Recherche03. August 2026ca. 15 Min. Lesezeit
Goran Radosavljević „Guri": Der unantastbare General
Kommandant beim Račak-Massaker. Kommandant beim Ćuška-Massaker. Kommandant des Lagers, in dem die Bytyqi-Brüder exekutiert wurden. Nie in Serbien angeklagt. Heute Parteifreund von Präsident Vučić.

*Ein serbischer Polizei-General, der beim Račak-Massaker im Kommando war, dessen Einheit beim Ćuška-Massaker verdächtigt wird, und der Kommandant des Trainingslagers war, in dem die Bytyqi-Brüder exekutiert und in einem Massengrab verscharrt wurden. In Serbien wurde er nie angeklagt. Die USA sanktionierten ihn 2018. Heute ist er Mitglied der Regierungspartei SNS von Präsident Aleksandar Vučić. Dieser Artikel zeichnet seinen Werdegang nach und fragt, warum Serbien ihn nie anklagte.*
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In einem Satz
Goran Radosavljević, genannt „Guri" (albanisch: Stein), geboren 1957, war Kommandant der serbischen Spezialeinheit SAJ und des Trainingslagers Petrovo Selo. Dort, wo 61 Leichen kosovo-albanischer Zivilisten gefunden wurden, und dort, wo die Bytyqi-Brüder (Ylli, Mehmet, Agron), drei albanisch-amerikanische Freiwillige der UÇK, nach ihrer formellen Freilassung am 8. Juli 1999 hingebracht, gefoltert und mit Genickschüssen hingerichtet wurden. Er war beim Račak-Massaker (42 Tote) und beim Ćuška-Massaker (41 Tote) im Einsatz, wurde in Serbien nie angeklagt, erhielt 2018 US-Sanktionen, und ist heute Mitglied der SNS-Partei von Präsident Aleksandar Vučić.
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1. Was dieser Artikel leistet, und was nicht
Dieser Text ist ein Personenporträt, keine Anklage. Er dokumentiert, was öffentlich über Goran Radosavljević bekannt ist, trennt belegte Fakten von Behauptungen, und legt dar, was gerichtlich bestätigt, was beschuldigt, und was offen ist. Die Quellen sind Wikipedia mit Verweis auf ICTY-Dokumente, AP News (2018), BBC News (2016), N1 Info, France24 (2026), RTL Today (2026), RKS News, The Independent (2001), und die Bytyqi Brothers Timeline (bytyqibrothers.org).
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2. Die Person
Wer ist Goran Radosavljević?
| Detail | Fakten |
|---|---|
| Name | Goran Radosavljević |
| Spitzname | „Guri" (albanisch: Stein) |
| Geboren | 1957 |
| Rang | Ehemaliger Polizei-Generaloberst |
| Kommando | Gendarmerie Serbiens (2001–2004) |
| Zuvor | Special Police Units (Serbia), Leiter der Operational Group (OPG) |
| SAJ | Kommandant des SAJ-Trainingslagers Petrovo Selo |
| Heute | Geschäftsmann, SNS-Parteimitglied |
Die Operational Group (OPG)
Während des Kosovo-Kriegs (1998–1999) leitete Radosavljević eine Gruppe von counter-terroristischen Teams, die als Operational Group (OPG) bekannt waren. Sie wurden zur Bekämpfung der Kosovo Liberation Army (UÇK) gegründet, die Kosovo von Serbien trennen wollte. Die OPG wurde später verdächtigt, Kriegsverbrechen an Zivilisten begangen zu haben.
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3. Das Račak-Massaker (15. Januar 1999)
Die Fakten
Radosavljević war der Kommandant der militärischen Operation in Račak am 15. Januar 1999. 42 kosovo-albanische Zivilisten wurden getötet. Das Ereignis wurde als „Račak-Massaker" bekannt.
Die Reaktionen
Serbische Behörden behaupteten, die Getöteten seien Kombattanten gewesen. William Walker, Leiter der OSCE-Beobachtermission, erklärte es sofort zu einem Massaker an Zivilisten. Dies veranlasste die NATO-Verbündeten, Luftangriffe gegen die Bundesrepublik Jugoslawien zu beschließen. Das Račak-Massaker war einer der Auslöser der NATO-Intervention.
