir nicht bewusst war, dass ich es getan hatte. Bilder, die später während des Spiels aufgenommen wurden, zeigten, dass ich diese Bewegung viele Male wiederholte, während ich einen Stift zwischen meinen Fingern hielt."
"Die Berichterstattung nach diesem Vorfall spiegelt einfach nicht wider, wer ich bin. Natürlich verstehe ich, wie die Geste interpretiert wurde, und ich bedauere das. Aber ich möchte sehr klar und kategorisch sagen, dass ich das suggerierte Handsymbol nicht wissentlich oder absichtlich gemacht habe. Bei der WM zu pfeifen ist die größte Ehre meiner Karriere."

Quelle: BBC Sport, Sportstar, AAP

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Der Freispruch

Die FIFA veröffentlichte eine kurze Erklärung:

"FIFAs unabhängiger Disziplinarausschuss kann bestätigen, dass er nach Prüfung des Vorfalls involving den Support-Video-Assistant-Referee Shaun Evans keine Beweise für Verstöße gegen den FIFA-Disziplinarkodex gefunden hat. Der Disziplinarausschuss hat auch von der Erklärung von Herrn Evans Kenntnis genommen."

Quelle: BBC Sport, Sporting News, Sportstar

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Die heimliche Konsequenz

Die FIFA sprach Evans frei. Aber sie tat etwas anderes – leise und ohne Erklärung:

Nach dem Deutschland-Curaçao-Spiel änderte sich die VAR-Übertragung. Bei den drei folgenden Spielen wurden die VAR-Offiziellen nicht mehr posierend gezeigt. Stattdessen saßen sie bereits an ihren Monitoren, mit dem Rücken zur Kamera. Nur ihre Namen wurden noch eingeblendet.

Die FIFA gab keine Erklärung für die Änderung. Die Änderung setzte sich auch bei den folgenden Spieltagen fort.

Was das bedeutet

Wenn die Geste wirklich nur ein "unterbewusstes Zucken" war – warum änderte die FIFA die Übertragung? Wenn Evans unschuldig ist – warum wurden die VAR-Teams nicht mehr posierend gezeigt?

Die Diskrepanz zwischen dem öffentlichen Freispruch und der heimlichen Konsequenz ist aufschlussreich. Die FIFA wollte den Vorfall nicht eskalieren lassen – aber sie wollte auch nicht riskieren, dass er sich wiederholt.

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Die australische Reaktion

SBS Sport (Australien)

Der australische Sender SBS Sport interpretierte die Geste als "Circle Game" und postete auf TikTok: "He got us good!" – was wiederum kritisiert wurde, weil es die ernsthaften Bedenken von Fare marginalisierte.

Professional Football Referees Association (PFRA)

Die australische Schiedsrichter-Gewerkschaft begrüßte den Ausgang der FIFA-Überprüfung und erklärte:

"Shaun hat konsistent die Werte repräsentiert, die von Fußball-Offiziellen erwartet werden: Professionalität, Respekt und Integrität. Wir anerkennen Shauns öffentliche Erklärung, in der er die Angelegenheit direkt ansprach, und wir erkennen die Bedeutung von Fairness, Kontext und due process."

Quelle: AAP, Sporting News

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Evans' Hintergrund

  • Geboren: 21. Oktober 1987, Victoria, Australien
  • Alter: 38 Jahre
  • A-League: Schiedsrichter seit 2012/13, Grand Final 2019
  • FIFA-Liste: Seit 2017
  • WM 2022: War in Katar im Einsatz
  • WM 2026: Einer von 30 Video-Review-Analysten, die von der FIFA ausgewählt wurden
  • Konföderation: Asian Football Confederation (AFC)

Quelle: BBC Sport, Sporting News, ESPN

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Die Fragen, die bleiben

  1. War die Geste absichtlich? Evans sagt nein. Fare sagt ja. Die FIFA sagt: nicht bewiesen. Aber die ADL hat das Zeichen als Hasssymbol eingestuft – und Evans ist ein erfahrener Profi, der weiß, wann Kameras auf ihn gerichtet sind.
  2. Warum hat die FIFA die Übertragung geändert? Wenn Evans unschuldig ist, warum wurde die VAR-Vorstellung geändert? Die FIFA schweigt dazu.
  3. Warum wurde Evans nicht mindestens für die restliche WM suspendiert? Fare forderte den Ausschluss vom Turnier. Die FIFA sprach ihn komplett frei. Bei anderen Vorfällen (z.B. Sanktionierung der VAR-Offiziellen beim Messi-Tritt) griff die FIFA durch. Hier nicht.
  4. Warum beim Deutschland-Spiel? Deutschland vs Curaçao – ein Spiel zwischen einer europäischen Nation und einer karibischen Nation. Die Geste erscheint in einem Kontext, der rassistisch aufgeladen ist. Ob das Zufall ist oder nicht – es fällt auf.

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Die größere Bedeutung

Die Evans-Geste ist nicht der größte Skandal der WM 2026. Aber sie ist ein Symptom. Sie zeigt, dass die FIFA bereit ist, Vorfälle zu minimieren, wenn sie das Image des Turniers gefährden. Sie zeigt, dass die FIFA's "Unabhängigkeit" der Justizorgane selektiv angewendet wird. Und sie zeigt, dass die FIFA lieber eine Übertragung ändert als Konsequenzen zu ziehen.

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Quellen

Σ

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