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Institutionen13. Juli 2026ca. 14 Min. Lesezeit

FBI ermittelt gegen AFA: 300 Millionen Dollar, Shellfirmen und ein Theaterproduzent

Während Argentinien um den WM-Titel spielt, ermittelt das FBI gegen den Verband – 300 Millionen Dollar durch Miami

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Während Argentinien bei der WM 2026 in den USA um den Einzug ins Halbfinale kämpft, spielt sich direkt neben dem Rasen eine andere Geschichte ab. Eine Geschichte, die kaum jemand erwähnt. Eine Geschichte über Geld, über Shellfirmen, über einen Theaterproduzenten aus Buenos Aires, der plötzlich Hunderte Millionen Dollar durch das amerikanische Bankensystem leitete. Und über das FBI, das zusieht. Und ermittelt.

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Wie es begann

Die Geschichte beginnt im August 2021. Ein Monat nach Argentiniens Sieg bei der Copa America gründete Javier Faroni eine Firma in Florida: TourProdEnter LLC. Im Dezember 2021 wurde TourProdEnter der exklusive kommerzielle Agent des AFA für internationale Verträge. Die Aufgabe: Sponsorengelder sammeln, Medienrechte verkaufen, internationale Geschäfte abwickeln. Vorher flossen Sponsorengelder direkt an den AFA in Buenos Aires, wo ein Teil an Jugendsportvereine weitergegeben wurde. Nach Argentiniens WM-Titel 2022 änderte sich das. Die Gelder flossen durch TourProdEnter in den USA. Quelle: Miami Herald – FBI probes Argentina soccer funds through Miami shell firms (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Faroni hatte keine Erfahrung im Sportmanagement. Er war Theaterproduzent. Seine Partnerin Erica Gillette war ebenfalls im Unternehmen registriert. Die Firma operierte aus einem Büro in Aventura, einem Vorort von Miami. Später zog sie in ein virtuelles Büro um. Eine Adresse ohne physische Präsenz. Ein Briefkasten. Quelle: Miami Herald – FBI probes Argentina soccer funds (externer Link, öffnet in neuem Tab).

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Die Geldflüsse

Die Zahlen, die der Miami Herald aus vertraulichen Bankunterlagen und Unternehmensdokumenten vorlagen, sind erschütternd. Mindestens 290 Millionen Dollar wurden auf Konten von TourProdEnter bei Bank of America, Citibank, JPMorgan Chase, Synovus und PNC Bank eingezahlt. Weitere 57 Millionen Dollar wurden an verschiedene Firmen überwiesen, deren Transaktionen von den Ermittlern geprüft werden. Insgesamt sind es über 300 Millionen Dollar, die durch das US-Bankensystem flossen. Quelle: Miami Herald – Argentine soccer body faces money-laundering probe (externer Link, öffnet in neuem Tab). Quelle: CBS Sports – FBI investigates Argentina Football Association (externer Link, öffnet in neuem Tab).

TourProdEnter zahlte mindestens 40 Millionen Dollar an andere Firmen in Miami. Fast 30 Millionen gingen an sechs Firmen – Mafer Trading, Marmasch, Soagu Services, Velp, W Trading und Tronador Import & Export – die alle die gleiche Adresse haben: ein zweistöckiges Bürogebäude an der Ives Dairy Road, südöstlich von Miami Gardens. In Wirklichkeit haben diese Firmen keine physische Präsenz. Das Gebäude bietet «virtuelle Büros» für 80 Dollar im Monat. Fünf der sechs Firmen wurden nach März 2021 registriert. Die sechste, W Trading, Ende 2018. Quelle: Miami Herald – FBI probes Argentina soccer funds (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Weitere 6 Millionen Dollar gingen an drei Firmen in Doral – Delker, Seriva und Ikane – die ebenfalls virtuelle Büroadressen nutzen. 3,5 Millionen flossen an eine uruguayische Firma namens Stufer Corporation, deren einziger Geschäftsführer Teodoro Favergiotti ist, Faronis Geschäftspartner. Die Firma teilt sich eine Adresse in Hallandale Beach mit anderen Firmen, die auf Faroni und seine Frau registriert sind. Insgesamt, so die Ermittler, wurden mindestens 42 Millionen Dollar unsachgemäß umgeleitet. Die Gesamtsumme der geprüften Transaktionen beläuft sich auf über 300 Millionen Dollar. Quelle: Miami Herald – FBI probes Argentina soccer funds (externer Link, öffnet in neuem Tab). Quelle: Wikipedia – List of 2026 FIFA World Cup controversies (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Ein Theaterproduzent ohne Sportmanagement-Erfahrung leitet 300 Millionen Dollar durch das US-Bankensystem. Die Gelder fließen an Firmen mit virtuellen Büros für 80 Dollar im Monat. Das FBI ermittelt. Und der Weltfußball schaut auf den Rasen.