Radosavljevićs eigene Darstellung
Radosavljević trat später in der Morgennachrichtensendung von RTS (staatliches serbisches Fernsehen) auf, eine seiner seltenen öffentlichen Auftritte nach seiner Pensionierung. Er sagte:
*"Der Westen wird nie zugeben, dass die Polizeioperation legitim war."*
*"Wir fürchteten uns weder damals noch danach."*
Er behauptete, in Račak sei eine Terroristengruppe bekämpft worden, nicht Zivilisten:
*"Wir beobachteten das Dorf und wussten, dass keine Zivilisten darin waren, nur die Terroristen in einem Haus und der Schule, die auf uns warteten."*
Er behauptete weiter, Walker habe Terroristen geholfen, nachts Leichen ins Dorf zu bringen:
*"Sie wussten, dass dies eine Inszenierung war, die zu Bombardements führen würde."*
Und er behauptete, die Operation in Račak sei in NATO-Sonderkräfte-Manualen aufgenommen worden, die er in Brüssel gezeigt bekommen habe.
Diese Behauptungen sind Radosavljevićs Darstellung. Die OSCE-Mission unter Walker kam zu einer anderen Einschätzung. Der ICTY und kosovarische Gerichte sehen die Tötungen als Massaker an Zivilisten.
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4. Das Ćuška-Massaker (Mai 1999)
Die OPG, Radosavljevićs Gruppe, wurde verdächtigt, 41 ethnisch-albanische Zivilisten im Ćuška-Massaker im westlichen Kosovo im Mai 1999 getötet zu haben. Mehrere Menschenrechtsgruppen behaupteten, die OPG habe Kriegsverbrechen an Zivilisten begangen.
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5. Die Bytyqi-Brüder: Drei Amerikaner, exekutiert nach der Freilassung
Wer waren die Bytyqi-Brüder?
Ylli, Mehmet und Agron Bytyqi waren albanisch-amerikanische Brüder, geboren und aufgewachsen in Chicago (laut The Independent), später mit einer Pizzeria in New York. Sie gaben ihr Geschäft auf, um für die UÇK im Kosovo-Krieg zu kämpfen.
Die Verhaftung
Nach Kriegsende (Kumanovo-Abkommen, NATO-Luftangriffe beendet) schmuggelten die Brüder zwei Familien, darunter eine serbische Familie aus Suharekë, nach Kraljevo zurück. Wegen Verstoßes gegen das „Gesetz über Bewegung und Aufenthalt von Ausländern" der Republik Serbien wurden sie entlang der Transitstraße zwischen Kosovo und Serbien verhaftet. Am 26. Juni 1999 wurden sie festgenommen und zu 15 Tagen Gefängnis verurteilt. Zwölf Tage später legten sie Berufung ein und wurden freigelassen.
Die Freilassung und das Verschwinden
Ein serbischer Nachbar namens „Miroslav" wartete, um die Brüder abzuholen. Aber die Brüder wurden stattdessen von zwei Männern in einem weißen Auto ohne Kennzeichen abgeholt. Sie wurden zum SAJ-Trainingslager Petrovo Selo gebracht, der Einrichtung, deren Kommandant Radosavljević war.
Die Timeline (nach bytyqibrothers.org)
Am 8. Juli 1999 ordnete ein Richter die Freilassung an. Vlajko Stojiljković (Innenminister) ordnete über Vlastimir Đorđević (stellvertretender Innenminister) an, dass Sreten Popović (Kommandeur einer Aufklärungs- und Sabotage-Einheit der OPG) die Brüder an Zivilbeamte des MUP übergeben und nach Petrovo Selo bringen soll. Radosavljević war zu dieser Zeit Oberstleutnant und Kommandant der Petrovo-Selo-Trainingseinrichtung.
Etwa am 10. Juli 1999 wurden die Brüder von der Petrovo-Selo-Trainingseinrichtung zu einer nahegelegenen Grube gebracht. Die Grube enthält ein Massengrab albanischer Bürger, deren Leichen mit Kühl-Lkw aus Kosovo gebracht worden waren. Die Brüder wurden gefesselt, blindiert, in den Hinterkopf geschossen und auf das Grab geworfen. Am 14. Juli 2001 gab es erste Berichte, dass die Überreste der Bytyqi-Brüder aus einem Massengrab in Petrovo Selo exhumiert worden sein könnten.
