Zurück zum Blog
Pillar-Hub · 8 Beiträge verlinkt

Gesundheitsordnung03. Juni 2026ca. 8 Min. LesezeitAktualisiert 13. Juni 2026

Übersterblichkeit im Blick: Was die Zahlen wirklich sagen

Eine Million Tote pro Jahr. Seit 2020. Jemand muss das erklären.

übersterblichkeit deutschlandübersterblichkeit 2026destatiseuromomoeurostatsterbefällecoronasigmacodex
This transmission electron microscope image shows SARS-CoV-2, the virus that causes COVID-19, isolated from a patient in the U.S. Virus particles are

Dieser Artikel ist das Zentrum der Reihe „Übersterblichkeit im Blick". Er wird quartalsweise aktualisiert, wenn neue Destatis-, EuroMOMO- oder Eurostat-Daten veröffentlicht werden. Jede Aktualisierung wird oben mit einem Datum markiert.

01 / 07

Aktuelle Zahlen Deutschland (Stand: Q1 2026)

JahrSterbefälleVeränderungÜbersterblichkeit vs. 2019Quelle
2019~939.500Baseline0Destatis
2020~985.600+4,9 %+46.100Destatis
2021~1.023.000+3,8 %+83.500Destatis
2022~1.070.000+4,6 %+130.500Destatis
2023~1.024.000-4,3 %+84.500Destatis
2024~1.000.000-2,5 %+60.500Destatis
2025~995.000-0,5 %+55.500Destatis

Summe 2020–2025: Über 460.000 zusätzliche Sterbefälle über das 2019-Niveau hinaus. Bei demografischer Korrektur (alternde Bevölkerung ≈ +25.000/Jahr) bleiben dennoch über 300.000 Todesfälle, die nicht durch Alterung allein erklärt werden.

Die Zahlen erzählen eine Geschichte, die niemand gerne hört. Von 2020 bis 2022 stiegen die Sterbefälle in Deutschland kontinuierlich an, mit einem Höhepunkt im Jahr 2022, als über 1,07 Millionen Menschen starben. Das sind 130.500 mehr als 2019, dem letzten Jahr vor der Corona-Pandemie. Auch wenn die Zahlen seit 2023 leicht sinken, bleiben sie durchgehend über dem Vor-Corona-Niveau. Das Jahr 2025 liegt mit rund 995.000 Sterbefällen immer noch 55.500 über dem Basiswert. Wer diese Persistenz ignoriert, ignoriert nicht ein Randphänomen, sondern ein zentrales demografisches Ereignis.

02 / 07

Aktuelle Zahlen Europa (Stand: Q1 2026)

RegionQ4 2025 ÜbersterblichkeitTrendQuelle
EU-27 (Durchschnitt)+4,4 %SinkendEurostat
Deutschland+5–7 %StabilEuroMOMO
Italien+6–8 %StabilEuroMOMO
Frankreich+3–5 %SinkendEuroMOMO
Spanien+2–4 %SinkendEuroMOMO
Bulgarien-2 bis +1 %Negativ/NeutralEuroMOMO
Rumänien-1 bis +2 %Negativ/NeutralEuroMOMO
Schweden+3–5 %SinkendEuroMOMO
Dänemark+4–6 %StabilEuroMOMO
Niederlande+5–7 %StabilEuroMOMO

Die europäische Übersterblichkeit sinkt langsam, verschwindet aber nicht. Q4 2025 zeigt mit 4,4 Prozent immer noch deutlich erhöhte Werte gegenüber dem Vor-Corona-Niveau.

Quelle: Eurostat Excess Mortality (externer Link, öffnet in neuem Tab) und EuroMOMO (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Auffällig ist die geografische Verteilung. Süd- und mitteleuropäische Länder wie Italien, Deutschland und die Niederlande zeigen stabil erhöhte Werte zwischen fünf und acht Prozent. Bulgarien und Rumänien hingegen pendeln um den Nullpunkt oder darunter. Das widerspricht der nahe liegenden Annahme, dass allein die Impfquote das Muster erklärt, denn wenn das so wäre, müssten Länder mit niedriger Impfquote höhere Übersterblichkeit zeigen, was aber nicht durchgängig der Fall ist. Wer also Impfungen als alleinige Ursache anführt, übersieht, dass die Daten ein deutlich komplexeres Bild zeichnen, das sich nicht auf einen einzigen Faktor reduzieren lässt.

