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Recherche03. August 2026ca. 13 Min. Lesezeit

Kosovo-Prozess in absentia: 21 Angeklagte, 0 Anwesende

Ein Prozess wegen des Račak-Massakers, das die NATO-Luftangriffe auslöste. 21 serbische Beamte angeklagt. Keiner ist erschienen. Internationale Haftbefehle erlassen. Die Anwälte wurden bestellt.

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Front view of the International Criminal Tribunal for the Former Yugoslavia, in the Hague, the Netherlands.

*Am 31. Juli 2026 eröffnete das Grundgericht in Pristina den Prozess gegen 21 serbische Beamte wegen des Račak-Massakers vom 15. Januar 1999. Keiner der Angeklagten ist erschienen. Internationale Haftbefehle wurden erlassen. Die Anwälte wurden von der Anwaltskammer bestellt. Dieser Artikel dokumentiert den Prozess, die Anklage, die Angeklagten und die Frage, was ein Abwesenheitsverfahren für die Aufarbeitung bedeutet.*

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In einem Satz

Am 31. Juli 2026 eröffnete das Grundgericht Pristina (Sonderabteilung, Hajvali Justizpalast) den Prozess gegen 21 serbische Beamte, in absentia, also in Abwesenheit, wegen des Račak-Massakers vom 15. Januar 1999, bei dem 42 kosovo-albanische Zivilisten ermordet wurden. Keiner der Angeklagten ist erschienen, keiner hat sich gestellt, internationale Haftbefehle wurden erlassen. Unter den Angeklagten befinden sich Goran Radosavljević (ehem. Polizei-General), Obrad Stevanović (ehem. Polizeichef) und Radomir Marković (ehem. Geheimdienstchef).


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1. Was dieser Artikel leistet, und was nicht

Dieser Text dokumentiert den Prozessbeginn und die Anklage. Er stützt sich auf Berichte von France24 (AFP, 31. Juli 2026), RTL Today (31. Juli 2026), RKS News, Gazeta Express, und Wikipedia. Er trennt die Anklagebehauptungen von gerichtlichen Feststellungen und dokumentiert, was belegt ist, was interpretierbar ist, und was offen bleibt.


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2. Der Prozessbeginn

Die harten Daten

DetailFakten
Datum31. Juli 2026 (Freitag)
OrtGrundgericht Pristina, Sonderabteilung, Hajvali Justizpalast, Gebäude D
Vorsitzende RichterinVioleta Namani Hajra
StaatsanwaltIlir Morina
Anzahl Angeklagte21
Anwesende Angeklagte0
VerfahrensartIn absentia (in Abwesenheit)
AktenzeichenPS.nr.88/2025
Anklage-NummerPPS.nr.68/2021, eingereicht am 30. Dezember 2025
Erste Anhörung (ursprünglich)20. Juli 2026, 10:00 Uhr

Die Eröffnung

Die vorsitzende Richterin Violeta Namani Hajra eröffnete den Prozess und stellte die Abwesenheit der Angeklagten fest. Sie sagte, der Prozess werde auch ohne Plea der Angeklagten fortgesetzt.

Staatsanwalt Ilir Morina verlas eine Zusammenfassung der Anklage und sagte, ein internationaler Haftbefehl sei erlassen worden.

Die Verteidigung

Anwälte für die Angeklagten wurden von der Anwaltskammer bestellt. Der Anwalt von Stevanović sagte, er werde sein Bestes für seinen Mandanten tun, trotz dessen Abwesenheit.

Anwalt Agron Curri erklärte:

*"Es gab keine andere Möglichkeit, die Angeklagten zu processen, weil sie sich außerhalb des Landes befinden, als sie in absentia zu processen."*

Das öffentliche Verfahren

Das Gericht hatte zuvor einen öffentlichen Aufruf erlassen, in dem alle genannten Angeklagten aufgefordert wurden, sich den Justizbehörden der Republik Kosovo zu stellen. Keiner ist erschienen.


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3. Das Račak-Massaker: Der Auslöser

Die Fakten

Račak, albanisch Recak, ist ein Dorf im südlichen Kosovo. Am 15. Januar 1999 drangen serbische Kräfte in das Dorf ein und töteten 42 kosovo-albanische Zivilisten. Das Massaker ereignete sich vor dem Hintergrund des eskalierenden Kosovo-Konflikts, in dem die serbische Sicherheitsapparatur mit brutaler Gewalt gegen die albanische Zivilbevölkerung vorging.

Die internationale Reaktion

William Walker, Leiter der OSCE-Beobachtermission, erklärte das Geschehen sofort zu einem Massaker an Zivilisten. Das löste internationale Empörung aus und veranlasste die NATO-Verbündeten, Luftangriffe gegen die Bundesrepublik Jugoslawien zu beschließen. Das Račak-Massaker war einer der Auslöser der NATO-Intervention im Kosovo-Krieg, die wenige Wochen später begann.