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Die Ermittlung

Die FBI-Untersuchung begann 2025 und weitete sich 2026 aus, nachdem Argentiniens Sicherheitsministerium einen Hinweis geliefert hatte. Federale Staatsanwälte und FBI-Agenten aus Washington und Miami begannen, Personen zu befragen, die Kenntnis über die internationalen Geschäftsoperationen des AFA haben. Während des WM-Spiels gegen Kap Verde im Sechzehntelfinale verhörten FBI-Agenten und Justizbeamte den argentinischen Sportgeschäftsmann Guillermo Tofoni. Tofoni hatte früher Sponsoring-Verträge mit dem AFA abgewickelt. Die FBI befragt ihn dazu, wie der AFA seine internationalen Verträge strukturierte und ob Transaktionen durch US-Banken und -Firmen potenziell US-Recht gebrochen haben könnten, indem sie illegale Gelder verschleierten. Quelle: Miami Herald – Argentine soccer body faces money-laundering probe (externer Link, öffnet in neuem Tab). Quelle: UPI (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Die Ermittlung wird von drei Bundesstaatsanwälten geführt: Patrick Gushue und Christopher Ting in Washington sowie Michael Berger im Southern District of Florida, die auf Finanzkriminalität spezialisiert sind. Das US-Justizministerium erwägt zudem, ehemalige Beamte der Regierung von Präsident Javier Milei als Zeugen aufzurufen, da sie Zugang zu Informationen über die finanziellen Operationen des AFA gehabt haben könnten. Quelle: UPI (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Bislang wurden keine formellen Anklagen erhoben. Weder in den USA noch in Argentinien. Die Ermittlung befindet sich im Vorstadium. Aber das Ausmaß ist beträchtlich. Und die Parallele zur Geschichte ist unübersehbar.

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Die Parallele zur FIFA-Razzia 2015

2015 führte das FBI eine Razzia im Züricher Baur au Lac durch. Sie verhafteten sieben FIFA-Offizielle. Der Vorwurf: Bestechung, Geldwäsche, Betrug. Die Untersuchung, die vom US-Justizministerium geführt wurde, nutzte die gleiche Rechtsgrundlage: Weil internationale Sponsoring- und Medienrechte durch das US-Bankensystem flossen, hatten US-Behörden Gerichtsbarkeit über Transaktionen, die außerhalb der USA stattfanden. Das ist der gleiche Rechtsrahmen, den die Bundesbehörden jetzt im Fall AFA nutzen. Quelle: CBS Sports (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Die 2015er Razzia führte zum Sturz von Sepp Blatter, zur Wahl von Gianni Infantino und zu einer angeblichen Reform der FIFA. Die AFA-Untersuchung könnte ähnliche Folgen haben – für den argentinischen Verband, für seine Führung, für die Frage, wie Sponsorengelder im Weltfußball fließen. Aber bislang passiert nichts. Die WM läuft. Argentinien spielt. Das FBI ermittelt. Und die Welt schaut auf den Rasen.

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Die Verbindung zu Messi und Miami

Die Geschichte hat eine Dimension, die über den AFA hinausgeht. Lionel Messi spielt seit 2023 bei Inter Miami, einem Verein in der Major League Soccer, der im Besitz von David Beckham und Jorge Mas ist. Messi lebt in Miami. Der AFA hat seit 2023 ein Büro in Wynwood, einem Viertel in Miami, für die Copa America 2024 und die WM 2026. Der AFA hat zwei Trainingszentren in South Florida errichtet: eines in North Bay Village mit einem FIFA-zugelassenen Fußballfeld, eines als geplante Renovierung des Goodlet Park in Hialeah. Quelle: Miami Herald – Argentine soccer body faces money-laundering probe (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Messi ist das Gesicht der WM 2026 in den USA. Er ist das Gesicht des argentinischen Fußballs. Er ist das Gesicht von Inter Miami. Und sein Verband wird vom FBI untersucht. Das bedeutet nicht, dass Messi in die Geldwäsche verwickelt ist. Es bedeutet, dass das Umfeld, in dem er operiert, von finanziellen Vorwürfen durchzogen ist. Es bedeutet, dass die WM 2026 nicht nur ein sportliches Ereignis ist. Sie ist ein finanzielles Ereignis, in dem Hunderte Millionen Dollar durch Firmen fließen, die virtuelle Büros für 80 Dollar im Monat nutzen.

Die FIFA sagt, Sport und Politik haben nichts miteinander zu tun. Das FBI sagt, Sport und Geldwäsche haben sehr wohl miteinander zu tun.

