Sport & Macht09. Juli 2026ca. 16 Min. Lesezeit
WM 2026: VAR-Skandale – Deutschland, Kroatien, Brasilien
Die Technologie, die Gerechtigkeit bringen sollte – und das Gegenteil bewirkte
Das Video Assistant Referee System sollte Zweifel minimieren. Es sollte Konsistenz bringen. Es sollte Gerechtigkeit garantieren. Bei der WM 2026 hat es das Gegenteil bewirkt.
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Fall 1: Deutschland – Das aberkannte Tor gegen Paraguay
Spiel: Deutschland vs Paraguay, Achtelfinale, Foxborough (nahe Boston) Folge: Deutschland scheidet im Elfmeterschießen aus
Der Vorfall
Jonathan Tah köpft in der Verlängerung ein. Das Stadion jubelt. Dann meldet sich der VAR. Schiedsrichter geht an den Monitor. Tor wird aberkannt.
Begründung: Waldemar Anton soll am paraguayischen Torhüter gefoult haben. Die Experten sehen es anders.
Die Experten
- Schiriexperte Wagner (Sportschau): "Klare Fehlentscheidung"
- ZDF-Experten Kramer/Mertesacker: Falsche Entscheidung, aber sie wollten das nicht als Ausrede gelten lassen
- Welt: "Korrektes Tor" – Die klare Fehlentscheidung gegen Deutschland
- n-tv: Ausführliche Analyse, warum die Entscheidung umstritten ist
Die VAR-Assistentin
Tatiana Guzman aus Nicaragua gab den Hinweis, der zur Aberkennung führte. Die FIFA verteidigte den Eingriff. Die Kritik war massiv.
Die Parallele zur EM 2024
Bei der Heim-EM 2024 schied Deutschland im Viertelfinale gegen Spanien aus, weil Schiedsrichter Anthony Taylor ein offensichtliches Handspiel von Marc Cucurella nicht ahndete. Jetzt, 2026, wiederholt sich das Muster: Eine umstrittene Schiedsrichterentscheidung wirft Deutschland aus einem Turnier.
Quellen: ZDF, Spiegel, Welt, Sportschau, n-tv, Express, Sport1
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Fall 2: Kroatien – Ausgleich in der Nachspielzeit annulliert
Spiel: Kroatien vs Portugal, Runde der letzten 32, Toronto Folge: Kroatien scheidet aus
Der Vorfall
Josko Gvardiol schießt in der 13. Minute der Nachspielzeit zum vermeintlichen Ausgleich ins Netz. Das Jubeln ist von kurzer Dauer. VAR eingriff. Tor annulliert.
Begründung: Igor Matanović soll den Ball leicht mit dem Kopf berührt haben, bevor er zu Mario Pašalić kam, der im Abseits stand. Pašalićs Ball erreichte Gvardiol, der einschob.
Das Problem
Aus den Wiederholungen war "fast unmöglich zu erkennen, ob Matanović den Ball tatsächlich berührt hatte". Der norwegische Schiedsrichter Espen Eskas ging an den Monitor und verkündete die Entscheidung direkt vor der Zuschauermenge im Toronto Stadium.
Die Technologie
Die FIFA veröffentlichte eine Erklärung: Die sogenannte Snicko-Technologie (bekannt aus dem Cricket) im Trionda-Ball habe bewiesen, dass Matanović den Ball leicht berührte. Ein Regelexperte unterstützte die Entscheidung.
Die Bewertung
Die Entscheidung mag technisch korrekt sein. Aber die Frage ist: Warum wird bei Kroatien eine Millimeter-Entscheidung durchgecheckt, während bei anderen Spielen (Argentinien vs Ägypten) ein klarer Shirt-Pull im Strafraum nicht einmal vom VAR überprüft wird?
Die Inkonsistenz ist das Problem – nicht die Technologie.
Quelle: Sporten.com
03 / 07
Fall 3: Brasilien – Fehlerhafter Elfmeter nach VAR
Spiel: Brasilien vs Norwegen, Achtelfinale, New Jersey Folge: Norwegen gewinnt 2:1, Brasilien scheidet aus (aber der Elfmeter hätte das Spiel kippen können)
Der Vorfall
Kristoffer Ajer grätscht Matheus Cunha im Strafraum um. Schiedsrichter Ismail Elfath pfeift nicht. VAR-Assistentin Tatiana Guzman schickt ihn an den Monitor. Elfmeter für Brasilien.
Das Problem
In der Entstehung hatte Brasilianer Danilo im Mittelfeld gefoult – klar erkennbar, für jeden mit Fernseher. Guzman zeigte nur die Strafraum-Szene. Die Mittelfeld-Szene tauchte bei der Review nicht auf.
Die Experten
- Patrick Ittrich (MagentaTV): "Die Überprüfung beginnt mit der Balleroberung. Das hat sie ihm nicht gezeigt. Das ist ein Fehler der Videoassistentin. Das hätte gar nicht erst zu dem Strafstoß kommen dürfen."