Frankreich und Spanien zeigen sinkende Tendenzen, was auf eine langsame Normalisierung hindeuten könnte. Gleichzeitig bleiben Deutschland, Italien und die Niederlande stabil erhöht, ohne klaren Abwärtstrend. Diese Unterschiede innerhalb Europas sind selbst ein Forschungsthema. Sie verweisen auf unterschiedliche Gesundheitssysteme, unterschiedliche Pandemieverläufe, unterschiedliche Impfkampagnen und möglicherweise unterschiedliche Erfassungsmethoden. Wer die europäische Übersterblichkeit verstehen will, muss sie länderweise lesen, nicht als Durchschnitt.

03 / 07

Die Altersgruppen: Wer ist betroffen?

EuroMOMO-Daten (Stand Woche 20/2026):

AltersgruppeTrend seit 2024Besonderheit
0–14 JahreStabil, niedrigKeine signifikante Übersterblichkeit
15–44 JahreModerat erhöhtSpitzen in Wintermonaten, erhöhte Volatilität
45–64 JahreErhöhtPersistierend über dem Vor-Corona-Niveau
65–74 JahreErhöhtLangsam sinkend, aber stabil über dem Niveau
75–84 JahreErhöhtHöchste absolute Zahlen, aber langsamster Rückgang
85+ JahreErhöhtDemografischer Faktor dominant

Die Altersverteilung zeigt ein differenziertes Bild. Bei den unter 15-Jährigen gibt es keine signifikante Auffälligkeit. Die Gruppe der 15- bis 44-Jährigen hingegen fällt auf, weil sie seit 2021 eine erhöhte Volatilität aufweist, also stärkere Schwankungen zwischen den Monaten. Das kann an Meldeverzögerungen liegen, aber auch an Faktoren, die bisher nicht ausreichend untersucht wurden. Die mittleren Altersgruppen zwischen 45 und 74 Jahren bleiben persistierend über dem Vor-Corona-Niveau. Bei den über 85-Jährigen ist der demografische Faktor dominant, was bedeutet, dass hier die Alterung der Bevölkerung einen Großteil der Erklärung liefert.

Gerade die Persistenz in den mittleren Altersgruppen verdient mehr Aufmerksamkeit. Es ist nicht die Gruppe, die man bei einer altersbedingten Übersterblichkeit erwarten würde. Es ist die Gruppe im erwerbsfähigen Alter, die normalerweise die stabilste Sterblichkeitskurve aller Altersgruppen hat. Dass sie seit Jahren erhöht bleibt, ist ein Signal, das eine Erklärung verlangt. Bisher gibt es diese Erklärung nicht offiziell. Es gibt Hypothesen, aber keine systematische Untersuchung auf Bundesebene, die den Anspruch erhebt, das Phänomen zu klären.

04 / 07

Die Analyse-Artikel der Reihe

Die folgenden Artikel vertiefen einzelne Aspekte der Übersterblichkeit. Sie ergänzen diesen Hub-Artikel, der die Übersicht liefert, mit detaillierten Analysen zu konkreten Fragestellungen.

Deutschlands stille Bilanz

Jahresweise Analyse 2020–2025 mit Destatis-Primärquellen, demografischer Korrektur und der politischen Leere. Dieser Artikel geht Jahr für Jahr durch die Sterbefallzahlen und fragt, was jeweils erklärt wurde und was nicht. Er zeigt, wo die offiziellen Erklärungen enden und die Fragen beginnen.

