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Medienlogik18. Juni 2026ca. 8 Min. Lesezeit

ZDF KI-Fake im heute journal: Wissentlich gelogen, geleakt und vertuscht

Wenn der Sender selbst zum Fake wird

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Am 15. Februar 2026 lief im ZDF heute journal ein Beitrag, der in Echtzeit demonstrierte, wie weit sich ein öffentlich-rechtlicher Sender von seinem Auftrag entfernt hat. Es ging um die US-Einwanderungsbehörde ICE unter Donald Trump. Die ZDF-Botschaft war klar: Kinder werden vor ihren Schulen festgenommen, Eltern vor den Augen ihrer Kinder abgeführt. Nur: Das dramatischste Video, das diese Botschaft untermauerte, war computergeneriert. Nicht nur das – es war auch noch aus einem anderen Kontext gerissen. Und die internen Aufnahmen einer Krisensitzung beweisen: Die Redakteurin wusste genau, was sie tat.

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Was gesendet wurde – und was wirklich passierte

Der Beitrag, moderiert von Dunja Hayali, trug den Titel „Kinder in Angst vor ICE". Er zeigte angeblich brutale Einsätze der US-Abschiebebehörde. Zentrales Element war ein Video, in dem eine Frau von Beamten weggeführt wird, während ihre beiden Töchter verzweifelt an ihr festhalten. Ein herzzerreißendes Bild – nur hat es sich nie zugetragen. Das Video war mit der KI-Software Sora von OpenAI generiert worden.

Zusätzlich wurde ein zweites Videoclip verwendet: Ein Minderjähriger, der von Polizisten abgeführt wird. Die Inszenierung suggerierte, es handle sich um einen aktuellen ICE-Einsatz. Tatsächlich stammte die Aufnahme aus dem Mai 2022 aus Florida. Der Junge war damals wegen einer Amokdrohung in Gewahrsam genommen worden – nichts mit Einwanderung, nichts mit Trump, nichts mit dem behaupteten Kontext.

Beide Videos waren also manipulativ: Eines komplett erfunden, das andere aus einem völlig anderen Ereignis herausgerissen. Und beide dienten dazu, eine politische Position zu untermauern: Donald Trumps Migrationspolitik wird als brutal dargestellt, belegt mit Bildern, die entweder nicht existieren oder nicht zutreffen.

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Die Leaks: Was die interne Krisensitzung offenbarte

Am 23. Februar 2026, eine Woche nach der Sendung, fand beim ZDF eine Online-Betriebsversammlung statt. Laut eigener Angaben waren 1.100 Mitarbeiter zugeschaltet. Die Sitzung wurde aufgenommen – und an das Nachrichtenportal Nius geleakt. Die Tonaufnahmen sind brisanter als der Skandal selbst.

Chefredakteurin Bettina Schausten gab darin zu, dass die Redakteurin Nicola Albrecht das KI-Video wissentlich eingebaut habe. Wörtlich: „Es war fahrlässig und ohne Absicht passiert. Und dann hat sie sich selber gesagt: Ach, das geht ja, wenn ich es kennzeichne. Sie wollte es noch nicht mal verheimlichen, dass es KI ist."

Das ist keine Entschuldigung. Das ist ein Geständnis. Albrecht wusste, dass das Video computergeneriert war. Sie entschied sich dennoch, es zu verwenden. Die Kennzeichnung, die sie sich selbst als ausreichend erachtete, wurde bei der Überspielung „aus technischen Gründen nicht übertragen" – so die erste offizielle Erklärung des ZDF. Ein Zufall? Möglich. Aber angesichts des Geständnisses, dass die Verwendung überhaupt schon die Regeln verletzte, ist die Frage nach der Kennzeichnung fast nebensächlich. Denn ZDF-Regeln besagen eindeutig: KI-generiertes Material darf in Beiträgen, die nicht über KI handeln, nicht verwendet werden. Punkt.

Schausten selbst räumte ein, dass in der Senderzentrale Mainz „hätte Alarm schrillen müssen, weil erkennbar Material aus dem Netz verwendet wurde". Der Abnahmeprozess versagte also auf mehreren Ebenen: Die Autorin, die Schlussredaktion, die technische Kontrolle. Wenn bei einer der wichtigsten Nachrichtensendungen des Landes ein KI-Fake durch alle Instanzen hindurchschlüpft, fragt man sich: Wie viele andere Fälle wurden nicht entdeckt?

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Die Vertuschung: Von „technischem Fehler" zur Neuschneidung

Die Reaktion des ZDF auf die Aufdeckung folgte einem Muster, das man inzwischen von öffentlich-rechtlichen Sendern kennt. Zuerst wurde der Vorfall als „technischer Fehler" dargestellt. Die Kennzeichnung sei nicht übertragen worden. Das klingt nach einem Übertragungsproblem, nicht nach einer inhaltlichen Entscheidung.

Doch was dann geschah, war keineswegs eine einfache Korrektur. Der Beitrag wurde aus der Mediathek entfernt und komplett neu geschnitten hochgeladen. Der KI-Fake-Clip verschwand. Der zweite, aus dem Zusammenhang gerissene Clip aus Florida verschwand ebenfalls. Der Sprechertext wurde nachträglich geändert. Anstatt einer transparenten Korrektur gab es eine Stück-für-Stück-Neufassung, bei der die problematischen Elemente einfach entfernt wurden, als hätten sie nie existiert.