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Die Rolle von Claudio Tapia

Claudio «Chiqui» Tapia, Präsident des AFA, ist während der WM 2026 mit der Nationalmannschaft in den USA gereist. Argentinische Gerichte hatten ihm eine Reisegenehmigung erteilt, obwohl er in Argentinien wegen angeblicher Fehlverwaltung von Steuer- und Sozialversicherungsfonds in Höhe von 19 Milliarden argentinischen Pesos – etwa 12,7 Millionen Dollar – angeklagt ist. Dieser Fall ist unabhängig von der FBI-Untersuchung. Quelle: Miami Herald – Argentine soccer body faces money-laundering probe (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Der AFA-Schatzmeister Pablo Toviggino steht ebenfalls unter Untersuchung. Im Dezember 2024 durchsuchte die argentinische Bundespolizei die AFA-Zentrale und zahlreiche Fußballvereine im Rahmen einer Untersuchung zu Geldwäsche und Steuerhinterziehung die die Finanzfirma Sur Finanzas betrifft. Weitere Strafanzeigen nennen Tapia und andere Verbandsfunktionäre. Sie bestreiten die Vorwürfe und argumentieren, sie würden politisch verfolgt – im Rahmen eines Streits mit Präsident Milei über die Zukunft des professionellen Fußballs in Argentinien. Quelle: CBS Sports (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Ein Verbandspräsident mit Anklagen in Argentinien. Ein FBI-Ermittlungsverfahren in den USA. 300 Millionen Dollar durch Shellfirmen. Und die Nationalmannschaft spielt um den WM-Titel.

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Der AFA-Email-Hack

Am 9. Juli, während der WM, erhielten Journalisten auf der Presse-Liste des AFA eine E-Mail vom offiziellen AFA-Konto. Der Text sagte: «Argentina did not win.» Er nannte das Ergebnis ein Produkt von «corrupt refereeing decisions» und lobte Ägyptens Leistung. Der AFA erklärte, die E-Mail sei nicht von seiner Kommunikationsabteilung verfasst oder autorisiert worden, und riet den Empfängern, ungewöhnliche E-Mails von der Adresse zu ignorieren. Das Konto war möglicherweise gehackt worden. Argentinische Medien schrieben den Einbruch Hackern ägyptischer Herkunft zu. Eine Person unter dem Alias «Hossam Hassan» – der Name von Ägyptens Trainer – bot separat eine AFA-Nutzerdatenbank auf einem Leak-Forum an. Dieser Anspruch blieb unbestätigt. Quelle: Wikipedia – List of 2026 FIFA World Cup controversies (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Dass jemand das offizielle AFA-Konto hackt, um das Turnier als korrupt zu bezeichnen, ist bemerkenswert. Es zeigt, dass die Kritik an der Schiedsrichterei nicht mehr nur auf Social Media stattfindet. Sie dringt in die institutionelle Kommunikation ein. Und sie zeigt, dass der Druck wächst.

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Was die FIFA dazu sagt

Die FIFA hat sich zur FBI-Untersuchung gegen den AFA nicht geäußert. Keine Stellungnahme. Keine Suspendierung. Keine Untersuchung. Der AFA ist ein Mitgliedsverband der FIFA. Die FIFA-Statuten, Artikel 16, geben dem FIFA Council das Recht, jeden Verband zu suspendieren, der eine «serious breach of its obligations» begeht. Die FIFA hat Russland in vier Tagen gesperrt. Sie hat Israel nach zwei Jahren Gaza-Krieg nicht gesperrt. Sie hat den AFA nicht einmal verwarnt, während das FBI ermittelt. Quelle: FIFA Israel Russland Doppelmoral.

Die FIFA hat eine Ethikkommission. Die Ethikkommission hat eine Beschwerde von FairSquare gegen Infantino wegen politischer Befangenheit erhalten. Sie hat nicht reagiert. Sie hat eine Beschwerde der algerischen Vereinigung gegen die VAR-Offiziellen im Messi-Fall erhalten. Sie hat die Offiziellen sanktioniert. Aber den AFA, der vom FBI untersucht wird, hat sie nicht einmal angesprochen.

Die FIFA sperrt, wer geopolitisch isoliert ist. Sie schweigt zu denen, die Geld durch das System spülen. Und sie nennt das «Neutralität».

Weiterführend: Die FIFA-Skandalchronik von Blatter zu Infantino liefert den historischen Kontext. Die Israel-Russland-Doppelmoral zeigt, wie die FIFA selektiv sanktioniert. Das Netzwerk Messi-Milei-Netanyahu-Infantino verbindet die Fäden. Der Überblick über das Muster zeigt alle Skandale der WM 2026.

Die Leseprobe zeigt dir den Ton. Der Vergleich zeigt dir die Tiefe.

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