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Medienlogik05. Mai 2026ca. 6 Min. LesezeitAktualisiert 13. Juni 2026

Impfkampagnen und Influencer: Was der Staat bezahlte

Der Staat war nicht Zuschauer. Er war Sender.

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Die Corona-Debatte wird oft falsch gestellt. Die eine Seite tut so, als sei jede staatliche Impfkommunikation automatisch dunkle Propaganda. Die andere Seite tut so, als sei staatliche Gesundheitskommunikation nur neutrale Aufklärung gewesen. Beides ist zu einfach.

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Die großen Summen

In der Bundestagsdrucksache 20/6676 nennt die Bundesregierung für Informationsmaßnahmen, Anzeigen, Kampagnen und Werbung, die über Mediaagenturen abgerechnet wurden, folgende Schaltkosten: 2020 ab dem 1. Juli rund 116,7 Millionen Euro, 2021 rund 202,4 Millionen Euro und 2022 rund 194,6 Millionen Euro. Quelle: Drucksache 20/6676.

Das sind nicht nur Corona-Mittel. Es sind gesamte Regierungs-Schaltkosten über Mediaagenturen in diesem Zeitraum. Aber Corona war ein dominantes Kommunikationsfeld.

Noch konkreter wird Drucksache 20/3859. Für Öffentlichkeitsarbeit zu Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wurden im Haushaltsjahr 2020 rund 47,5 Millionen Euro Schaltkosten genannt. Für 2022 standen für Öffentlichkeitsarbeit zur Eindämmung der Pandemie 188,903 Millionen Euro zur Verfügung. Die Bundesregierung schrieb, dass überschlägig rund 90 bis 95 Prozent der geleisteten Ausgaben für Informations- und Aufklärungsarbeit zur Corona-Schutzimpfung eingesetzt wurden. Quelle: Drucksache 20/3859.

Das ist der harte Satz: Die Impfkommunikation war keine Randnotiz. Sie war ein staatlich finanzierter Großkanal.

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Influencer und Social Media

In Drucksache 20/6676 steht auch, dass die Bundesregierung Influencerinnen und Influencer als Teilelement eines Mediaplans einsetzte. Dabei wurden Kennzahlen wie der Tausender-Kontakt-Preis berücksichtigt. Die Beiträge dienten dem jeweiligen Kampagnenziel, und Influencer wurden regelmäßig mittelbar über Agenturen gebrieft. Die Bundesregierung betonte zugleich, redaktionelle Unabhängigkeit verbiete konkrete Vorgaben zur Präsentation. Quelle: Drucksache 20/6676.

Für das Presse- und Informationsamt werden dort unter anderem folgende Influencer-Kampagnen genannt: 2020 "Corona Warn-App" mit rund 1,146 Millionen Euro und 2021 "Lass dich impfen" mit 245.616 Euro. In der Liste erscheinen zahlreiche Influencer und Social-Media-Akteure.

Pro Staat: Wenn junge Zielgruppen kaum klassische Nachrichten schauen, ist Social-Media-Kommunikation naheliegend. Gesundheitsschutz braucht Reichweite.

Contra Staat: Wenn Gesundheitskommunikation wie Influencer-Marketing läuft, verschwimmt für Nutzer die Grenze zwischen persönlicher Empfehlung, bezahlter Kampagne und öffentlicher Aufklärung.

Prominente Testimonials.

In Drucksache 20/7137 ging es um prominente Unterstützung für Corona-Impfkampagnen. Die Bundesregierung schrieb, viele prominente Personen hätten sich in der Regel unentgeltlich zur Verfügung gestellt. In einzelnen Fällen seien Vergütungen gezahlt worden, etwa wenn Drehtage, TV-Spots oder Rundfunkaufnahmen mit höherem Aufwand verbunden waren. Von der BMG-beauftragten Agentur hätten Dr. Eckart von Hirschhausen, Howard Carpendale und Uschi Glas im Rahmen der Informationsmaßnahmen eine Vergütung erhalten. Die konkreten Beträge wurden nicht öffentlich genannt, sondern als vertraulich eingestuft. Quelle: Drucksache 20/7137.

Das ist wichtig. Nicht, weil diese Menschen damit automatisch unglaubwürdig wären. Sondern weil der Zuschauer ein Recht hat zu wissen, wann ein scheinbar persönlicher Aufruf Teil einer Kampagnenarchitektur ist.

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Was Faktenchecker damals oft richtig machten

Viele Impf-Faktenchecks waren nicht einfach falsch. Es gab tatsächlich wilde Behauptungen: komplett erfundene Todesursachen, falsch gelesene Nebenwirkungsdatenbanken, manipulierte Screenshots, falsche Bilder, aus dem Kontext gerissene Studien, Übertreibungen über Unfruchtbarkeit, Krebs oder "Massentod".

CORRECTIV prüfte 2021 zahlreiche Behauptungen zur Corona-Impfung, darunter Unfruchtbarkeit, angebliche toxische Spike-Proteine, Todesfälle nach Impfung oder falsch gelesene EMA-Meldedatenbanken. Quelle: CORRECTIV: Corona-Impfung, häufige Behauptungen. Mimikama prüfte ebenfalls Behauptungen zu Übersterblichkeit, Impfnebenwirkungen und angeblichen Erkrankungsanstiegen. Quelle: Mimikama zu Übersterblichkeit.