Der europäische Ländervergleich

Impfquote vs. Übersterblichkeit in 15 EU-Ländern. Steyer/Kappler-Analyse, Infosperber-Gegenanalyse und die Charge-Frage. Der Vergleich zeigt, dass einfache Erklärungen nicht ausreichen, wenn man die volle Bandbreite der europäischen Daten betrachtet.

Die Charge-Varianz

Warum manche Impfdosen gefährlicher waren. Schmeling/Manniche/Hansen, Jablonowski/Hooker, PEI-Stellungnahme und die offene Frage: Wer wusste Bescheid? Dieser Artikel beleuchtet eine der unbequemsten Fragen der gesamten Debatte.

PEI und EMA

Myokarditis, Thrombose, unerklärliche Todesfälle. Meldungsarchitektur, Untermeldequote und die Grenzen der Pharmakovigilanz. Wer verstehen will, warum Nebenwirkungen oft erst spät erkannt werden, muss das Meldesystem selbst verstehen.

Die politische Dimension

Die Schweige-Architektur. Warum Bundestag, Medien und Behörden die Übersterblichkeit nicht zum Thema machen. Dieser Artikel fragt nicht nach Ursachen, sondern nach der politischen Reaktion auf die Zahlen, oder genauer: nach deren Abwesenheit.

Corona-Geld

Corona-Geld: Wie Tote und Kranke zur Rechengröße wurden. Fallpauschalen, Intensivbetten-Prämien, PCR-Tests und das System der Anreize. Hier geht es um die Frage, ob finanzielle Anreize medizinische Entscheidungen beeinflusst haben.

05 / 07

Update-Archiv

DatumÄnderung
2026-06-07Erstveröffentlichung mit Daten bis Q1 2026

06 / 07

Primärquellen

Die Daten für diese Analyse stammen aus mehreren öffentlichen Quellen, die jeder selbst prüfen kann. Destatis veröffentlicht regelmäßig Sterbefallzahlen und Lebenserwartungsstatistiken, darunter auch die Pressemitteilungen zu den Sterbefällen der Jahre 2024 und 2025. Eurostat liefert die europäischen Übersterblichkeitsstatistiken, die monatlich aktualisiert werden und als standardisierte Vergleichsgrundlage dienen. EuroMOMO bietet wöchentliche Übersichten für alle teilnehmenden europäischen Länder und ist besonders nützlich für die Altersgruppenanalyse. Ergänzend dazu hat das Ärzteblatt über Zusammenhänge zwischen Übersterblichkeit und Impfquoten in ärmeren europäischen Ländern berichtet. Alle Quellen sind frei zugänglich und erfordern keine speziellen Zugangsrechte.

Die Übersterblichkeit ist kein Rätsel, sondern ein Muster, das dokumentiert und öffentlich ist. Was fehlt, ist die Bereitschaft, sie als das zu behandeln, was sie ist: ein gesellschaftliches Ereignis von historischer Dimension, das eine politische und wissenschaftliche Aufarbeitung verdient.

Wer die Zahlen ignoriert, ignoriert keine Verschwörungstheorie, sondern eine Million Tote pro Jahr. Das ist keine politische Position, sondern eine Rechenaufgabe.

07 / 07

Hinweise zu diesem Artikel

Dieser Artikel wird quartalsweise aktualisiert, sobald Destatis neue Sterbefalldaten und Eurostat oder EuroMOMO neue Übersterblichkeitsberichte veröffentlichen. Alle Rohdaten sind öffentlich zugänglich: Destatis veröffentlicht monatliche Sterbefallzahlen, EuroMOMO bietet wöchentliche Übersichten für alle teilnehmenden Länder. Wer die Zahlen selbst prüfen will, kann das jederzeit tun.

Die Übersterblichkeit ist ein aussagekräftigeres Maß als die absolute Sterbefallzahl, weil Deutschland altert. Die absolute Zahl steigt auch ohne Krise. Die Übersterblichkeit korrigiert um diesen Effekt und zeigt, ob mehr Menschen sterben als demografisch erwartet. Wer nach einer Verschwörung sucht, findet keine Belege dafür. Was es hingegen gibt, sind Belege für systemische Blindheit, politisches Desinteresse und wissenschaftliche Kontroversen, die nicht transparent ausgetragen wurden.