Die forensischen Befunde
Die Leichen wurden Juli 2001 in Petrovo Selo exhumiert. Die Brüder lagen oben auf dem Massengrab mit 70 weiteren Kosovo-Albanern (laut Wikipedia) bzw. 74 (laut The Independent). Die Leichen wiesen Draht-Fesseln und Genickschuss-Verletzungen auf. Ein FBI-Agent, der sechs Jahre lang ermittelte, berichtete, dass die Haut Elektroschock-Spuren aufwies, ein deutliches Indiz für Folter.
Radosavljevićs Alibi
Radosavljević behauptete, er sei zum Tatzeitpunkt nicht auf der Basis gewesen. Mindestens ein ehemaliger Mitarbeiter widerspricht dem, laut BBC.
Die BBC-Rekonstruktion
Die BBC schrieb 2016:
*"Es ist klar, dass die Täter unter einer begrenzten Anzahl von Menschen mit Zugang zur Basis der Sondereinheit in Petrovo Selo waren, wo die Bytyqis exekutiert und begraben wurden."*
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6. Die Straflosigkeit in Serbien
Keine Anklage
In Serbien wurde Radosavljević nie angeklagt. Am 17. Dezember 2006 bzw. im Februar 2007 stellte die serbische Polizei einen Haftbefehl aus, jedoch ohne Anklage. Im Jahr 2007 ging Radosavljević an die Öffentlichkeit und bestritt Gerüchte, er habe sich versteckt. Er sagte, er fürchte keine Anklage wegen des Račak-Massakers.
Der Prozess gegen Popović und Stojanović
Am 23. August 2006 klagte die serbische Kriegsverbrechens-Kammer Sreten Popović und Miloš Stojanović an, zwei OPG-Offiziere, die halfen, die Bytyqis von Prokuplje nach Petrovo Selo zu überstellen. Radosavljević sagte in diesem Prozess aus und behauptete, er sei abwesend gewesen.
Die Karriere danach
Radosavljević ging weiter. Er wurde Kommandant der Gendarmerie Serbiens (2001–2004) und gründete später eine Sicherheitsfirma, die ausländische Truppen ausbildet. Er wurde Mitglied des Vorstands der Serbischen Fortschrittspartei (SNS), der Partei von Präsident Tomislav Nikolić und Premierminister Aleksandar Vučić (laut BBC 2016). Laut AP (2018) wurde er als *"ein enger Parteifreund des serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić"* beschrieben.
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7. Die US-Sanktionen (Dezember 2018)
Die Entscheidung
Im Dezember 2018 verhängte das US-Außenministerium Sanktionen gegen Radosavljević. Der Grund war eine „grobe Verletzung von Menschenrechten" (gross violation of human rights) auf Basis der Magnitsky-ähnlichen Gesetzgebung. Er wurde „glaubhaft impliziert" (credibly implicated) in die Ermordung der Bytyqi-Brüder. Als Folge dürfen Radosavljević, seine Ehefrau und seine Tochter nicht in die USA einreisen.
Das AP-Zitat
AP berichtete 2018:
*"Police general Radosavljevic, known as Guri, was the commander of a special police base in eastern Serbia where the bodies of the brothers were discovered in a mass grave in 2001. He is now a close party associate of Serbian President Aleksandar Vucic."*
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8. Der Kosovo-Prozess in absentia (ab 31. Juli 2026)
Am 31. Juli 2026 eröffnete das Grundgericht Pristina den Prozess gegen 21 serbische Beamte, in absentia. Radosavljević ist einer der prominentesten Angeklagten.
Die Anklage
Die Anklage umfasst Mord, Folter, unmenschliche Behandlung, Zerstörung von Eigentum und Deportation von Zivilisten nach Albanien, mit Bezug auf das Račak-Massaker (15. Januar 1999). Laut Anklage (AFP): *"Die Tötungen fanden nicht im Kampf statt, sondern waren vorsätzliche, geplante und systematische Hinrichtungen, die eindeutig die kriminelle Natur der Operation anzeigen."* Die Opfer seien „unbewaffnet" und „auf kurze Distanz exekutiert" worden.
Die Mitangeklagten
Zu den Mitangeklagten gehören Obrad Stevanović (ehem. Polizeichef), Radomir Marković (ehem. Geheimdienstchef) und Sreten Popović (OPG-Kommandeur, auch im Bytyqi-Fall).
Internationale Haftbefehle
Internationale Haftbefehle wurden erlassen. Keiner der Angeklagten ist erschienen. Keiner hat sich gestellt. Anwälte wurden von der Anwaltskammer bestellt.
