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Chronik28. Juli 2026ca. 13 Min. Lesezeit

Die Chronik der Auslöschung – Teil 3: Kakerlaken und Krebs (1967–1995)

1967–1995: Die Dehumanisierung eskaliert

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Die Periode 1967–1995 markiert einen Wendepunkt. Die Vertreibung war vollzogen, die Leugnung etabliert. Nun begann die Dehumanisierung – die Beschreibung von Palästinensern als Tiere, Krankheiten, Ungeziefer – sich zu radikalisieren und in den politischen Mainstream zu wandern.

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Raphael Eitan: 'Betäubte Kakerlaken in einer Flasche' (1983)

Raphael Eitan, Israels Generalstabschef, sagte 1983 über die Besatzung der palästinensischen Gebiete:

"Wenn wir das Land besiedelt haben, wird das Einzige, was die Araber tun können, sein, wie betäubte Kakerlaken in einer Flasche herumzuhuschen."

Kakerlaken. In einer Flasche. Das ist nicht die Sprache eines Randpolitikers. Das ist der oberste Militär Israels. Eitan sagte dies, als die Besatzung 16 Jahre alt war – und formulierte damit eine Vision, in der die Palästinenser in einem Gefängnis leben, aus dem es kein Entkommen gibt.

02 / 09

Meir Kahane: 'They Must Go' (1984)

Meir Kahane, der 1984 in die Knesset gewählt wurde, machte die Vertreibung zu seinem Programm:

"Sie müssen gehen. Trennung."

Kahane war kein Einzelfall. Er war der extreme Ausdruck einer Strömung, die im Mainstream bereits existierte. Seine Partei Kach wurde 1994 als Terrororganisation verboten – aber seine Ideen lebten weiter. Itamar Ben-Gvir, Israels aktueller Sicherheitsminister, hat ein Foto von Kahane in seinem Wohnzimmer und sagt: "Ich war Kahanes Schüler."

03 / 09

Rabbi Israel Hess: 'Genozid als Gebot der Tora' (1980)

Rabbi Israel Hess schrieb 1980 in der Bar-Ilan-Universitätszeitung:

"Genozid: ein Gebot der Tora."

Er bezog sich auf Amalek – den biblischen Feind, dessen vollständige Auslöschung in der Tora befohlen wird. Die Gleichsetzung von Palästinensern mit Amalek ist nicht metaphorisch. Sie ist die religiöse Begründung für Genozid.

04 / 09

Ovadia Yosef: 'Vernichte sie, zerstöre ihren Samen' (2001)

Ovadia Yosef, der sephardische Oberrabbiner und spirituelle Führer der Shas-Partei, sagte in einer Pessach-Predigt 2001:

"Vernichte sie. Zerstöre ihren Samen. Sie sind böse, verflucht, ihr Samen ist der des Amalek."

Yosef war nicht irgendein Rabbiner. Er war der Oberrabbiner Israels, spiritueller Führer einer Partei, die jahrzehntelang in Regierungen saß. Er nannte Palästinenser auch "Esel" und "Antisemiten" in derselben Predigt.

05 / 09

Shamir: 'Heuschrecken, zerschmettere ihre Köpfe' (1988)

Yitzhak Shamir, Israels Premier, sagte 1988 während der Ersten Intifada:

"Heuschrecken, zerschmettere ihre Köpfe."

Premier. Über die eigene Zivilbevölkerung unter Besatzung.

06 / 09

Zeevi: 'Transfer, offen und ohne Scham' (1988)

Rehavam Zeevi, Tourismusminister, gründete 1988 die Moledet-Partei auf der Basis des 'Transfer':

"Transfer, offen und ohne Scham."

Während Herzl 1895 noch von 'diskret' sprach, war Zeevi 1988 'ohne Scham'. Die Maske fiel.

07 / 09

Begin: 'Zweibeinige Tiere' (1982)

Menachem Begin, Israels Premier, sagte 1982 im Kontext des Libanonkriegs:

"Unsere Feinde sind zweibeinige Tiere."

Begin bezog sich auf Terroristen, die Kinder ins Visier nahmen, nicht auf alle Palästinenser. Aber die Sprache – 'zweibeinige Tiere' – ist Teil derselben Dehumanisierung, die von Eitan zu Kahane zu Rabbi Hess reicht.

08 / 09

Die Rabin-Ermordung (1995)

Yitzhak Rabin unterzeichnete 1993 die Oslo-Abkommen. Er wurde als 'Verräter' bezeichnet. Itamar Ben-Gvir stand 1995 vor Rabins Haus mit einem Aufkleber 'Rabin ist ein Mörder' und sagte: "Wir kommen zu ihm."

Am 4. November 1995 erschoss Yigal Amir, ein jüdischer Extremist, Rabin nach einer Friedensdemo in Tel Aviv. Amir zitierte das religiöse Prinzip 'Din Rodef' zur Rechtfertigung.

Rabins Ermordung war kein isolierter Akt. Sie war das Ergebnis einer Dehumanisierungskampagne, die den eigenen Premier zum Ziel erklärte – weil er Frieden wollte.

09 / 09

Die Kontinuität: Dehumanisierung als System

Was diese Periode zeigt, ist die Normalisierung der Dehumanisierung:

  • 1980: Rabbi Hess – Genozid als Gebot
  • 1982: Begin – zweibeinige Tiere
  • 1983: Eitan – Kakerlaken in einer Flasche
  • 1984: Kahane – They must go
  • 1988: Shamir – Heuschrecken, zerschmettere ihre Köpfe
  • 1988: Zeevi – Transfer ohne Scham
  • 1995: Rabin ermordet

Die Sprache wurde immer offener, immer gewalttätiger, immer normaler. Und dann tötete sie den Mann, der Frieden wollte.


Teil 4 behandelt die Periode 1995–2010: Baraks 'Krokodile', Ya'alons 'Krebs', Shaked 'Schlangen-Mütter', Rabbi Shapiras 'Babys töten'.

Weiter zu Teil 4: "Chemotherapie und Schlangen"

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Die Chronik der Auslöschung – Teil 4: Chemotherapie und Schlangen (1995–2010)

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Eitan nannte Palästinenser 1983 'betäubte Kakerlaken in einer Flasche'. Was passiert mit einer Gesellschaft, in der solche Sprache normalisiert wird?

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