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Geschichte04. August 2026ca. 14 Min. Lesezeit

Die frühen Verfahren: Geldstrafen und eine Pogrom-Drohung (2004–2010)

5.400 Euro für die Leugnung des Mordes an sechs Millionen Juden. Dann 6.000 Euro. Dann eine Pogrom-Drohung an die Zentralratspräsidentin — 2.700 Euro. Sechs Jahre Geldstrafen, die nicht wirkten.

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Juni 2004. Amtsgericht Bad Oeynhausen. Die Hauszeitschrift des Collegium Humanum heißt *Stimme des Gewissens*. In ihr hat Ursula Haverbeck, zusammen mit dem Schriftleiter Ernst-Otto Cohrs, den Holocaust geleugnet. Holocaust = „ein Mythos." Und: die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus habe nicht sechs Millionen, sondern ca. 500.000 betragen — verpackt in ein Zitat der russischen Zeitung *Russki Westnik*. — *Wikipedia* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

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Die Beschlagnahme — und die nächste Ausgabe

Die beiden fraglichen Ausgaben werden beschlagnahmt. In der darauffolgenden Ausgabe der *Stimme des Gewissens* ist erneut zu lesen, der Holocaust sei „ein Mythos." — *Wikipedia* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

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Das Urteil

180 Tagessätze à 30 Euro. 5.400 Euro Geldstrafe. — *Wikipedia* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

5.400 Euro für die Leugnung des Mordes an sechs Millionen Juden. Das ist der Betrag, den ein Mensch zahlt, der sagt, der Massenmord sei „ein Mythos". Die Summe, die eine Frau mit einem Haus in Vlotho und 3.000 Förderern ihres Vereins aus der Portokasse bezahlen kann, ohne dass es wehtut.

03 / 10

März 2005 — das eingestellte Verfahren

Ein zweites Verfahren gegen Haverbeck und Cohrs wird auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bielefeld eingestellt. Begründung: „im Vergleich zu einem anderen unwesentlich." — *Wikipedia* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

Ein Verfahren wegen Volksverhetzung wird eingestellt, weil ein anderes „wesentlicher" ist. Als gäbe es eine Skala der Leugnung, auf der manche Fälle zu klein sind, um verfolgt zu werden. Haverbeck nahm die Einstellung als Bestätigung.

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Ende 2005 — der Hitler-Artikel

Ein weiterer Artikel Haverbecks in der *Stimme des Gewissens*. Adolf Hitler sei „eben nicht vom geglaubten Holocaust oder seiner angeblichen Kriegsbesessenheit zu verstehen, sondern nur von einem göttlichen Auftrag im weltgeschichtlichen Rahmen." — *Wikipedia* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

„Göttlicher Auftrag." Das ist nicht mehr Leugnung. Das ist Legitimierung. Hitler wird nicht nur entlastet, er wird überhöht — zu einem Werkzeug göttlicher Vorsehung. Wer so schreibt, hat sich nicht nur vom historischen Konsens entfernt, sondern von den Grundlagen einer Gesellschaft, die nach 1945 auf der Erkenntnis aufbaut, dass Hitler und sein Regime Verbrechen von beispiellosem Ausmaß verübt haben.

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Juni 2007 — Landgericht Dortmund

Erneute Verurteilung. 40 Tagessätze. Daraus wird eine Gesamtstrafe von 200 Tagessätzen à 30 Euro — 6.000 Euro. — *Wikipedia* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

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Die Beleidigung: „Nach Innerasien zurückkehren" (2009)

Charlotte Knobloch. Damals Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland. Eine Frau, die den Holocaust als Kind überlebt hatte, die ihren jüdischen Vater versteckt hielt, die ihre Großmutter verlor. Ursula Haverbeck schreibt ihr einen Brief. — *Mindener Tageblatt, 1. Juli 2009* (zit. in *Wikipedia* (externer Link, öffnet in neuem Tab))

Haverbeck schreibt: Knobloch solle sich nicht in „innerdeutsche Angelegenheiten einmischen", sondern „in ihr Ursprungsland nach Innerasien zurückkehren." „Innerasien." Das ist die Sprache, die aus dem NSDAP-Parteiprogramm stammt: Juden als Fremdrasse, nicht als deutsche Staatsbürger. „Kein Jude kann daher Volksgenosse sein." Haverbeck bediente sich genau der Rhetorik, mit der das Regime, dessen Verbrechen sie leugnete, die Juden aus der deutschen Gesellschaft ausgeschlossen hatte. Sie schrieb das 2009, 64 Jahre nach Kriegsende, an eine Überlebende.