Der ausführliche Artikel zum Prozess: **Kosovo-Prozess in absentia: 21 Angeklagte, 0 Anwesende**.
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9. Die Suche nach Gerechtigkeit: Fatos Bytyqi
Fatos Bytyqi, der Bruder der Getöteten, ist überzeugt, dass Radosavljević der Schlüssel zum Fall ist. Er sagte der BBC 2016:
*"Es ist klar, dass die Täter unter einer begrenzten Anzahl von Menschen mit Zugang zur Basis der Sondereinheit in Petrovo Selo waren."*
Radosavljević behauptet, er sei an dem Tag nicht auf der Basis gewesen. Aber mindestens ein ehemaliger Mitarbeiter widerspricht dem. Die Frage, wer die Bytyqi-Brüder exekutierte, ist nie in einem serbischen Gericht geklärt worden.
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10. Was belegt ist
Radosavljević war Kommandant der SAJ und des Trainingslagers Petrovo Selo (Wikipedia, BBC, AP). Er war Kommandant der Operation in Račak am 15. Januar 1999 (Wikipedia, N1 Info), bei der 42 Personen getötet wurden (mehrere Quellen). Die OPG wird verdächtigt, 41 Zivilisten in Ćuška getötet zu haben (Wikipedia).
Die Bytyqi-Brüder wurden nach ihrer Freilassung am 8. Juli 1999 zum SAJ-Lager Petrovo Selo gebracht, gefoltert und exekutiert (Wikipedia, BBC, bytyqibrothers.org). Ihre Leichen lagen oben auf einem Massengrab mit 70 bis 74 weiteren Kosovo-Albanern (Wikipedia, Independent). Ein FBI-Agent berichtete von Folterspuren durch Elektroschocks (BBC).
Radosavljević wurde in Serbien nie angeklagt (Wikipedia, BBC). Ein Haftbefehl wurde 2006/2007 ausgestellt, jedoch ohne Anklage (Wikipedia). Die USA sanktionierten ihn im Dezember 2018 (AP). Er ist Mitglied der SNS-Partei von Vučić (BBC, AP). Kosovo klagt ihn seit 31. Juli 2026 in absentia an (France24, RKS News).
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11. Was interpretierbar ist
Radosavljevićs Alibi, er sei nicht auf der Basis gewesen, wird von mindestens einem ehemaligen Mitarbeiter widersprochen. Wer recht hat, ist nicht gerichtlich geklärt. Die US-Sanktionen basieren auf der Formulierung „glaubhaft impliziert", nicht auf einer Verurteilung. Die kosovarische Anklage in absentia ist ein politisch aufgeladenes Verfahren, dessen Ausgang offen ist. Die Mitgliedschaft in der SNS-Partei kann als politischer Schutz interpretiert werden oder als normale Karriere nach der Pensionierung.
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12. Was offen bleibt
Warum wurde Radosavljević in Serbien nie angeklagt, obwohl ein Haftbefehl ausgestellt wurde? Wer exekutierte die Bytyqi-Brüder, wenn Radosavljević nicht auf der Basis war? Wird der Kosovo-Prozess in absentia zu einer Verurteilung führen, oder bleibt er ein Symbol? Wird Serbien Radosavljević jemals ausliefern? Und was bedeutet es für die Aufarbeitung, wenn ein beschuldigter General Parteifreund des Präsidenten ist?
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13. Quellen
Wikipedia: Goran Radosavljević (externer Link, öffnet in neuem Tab) · Wikipedia: Death of the Bytyqi brothers (externer Link, öffnet in neuem Tab) · AP News: US links ex-Serb police general with killing of 3 Americans (2018) (externer Link, öffnet in neuem Tab) · BBC News: One man's hunt for his brothers' killers (2016) (externer Link, öffnet in neuem Tab) · Bytyqi Brothers Timeline (externer Link, öffnet in neuem Tab) · N1 Info: Retired Serbian police general says not afraid of indictment (externer Link, öffnet in neuem Tab) · France24: Kosovo war crimes trial opens against fugitive Serbs (2026) (externer Link, öffnet in neuem Tab) · RTL Today: In absentia trial (2026) (externer Link, öffnet in neuem Tab) · RKS News: Trial begins in Prishtina (externer Link, öffnet in neuem Tab) · The Independent: Serb mass grave reveals secret of executed Americans (2001) (externer Link, öffnet in neuem Tab)
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