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Sport & Macht09. Juli 2026ca. 14 Min. Lesezeit

WM 2026: Trump, FIFA und die Rote-Karte-Affäre

Als ein US-Präsident die FIFA anrief – und eine Sperre verschwand

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Stell dir vor: Der Präsident der Vereinigten Staaten ruft den Chef des Weltfußballverbandes an. Er beschwert sich über eine Rote Karte. Wenig später wird die Sperre aufgehoben. Das ist keine Fiktion. Das ist die WM 2026.

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Der Vorfall

Spiel: USA vs Bosnien-Herzegowina, Runde der letzten 32, Santa Clara, Kalifornien

Folarin Balogun, der beste Torschütze der USA bei dieser WM mit drei Toren, trat Tarik Muharemović auf den rechten Knöchel. Der brasilianische Schiedsrichter Raphael Claus zeigte zunächst keine Karte. Nach einem VAR-Review und Zeitlupen-Wiederholung zeigte er Rot.

Die Folge: Automatische Sperre für ein Spiel – das Achtelfinale gegen Belgien. Ein Spiel, in dem die USA mit ihrem besten Stürmer antreten sollten. Ohne Balogun: deutlich schwächere Chancen.

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Die Einmischung

Was dann passierte, ist beispiellos in der WM-Geschichte:

  1. Donnerstag: Trump telefonierte mit FIFA-Chef Gianni Infantino. Er forderte ein Review der Roten Karte.
  2. Gleichzeitig: Commerce Secretary Howard Lutnick und White House FIFA Task Force Director Andrew Giuliani kontaktierten die FIFA.
  3. Auf dem Rückflug von Santa Clara nach Washington diskutierten Trump-Beamte die Rote Karte. Der Konsens: Die Zeitlupe sei "unangemessen", also müsse die Rote Karte aufgehoben werden.
  4. Sonntag: Die FIFA hob die Sperre auf. 24 Stunden vor dem Achtelfinale.
  5. Begründung: Artikel 27 des FIFA-Disziplinarkodexes – die Strafe wurde für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt.
  6. Zusätzlich: $40.000 Strafe gegen den US-Verband.

n-tv-Bericht: Trump warf "Spielmanipulation" vor

Laut einem Bericht von n-tv warf Trump im Telefonat mit Infantino dem Schiedsrichter Claus offenbar "Spielmanipulation" vor. Trump nannte Claus "einen bisschen verdächtig, wenn man seine Vergangenheit überprüft" – ohne dies zu erläutern.

Quelle: n-tv.de

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Die Reaktionen

Trump

"Danke an FIFA, dass sie das Richtige getan und eine große Ungerechtigkeit rückgängig gemacht haben!"
"Ich habe sie nicht angewiesen, was sie tun sollen. Ich habe nur um ein Review gebeten, weil ich nicht dachte, dass es ein Foul war."
"Wenn sie deinen besten Spieler aussperren, ist das sehr unfair. Das hätte einen großen Fleck auf dem Turnier hinterlassen."

Infantino

"FIFAs Justizorgane sind unabhängig. Sie operieren autonom, wenden den FIFA-Disziplinarkodex an und entscheiden Fälle auf Basis der anwendbaren Vorschriften."
"Ja, ich diskutiere regelmäßig Angelegenheiten der FIFA WM mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten. In dieser Angelegenheit erhielt ich einen Anruf von Präsident Donald Trump."

Brasilianischer Verband (CBF) – verteidigt Claus

"Es gibt nichts in seiner Akte, das seinen Integrität in Frage stellt oder Verdacht auf Fehlverhalten rechtfertigt. Er ist ein vorbildlicher Profi."

Pierluigi Collina, FIFA-Schiedsrichterchef: "Raphael Claus pfeift bei seiner zweiten FIFA WM. Er ist ein erfahrener und hochangesehener Schiedsrichter, und wir haben volles Vertrauen in ihn."

UEFA – "Rote Linie überschritten"

Die UEFA sprach von "Unglauben" und nannte die Entscheidung "beispiellos, unverständlich und nicht rechtfertigbar". Man habe "eine rote Linie überschritten".

Belgien

Trainer Rudi Garcia: "Das klingt wie ein Aprilscherz."

Der belgische Verband forderte eine Erklärung und eine Kopie der Entscheidung. Die FIFA behandelte die Anfrage als "Berufung" und erklärte sie für "unzulässig" – Belgien sei "keine Partei des Verfahrens".

"Während der RBFA lediglich legitime Erklärungen suchte, hat die FIFA selbst eine Berufung geschaffen und sofort dafür gesorgt, dass sie für unzulässig erklärt wurde." – Belgischer Verband

Schweizer Verband

Nannte die Entscheidung "unbegreiflich". Sie "wirft Fragen auf und schafft Unsicherheit, insbesondere hinsichtlich der Autorität von Schiedsrichterentscheidungen, besonders wenn der VAR involviert ist."

England-Coach Thomas Tuchel

Kritisierte die Entscheidung ebenfalls.

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Der historische Kontext

Die Aufhebung einer Roten-Karte-Sperre bei einer WM ist seit 1962 nicht mehr vorgekommen. 64 Jahre lang war die Regel einfach: Rot bedeutet Sperre. Bei der WM 2026 nicht mehr.

Die FIFA argumentierte, Artikel 27 sei "nicht beispiellos" – ähnliche Entscheidungen habe es in den WM-Qualifikationen gegeben. Aber: Qualifikation ist nicht Endrunde. Und eine Qualifikation ohne US-Präsidenten-Anruf ist nicht dieselbe Situation.

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Die Fragen, die bleiben

  1. Hat Trump die Entscheidung beeinflusst? Infantino sagt nein. Trump sagt, er habe nur um ein Review gebeten. Aber die zeitliche Abfolge – Anruf, dann Aufhebung – erzeugt den Eindruck der Einflussnahme.
  2. Warum wurde Artikel 27 angewendet? Die FIFA gab keine spezifische Begründung, warum gerade dieser Fall eine Bewährungsstrafe rechtfertigt. Andere Rote Karten bei dieser WM wurden nicht aufgehoben.
  3. Warum durfte Belgien nicht appealieren? Die FIFA erklärte Belgiens Berufung für unzulässig, weil es "keine Partei des Verfahrens" sei. Aber Belgien war der direkte Gegner – wer sonst sollte ein Recht auf Einspruch haben?
  4. Warum sanktionierte die FIFA den US-Verband mit $40.000? Wenn Baloguns Foul nicht schwer genug für eine Sperre war – warum dann eine Strafe gegen den Verband?

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Die größere Frage

Die Balogun-Affäre ist nicht nur ein Fall von politischer Einmischung. Sie ist ein Präzedenzfall. Wenn ein US-Präsident bei der FIFA anrufen und eine Sperre aufheben kann – was können dann andere Mächtige tun?

Die WM 2026 findet in den USA statt. Trump ist der amtierende Präsident. Die FIFA will gute Beziehungen zur US-Regierung. Infantino und Trump haben eine "cozy relationship" (USA Today). Das schafft eine Struktur, in der politische Einmischung nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich ist.

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Was die USA nicht retten konnte

Trotz Baloguns Einsatz: Die USA schieden gegen Belgien aus. Die Aufhebung der Sperre half nichts – außer dass sie die Integrität der FIFA beschädigte.

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Quellen

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