Die serbische Darstellung

Serbische Behörden behaupteten, die Getöteten seien Kombattanten gewesen, die in einem Feuergefecht getötet wurden. Diese Darstellung wurde von der OSCE-Mission und internationalen Ermittlern widerlegt. Die forensischen Befunde zeigten eindeutig, dass es sich um Hinrichtungen aus nächster Nähe handelte, nicht um Gefechtsopfer.


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4. Die Anklage

Die Vorwürfe

Die Angeklagten werden beschuldigt von Mord, Folter, unmenschlicher Behandlung, Zerstörung von Eigentum und Deportation von Zivilisten nach Albanien. Diese Vorwürfe zusammengenommen zeichnen das Bild einer systematischen Operation gegen die Zivilbevölkerung, nicht einzelner Übergriffe.

Die Anklage im Wortlaut

Laut der Anklage, die AFP einsehen konnte, werden die Angeklagten beschuldigt, an dem Angriff teilgenommen oder ihn geplant zu haben. Der Angriff umfasste Beschuss vor dem Eintritt serbischer Kräfte ins Dorf und die Durchsuchung von Häusern.

Die Anklage sagt ausdrücklich:

*"Die Opfer waren 'unbewaffnet' und 'auf kurze Distanz exekutiert'."*
*"Die Tötungen fanden nicht im Kampf statt, sondern waren vorsätzliche, geplante und systematische Hinrichtungen, die eindeutig die kriminelle Natur der Operation anzeigen."*

Die rechtliche Grundlage

Die Anklage erfolgt unter Artikel 142 in Verbindung mit Artikel 22 des Strafgesetzbuchs der ehemaligen Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien. Nun ist sie inkriminiert unter Artikeln 144, 145, 146 und 147 in Verbindung mit Artikel 31 des Strafgesetzbuchs der Republik Kosovo (CCRK). Der Straftatbestand lautet Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung.


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5. Die 21 Angeklagten

Vollständige Liste (nach RKS News)

#NameBekannte Funktion
1Zlatomir Pešićk. A.
2Mladen Ćirkovićk. A.
3Radomir MarkovićEhem. Geheimdienstchef
4Duško Adamovićk. A.
5Obrad StevanovićEhem. Polizeichef
6Živko Trajkovićk. A.
7Goran RadosavljevićPolizei-General, Spezialeinsatz („Guri")
8Bogoljub Janićijevićk. A.
9Slaviša Ivanovićk. A.
10Boško Vukićevićk. A.
11Sreten PopovićOPG-Kommandeur (auch Bytyqi-Fall)
12Nikola Petrovićk. A.
13Krsman Jevtić (auch als Jelić aufgeführt)k. A.
14Ljubiša Stojimirovićk. A.
15Božidar DelićVerstorben (wird formell mitangeklagt)
16Radojko Stefanovićk. A.
17Dragan Živanovićk. A.
18Miloš Đošank. A.
19Ljubinko Cvetićk. A.
20Božidar Filićk. A.
21Milovan Kovačevićk. A.

Hinweis zur Listenvariante

Es gibt zwei leicht unterschiedliche Listen in den Quellen (Gazeta Express vs. RKS News), was auf Anklageänderungen hindeutet. Die Liste oben folgt der aktuellsten Version (RKS News).

Božidar Delić ist verstorben, wird aber formell mitangeklagt, laut den Verfahrensvorschriften der Sonderstaatsanwaltschaft.


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6. Die prominentesten Angeklagten

Goran Radosavljević „Guri"

Ehem. Polizei-General, Kommandant der Spezialeinsatzkräfte. War beim Račak-Massaker im Kommando. Auch mit dem Ćuška-Massaker und der Ermordung der Bytyqi-Brüder verbunden. In Serbien nie angeklagt. US-Sanktionen 2018. Heute SNS-Parteimitglied.

Ausführlich: **Goran Radosavljević „Guri": Der unantastbare General**

Obrad Stevanović

Ehem. Polizeichef Serbiens. Eine der höchstrangigen Polizeifiguren des Milošević-Regimes.

Radomir Marković

Ehem. Geheimdienstchef Serbiens. Leiter des serbischen Staatssicherheitsdienstes (RDB) während des Kosovo-Kriegs.

Sreten Popović

Kommandeur einer Aufklärungs- und Sabotage-Einheit der OPG (Operational Group). Wurde 2006 vom serbischen Kriegsverbrechensgericht im Bytyqi-Fall angeklagt, zusammen mit Miloš Stojanović. Er half, die Bytyqi-Brüder von Prokuplje nach Petrovo Selo zu überstellen.


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7. Der rechtliche Rahmen

In-absentia-Prozesse im kosovarischen Recht

Der Prozess findet unter Kosovos aktualisiertem Strafverfahrens-Gesetzbuch statt. Gerichte dürfen Kriegsverbrechen in absentia processen, vorausgesetzt, dass Strafverfolgungsbehörden angemessene Anstrengungen unternommen haben, die Angeklagten zu lokalisieren und zu laden.