Erst am 17. Februar, also zwei Tage nach der Sendung und unter massivem Druck durch freie Medien und eine empörte Social-Media-Öffentlichkeit, entschuldigte sich das ZDF „in aller Form". Stellvertretende Chefredakteurin Anne Gellinek erklärte: „Der Beitrag entspricht nicht unseren Standards und hätte in dieser Form nicht gesendet werden dürfen."

36 Stunden brauchte der Sender, um so etwas wie eine Entschuldigung abzupressen. Und selbst die kam nicht freiwillig, sondern nur, weil Nius, Apollo News, Tichys Einblick und andere unabhängige Medien den Druck aufbauten.

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Whistleblower als „Nützlicher Idiot"

Wer den internen Zustand des ZDF beleuchten wollte, wurde nicht gedankt, sondern attackiert. Ein anonymer Mitarbeiter hatte die Krisensitzung mitgeführt und die Aufnahme nach außen gegeben. Daraufhin wandte sich das Personalratsmitglied Hubert Krech in einem internen Beitrag scharf gegen den Informanten.

„Du hältst Dich für einen Helden, weil Du es dem ZDF und den Chefs mal 'so richtig gezeigt hast'? Hast Du das wirklich?" schrieb Krech. Er bezeichnete den Whistleblower als „Nützlicher Idiot". Fast 600 ZDF-Mitarbeiter versahen diesen Beitrag mit einem Like. Das heißt: In einer Institution, die von einem Beitragszwang von über 8 Milliarden Euro pro Jahr lebt, gilt derjenige, der interne Missstände aufdeckt, nicht als Korrektiv, sondern als Verräter. Und die Mehrheit der reagierenden Mitarbeiter applaudiert.

Das ist kein Klima der Selbstkritik. Das ist ein Klima der Abwehr. Wer den ÖRR kritisiert, wird diffamiert. Nicht inhaltlich widerlegt, sondern moralisch abgestempelt. Jonas Müller vom ÖRR-Blog bringt es auf den Punkt: „Erst heißt es: 'Wir hören die Sorgen der Bürger.' Dann kommt Kritik und plötzlich sind wir alle Extremisten. Seltsames Demokratieverständnis."

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Die Konsequenzen – oder das Fehlen davon

Nicola Albrecht wurde von ihrem Posten als Studioleiterin New York abberufen. Sie bleibt aber Redakteurin beim ZDF. Bettina Schausten betonte gegenüber der Süddeutschen Zeitung: „Ich lasse sie nicht fallen." Manipulationsabsicht unterstellte sie ihr nicht. Der einzige, der hart traf, war Joe Sperling. Der Investigativjournalist war 30 Jahre beim ZDF. Er stellte intern unbequeme Fragen. Kurz vor Weihnachten wurde er fristlos entlassen.

Während die Fälscherin im Unternehmen bleibt, fliegt der Kritiker. Das ist die Lohnstruktur, die das ZDF intern offenbart. Wer mitmacht, wird geschützt. Wer aufdeckt, wird entfernt.

Der Fall wurde im Bundestag in einer Aktuellen Stunde debattiert. Die AfD sprach vom „Relotius-System bei der Arbeit". CDU und andere Oppositionsparteien kritisierten den Vorfall als „schweren Fehler". Die Regierungsparteien verteidigten den ÖRR als Ganzes. Konkrete strukturelle Konsequenzen? Keine. Keine unabhängige Untersuchung, keine personellen Konsequenzen jenseits der Albrecht-Abberufung, keine Reform des Abnahmeprozesses.

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Warum das mehr ist als ein Einzelfall

Der KI-Fake im heute journal ist nicht ein technischer Patzer. Er ist das Symptom eines Systems, das nicht mehr kontrolliert wird, weil es nicht mehr kontrolliert werden muss. Ein Sender, der von jedem Haushalt zwangsfinanziert wird, braucht keine Zuschauer mehr, um zu überleben. Er braucht keine Glaubwürdigkeit, um Budget zu bekommen. Er braucht nur den Beitragsbescheid.

Wenn in diesem System eine erfahrene Redakteurin entscheidet, ein KI-generiertes Drama einzubauen, weil es die politische Story „besser" illustriert, dann folgt sie nicht einem individuellen Fehler. Sie folgt einer Logik, die sagt: Das Ziel heiligt die Bilder. Die Absicht – Trump schlecht darzustellen, Migrationspolitik als inhuman zu framen – rechtfertigt das Mittel. Und wenn es auffliegt? Dann entschuldigt man sich halbherzig, schneidet heimlich um und wartet, bis die nächste Schlagzeile kommt.

Das ist das eigentliche Problem. Nicht das KI-Video an sich. Sondern die Erwartungshaltung, mit der es eingebaut wurde: Dass es durchgeht. Dass niemand genau hinschaut. Dass die eigene Chefredaktion eher den Mitarbeiter schützt als den Zuschauer.

Wer jeden Monat 18,36 Euro für ARD, ZDF und Deutschlandradio zahlt, sollte wissen, wofür. Nicht für Nachrichten. Nicht für Bildung. Sondern für ein System, das sich selbst genug finanziert, um sich vor jeder ernsthaften Reform zu schützen.

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Quellen und Vertiefung

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