- Ittrich: "Eine gesunde Aneinanderreihung von Fehlern durch den Schiedsrichter."
- Manuel Gräfe (Ex-Bundesliga-Schiedsrichter): "Entweder kann sie es nicht oder sie will es nicht."
Die Konsequenz
Bruno Guimarães verschoss den Elfmeter. Norwegen gewann 2:1. Brasilien schied aus. Das Ergebnis rettet die Entscheidung – aber nicht das Verfahren.
Quellen: Sport1, t-online, wette.de
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Die Guzman-Connection
Tatiana Guzman aus Nicaragua. VAR-Assistentin bei zwei kritischen Fehlentscheidungen:
- Deutschland vs Paraguay: Ihr Hinweis führte zur Aberkennung des Tah-Tors → Deutschland scheidet aus.
- Brasilien vs Norwegen: Sie zeigte nur die halbe Wahrheit → fehlerhafter Elfmeter.
Die FIFA verteidigte den Einsatz in beiden Fällen. Keine Denkpause, kein kleineres Spiel. Stattdessen: Achtelfinale, Rekordweltmeister.
Manuel Gräfe wittert System: "Zwei Turnier-Ausscheidungen, eine VAR-Kabine. Zufall gibt es im Fußball – aber irgendwann hört er auf, eine Erklärung zu sein."
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Weitere VAR-Kontroversen
England – Elfer nicht gegeben gegen Ghana
Ezri Konsa foult Prince Kwabena Adu im Strafraum. Kein Elfmeter, kein VAR-Eingriff.
Darren Cann (WM-2010-Final-Assistent): "Konsa berührt den Ball überhaupt nicht. Das hätte an den Monitor verwiesen werden müssen."
Ghanas Trainer Carlos Queiroz: "Wieder einmal hat der VAR einen Kaffee getrunken. Es war ein klarer Elfmeter, Rote Karte."
Quellen: NDTV Sports, Mirror, BBC Sport, Express
Frankreich – Elfer trotz VAR verweigert
Kylian Mbappé wird im Zweikampf mit Sadio Mané im Strafraum gefoult. Schiedsrichter Alireza Faghani (Iran) verweigert Elfmeter. VAR schickt ihn an den Monitor. Faghani bleibt bei seiner Meinung. Wie er dazu kam? Unklar. Schiedsrichter dürfen sich während des Turniers nicht öffentlich äußern.
Quelle: sportexpress.io
Frankreich vs Paraguay – Brutalität ohne Konsequenzen
Paraguay spielte im Achtelfinale gegen Frankreich extrem physisch – Schläge, Tritte. Matias Galarza schlug Mbappé im Laufduell. Schiedsrichter Ilgiz Tantashev (Usbekistan) ahndete nichts. Keine Gelben Karten für Paraguay.
Patrick Ittrich: "Das war die schlechteste Leistung bei dieser WM."
Quellen: ZDF, Sky Sport, Sportschau, Süddeutsche Zeitung
England vs Mexiko – Tuchel-Kritik
Jarrell Quansah sah nach VAR-Eingriff Rot. Schiedsrichter hatte nicht mal Foul gepfiffen.
Thomas Tuchel: "Die Schiedsrichter sind schlicht nicht gut genug. Die vierten Offiziellen sind nicht gut genug."
Quelle: sportexpress.io
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Das systemische Problem
Pierluigi Collina, FIFA-Schiedsrichterchef, hat vorgegeben: "Spiel laufen lassen, wenn es nur irgendwie geht." Die Schiedsrichter setzen dies "recht überambitioniert" um. Die Vermutung: Man möchte das Spiel flüssig halten. Die Folge: Klare Fouls werden nicht geahndet, und wenn der VAR eingreift, passiert es inkonsistent.
Das Problem ist nicht die Technologie. Das Problem ist die Anwendung. Und die Anwendung folgt keinem erkennbaren Muster der Gerechtigkeit – sondern einem Muster der Willkür, das manche Teams trifft und andere verschont.
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Die Bilanz
| Land | Vorfall | Folge | VAR-Fehler? | |---|---|---|---| | Deutschland | Tor aberkannt | Aus im Elfmeterschießen | Ja (Experten) | | Kroatien | Tor in Nachspielzeit annulliert | Aus | Technisch korrekt, aber inkonsistent | | Brasilien | Fehlerhafter Elfmeter | Aus (trotz verschossenem Elfer) | Ja (Guzman) | | England/Ghana | Elfer nicht gegeben | Glück für England | Ja (Cann) | | Frankreich/Senegal | Elfer trotz VAR verweigert | — | Ja (Faghani) | | Frankreich/Paraguay | Brutalität ohne Karten | — | Ja (Tantashev) |
Sechs Vorfälle. Drei Turnier-Ausscheidungen. Eine VAR-Assistentin, die zweimal auffällt.
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Wenn dieselbe VAR-Assistentin bei zwei Turnier-Ausscheidungen im Zentrum der Kritik steht – ab wann ist es kein Zufall mehr?
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