Die Voraussetzungen

Die Anklage wurde am 30. Dezember 2025 eingereicht. Die Angeklagten waren bis zum Zeitpunkt der Anklageeinreichung nicht verfügbar. Das Gericht erließ einen öffentlichen Aufruf zur Selbststellung, doch keiner der Angeklagten ist erschienen. Internationale Haftbefehle wurden erlassen, und Anwälte wurden von der Anwaltskammer bestellt.

Die Verfahrensnummer

Das Aktenzeichen lautet PS.nr.88/2025, die Anklage-Nummer PPS.nr.68/2021. Das Anklagedatum ist der 30. Dezember 2025. Der ursprüngliche Termin war der 20. Juli 2026 um 10:00 Uhr, der tatsächliche Beginn fand am 31. Juli 2026 statt.


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8. Reaktionen

Serbien

Serbiens Büro für Kosovo verurteilte die Verhaftungen von Kosovo-Serben als Teil einer „anti-serbischen Politik".

Die Kosovo-Serbischen Verhaftungen

Früher in diesem Jahr (2026) verhafteten kosovarische Behörden fünf Kosovo-Serben wegen ihrer Beteiligung an den Tötungen. Ein separater Prozess steht aus.


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9. Was bedeutet ein Abwesenheitsprozess?

Die Vorteile

Die Opfer bekommen nach 27 Jahren eine formelle Gerichtsverhandlung. Beweise werden dokumentiert, und es entsteht eine historische Aufzeichnung. Die Anklage wird öffentlich, die Vorwürfe sind nicht mehr nur Opferberichte, sondern Gerichtsdokumente. Internationale Haftbefehle werden formalisiert, sodass die Angeklagten nicht mehr unbehelligt reisen können.

Die Nachteile

Es gibt keine kontradiktorische Verhandlung, da die Verteidigung nicht aktiv argumentieren kann, weil die Angeklagten nicht anwesend sind. Urteile können politisch wirken, besonders in einem politisch aufgeladenen Kontext wie Kosovo und Serbien. Die Angeklagten können sich nicht verteidigen, und die bestellten Anwälte tun ihr Bestes, aber ohne Mandanten ist die Verteidigung begrenzt. Die Anerkennung ist fraglich, da nicht alle Staaten in-absentia-Urteile anerkennen.

International umstritten

Einige Rechtssysteme erlauben in-absentia-Prozesse (z.B. Deutschland unter bestimmten Bedingungen, Frankreich, Kosovo), andere nicht oder nur sehr eingeschränkt. Die Menschenrechtskonvention verlangt, dass die Angeklagten die Möglichkeit haben, von der Anklage zu erfahren und sich zu verteidigen, was der öffentliche Aufruf zur Selbststellung erfüllen soll.


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10. Was belegt ist

Der Prozess wurde am 31. Juli 2026 in Pristina eröffnet (France24, RTL Today, RKS News). 21 serbische Beamte sind angeklagt (RKS News, Gazeta Express), und keiner der Angeklagten ist erschienen (France24). Internationale Haftbefehle wurden erlassen (France24).

Die Anklage bezieht sich auf das Račak-Massaker vom 15. Januar 1999 (France24, RKS News), bei dem 42 kosovo-albanische Zivilisten getötet wurden (France24). Die Anklage lautet auf Mord, Folter, unmenschliche Behandlung, Zerstörung von Eigentum, Deportation (France24). Die Anklage sagt, die Opfer seien „unbewaffnet" und „auf kurze Distanz exekutiert" worden (France24/AFP).

Anwälte wurden von der Anwaltskammer bestellt (France24). Fünf Kosovo-Serben wurden zuvor verhaftet, ein separater Prozess steht aus (France24). Serbiens Büro für Kosovo verurteilte die Verhaftungen als „anti-serbische Politik" (France24).

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11. Was interpretierbar ist

Die Anklage ist eine Behauptung der Staatsanwaltschaft, kein Gerichtsurteil. Die Unschuldsvermutung gilt. Die serbische Reaktion („anti-serbische Politik") ist eine politische Einordnung, keine juristische. Der in-absentia-Prozess kann als Notlösung interpretiert werden, wenn die Angeklagten nicht kommen, oder als politisches Symbol, um die Aufarbeitung zu dokumentieren.

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12. Was offen bleibt

Wird der Prozess zu einer Verurteilung führen, oder bleibt er ein Symbol? Werden die Angeklagten jemals ausgeliefert? Werden die fünf Kosovo-Serben im separaten Prozess verurteilt? Wird Serbien die Archive öffnen, die Kurti fordert? Wird die internationale Gemeinschaft die Haftbefehle durchsetzen? Und wird ein in-absentia-Urteil international anerkannt?


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13. Quellen

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Dieser Artikel ist Teil der Reihe **Serbien und die Vertuschung von Kriegsverbrechen**. Weitere Beiträge behandeln Batajnica: 744 Leichen unter dem Schießplatz, den größten Massengrab-Fund in Serbien, R.T. verhaftet: Wenn Zeugen zu Spionen werden über Zeugeneinschüchterung als System, und Goran Radosavljević „Guri": Der unantastbare General über den prominentesten Angeklagten.


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