Pro Faktenchecker: Viele virale Posts waren wirklich schlecht belegt. Verdachtsmeldungen sind keine bestätigten Kausalitäten. Einzelne Todesfälle beweisen keine Impfursache. Korrelation ist nicht Kausalität.

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Wo der Frame problematisch wurde

Das Problem beginnt dort, wo aus "dieser konkrete Beweis trägt nicht" ein größerer Eindruck wurde: Die Impfkampagne sei im Kern unproblematisch, Kritiker seien irrational, Nebenwirkungsdebatten seien Panikmache, Übersterblichkeit habe mit Impfung nichts zu tun, und staatliche Kommunikation sei einfach Gesundheitsschutz.

Das war zu bequem.

Denn parallel gab es offizielle Pharmakovigilanz, bekannte seltene Risiken, Sicherheitsberichte, Myokarditis-/Perikarditis-Debatten, AstraZeneca-Thrombosen, Meldeportale, Vertrauenskonflikte und eine staatlich bezahlte Kommunikationswelle. Das Paul-Ehrlich-Institut schrieb selbst, dass Meldungen in zeitlicher Nähe zu einer Impfung nicht unbedingt kausal sein müssen, aber eine zentrale Säule der Sicherheitsbewertung sind. Quelle: PEI: Sicherheit von COVID-19-Impfstoffen.

Die richtige Haltung wäre gewesen: viele Falschbehauptungen korrigieren, aber gleichzeitig die staatlich-mediale Kampagnenlage und die offenen Sicherheitsfragen maximal transparent machen.

Nach der Kampagne kam die Datenfrage.

Der entscheidende Punkt ist nicht nur, was während der Impfkampagne gesagt wurde. Der entscheidende Punkt ist auch, wie später mit Sicherheitsdaten umgegangen wurde.

SafeVac 2.0 war als aktive Überwachungsstudie des Paul-Ehrlich-Instituts gedacht. Laut Bundestagsdrucksache 21/747 hatten sich bis zum 30. September 2022 insgesamt 739.515 Personen registriert und mindestens eine Impfung erhalten. 3.506 Teilnehmende berichteten mindestens ein schwerwiegendes Ereignis nach einer registrierten Impfung. Quelle: Drucksache 21/747.

Die Bundesregierung erklärte 2026 in Drucksache 21/5103, dass die SafeVac-2.0-Studie weiterhin ein noch nicht abgeschlossenes wissenschaftliches Vorhaben sei und die Datenauswertung andauere. Quelle: Drucksache 21/5103.

Das ist für die Kampagnenanalyse brutal wichtig. Wenn ein Staat viel Geld einsetzt, um Vertrauen in eine medizinische Maßnahme zu erhöhen, muss die spätere Sicherheitsaufarbeitung besonders transparent sein. Sonst entsteht genau der Vertrauensbruch, den Faktenchecker später als "Desinformation" bekämpfen wollen.

Hier liegt die saubere Demontage:

  • Die Impfkampagne war offiziell bezahlt und strategisch.
  • Die Sicherheitsüberwachung war offiziell vorhanden.
  • Die wichtigsten aktiven Studiendaten blieben über Jahre nicht vollständig als Endauswertung veröffentlicht.
  • Faktenchecker prüften oft schlechte Gegenclaims, aber selten diese Asymmetrie aus Kampagnendruck und späterer Datentransparenz.

Das beweist keine medizinische Hauptursache. Aber es beweist ein Kommunikationsproblem: Vertrauen wurde massiv beworben, Zweifel wurden moralisch markiert, und die spätere Datenlage blieb langsamer, komplizierter und weniger transparent, als es eine demokratische Aufarbeitung gebraucht hätte.

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Der eigentliche Audit

Die Corona-Impfkommunikation war kein neutraler Diskurs. Sie war ein staatlich finanzierter Kommunikationsraum mit klarer Zielrichtung: Impfbereitschaft erhöhen, Zweifel reduzieren, Schutzmaßnahmen erklären, Vertrauen stabilisieren.

Das kann man in einer Pandemie legitim finden. Aber man darf es nicht als neutrale Atmosphäre verkaufen. Wenn der Staat Millionen in Botschaften steckt, Influencer briefen lässt und Prominente über Agenturen einbindet, dann ist das strategische Kommunikation.

In diesem Umfeld wurden Faktenchecker zu Ordnungskräften der Erzählung: Sie prüften falsche Behauptungen, aber oft ohne die größere Kommunikationsmacht gleich stark zu prüfen.

Genau dort liegt die Demontage:

Nicht jeder Faktencheck war falsch. Aber viele Faktenchecks prüften den Bürger härter als die Kampagne.

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Die Essenz

Die belegbare Wahrheit ist unbequem für beide Seiten. Ja, es gab massenhaft falsche Impfbehauptungen. Ja, viele Faktenchecker haben konkrete Fakes korrekt entkräftet. Aber ja: Der Staat hat den Corona- und Impf-Informationsraum massiv bezahlt und strategisch bespielt.

Wer heute zurückblickt, muss beides sehen. Sonst wird Aufarbeitung wieder Propaganda, nur mit anderem Vorzeichen.

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