Und Drohungen:

„Bereiten Sie sich auf den Tag der Wahrheit vor. Er ist nahe und nicht mehr aufzuhalten."
„Machen Sie so weiter wie bisher, dann könnte sich ein neues Pogrom ereignen, das entsetzlich würde." — *Mindener Tageblatt, 1. Juli 2009* (zit. in *Wikipedia* (externer Link, öffnet in neuem Tab))

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Amtsgericht Bad Oeynhausen, Juni 2009. Geldstrafe: 2.700 Euro. § 185 StGB — Beleidigung. Nicht § 130 — Volksverhetzung. Nicht § 126 — Androhung einer Straftat. Beleidigung. 2.700 Euro.

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07 / 10

Die Eskalation in Zahlen

2004: Holocaustleugnung, 5.400 Euro. 2007: Hitler als „göttlicher Auftrag", +40 Tagessätze. 2009: Beleidigung + Pogrom-Drohung, 2.700 Euro.

Die Summen sind gering. Die Taten eskalieren. Von Leugnung zu Drohung. Von „Mythos" zu „Pogrom, das entsetzlich würde." Und das System antwortet mit Geldstrafen, die eine Frau mit einem Haus in Vlotho und 3.000 Förderern ihres Vereins aus der Portokasse zahlt.

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München 2010: Die erste Bewährungsstrafe

Anfang Oktober 2010. Landgericht München I. Das erste Mal in sechs Jahren Verfahrensgeschichte: Freiheitsstrafe. Sechs Monate. Auf Bewährung. — *Wikipedia* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

Von Geldstrafen zu Freiheitsstrafen. Das ist die Schwelle, die das Gericht hier zieht. Sechs Jahre nach der ersten Verurteilung 2004. Sechs Jahre, in denen Haverbeck weiter geleugnet, weiter geschrieben, weiter publiziert hat. 5.400 Euro, 6.000 Euro, 2.700 Euro — Geldstrafen, die nicht gewirkt haben. Das Gericht verhängte eine Bewährungsstrafe.

Bewährung bedeutet: Wenn sie in der Bewährungszeit nichts weiter tut, muss sie nicht ins Gefängnis. Eine Chance. Eine Warnung. Die letzte Warnung vor dem Gefängnis.

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November 2014 — die Anzeige gegen den Zentralrat der Juden

Haverbeck reicht eine Anzeige gegen den Zentralrat der Juden ein. Sie wirft dem Verband „Verfolgung Unschuldiger" vor. — *Wikipedia* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

Das Verfahren wird Anfang Dezember 2014 eingestellt. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld prüft stattdessen ein Verfahren gegen Haverbeck wegen falscher Verdächtigung. — *Wikipedia* (externer Link, öffnet in neuem Tab)

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Was die Bewährung nicht bewirkte

2015, im NDR Panorama-Interview, leugnet sie erneut. Den Holocaust als „nachhaltigste Lüge der Geschichte." Die Bewährung hat nicht gewirkt. Die Warnung hat nicht gewirkt. Das nächste Gericht wird ohne Bewährung urteilen — und das Urteil wird das sein, das Haverbeck schließlich ins Gefängnis bringt.

*Weiter in Teil 3: Gröning, Panorama und Detmold (2015–2016). Zurück in Teil 1: Wer war Ursula Haverbeck?.*

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Wer war Ursula Haverbeck? Biografie und Vlothoer Netzwerke

Geboren 1928, BDM-Mitglied, verheiratet mit einem NS-Reichsleitungs-Mann. Gründerin des Collegium Humanum, wo Beuys und Dutschke mit der NPD am selben Tisch saßen. Die bekannteste Holocaustleugnerin der Nachkriegsgeschichte.

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5.400 Euro für die Leugnung des Mordes an sechs Millionen Juden, dann 2.700 Euro für eine Pogrom-Drohung. Ist das eine Strafe oder eine Gebühr?

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