Die Leseprobe zeigt dir den Ton. Der Vergleich zeigt dir die Tiefe.

Vertiefung in der Chronik

Zitat-DatenbankPersonen-Profile
Σ

Sigma

Systemanalyse, Quellenprüfung und Einordnung. Keine Auftragsarbeit. Keine institutionelle Bindung. Der #SIGMACODE verbindet biografische Erfahrung mit disziplinierter Recherche.

Über den AutorRedaktionsrichtlinien

Als Nächstes lesen

Übersterblichkeit nach Altersgruppen: Was EuroMOMO und Destatis wirklich zeigen

Übersterblichkeit aufgeschlüsselt nach Altersgruppen: Was Destatis, EuroMOMO und der europäische Ländervergleich wirklich belegen, und wo die Methodik hakt.

Weiter

Alle Beiträge dieser Reihe

Beiträge in diesem Hub

Alle Analysen, Audits und Einordnungen, die zu diesem Hub gehören. Sortiert nach Relevanz und Datum.

Alle Artikel
Euro Banknotes Europa series as of 28th May 2019

Übersterblichkeit nach Altersgruppen: Was EuroMOMO und Destatis wirklich zeigen

Die Zahlen sind da. Die Debatte fehlt.

Lesen
This scanning electron microscope image shows SARS-CoV-2 (orange)—also known as 2019-nCoV, the virus that causes COVID-19—isolated from a patient in t

Deutschlands stille Bilanz: 5 Jahre Übersterblichkeit in Zahlen

Die Zahlen sind da. Die Debatte fehlt.

Lesen
A syringe, vaccine bottle, and glass globe. Credit: NIAID

Impfquote vs. Übersterblichkeit: Der europäische Ländervergleich

Höhere Impfquote, höhere Übersterblichkeit? Die Daten sind komplizierter.

Lesen
A picture of some Euro banknotes and various Euro coins.

Corona-Krankenhäuser: Mehr Geld bei weniger Patienten

Was die Destatis-Zahlen über das Krankenhaus-Finanzsystem offenbaren

Lesen
This scanning electron microscope image shows SARS-CoV-2 (round magenta objects) emerging from the surface of cells cultured in the lab. SARS-CoV-2, a
Politik11 Min.

Karl Lauterbach, Corona und die Prominenz: Wie aus einer Pandemie ein Finanzierungs-System wurde

Die Pandemie war nie nur ein medizinisches Ereignis. Sie war auch ein finanzielles.

Lesen
This transmission electron microscope image shows SARS-CoV-2, the virus that causes COVID-19, isolated from a patient in the U.S. Virus particles (rou

Übersterblichkeit: Warum Politik und Medien schweigen

Eine Million Tote pro Jahr. Und kein Politiker, der fragt, warum.

Lesen
This transmission electron microscope image shows SARS-CoV-2, the virus that causes COVID-19, isolated from a patient in the U.S. Virus particles are

Markus Söder: Der Lockdown-Ministerpräsident und die Macht der Angst

Bayern hatte den härtesten Lockdown. Und den Mann, der ihn verkaufte.

Lesen
"Novel Coronavirus SARS-CoV-2

Jens Spahn: Der Minister, der Pharma kannte

Von der Lobby in den Ministerposten. Von dort in die Beratung.

Lesen

Zum Weiterdenken

Was bleibt offen?

Wo verläuft bei "Übersterblichkeit im Blick" die Grenze zwischen plausibler Unsicherheit und politisch bequemer Auslassung?

Wenn du eine gute Gegenposition, Quelle oder Ergänzung hast, passt sie unten in die Diskussion.

Diskussion

0 Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste.

Mitlesen ist öffentlich. Mitreden geht jetzt auch mit TikTok.

Verbinde deinen TikTok-Account für schnelle Kommentare. Die Kauf-E-Mail kannst du später ergänzen.

Login Kit · user.info.basic